Zur Erinnerung:
* 10.12.1937 in Vechta, † 10.01.2023 in Herzogenaurach
„Jojo“, so wurde er im Familien- und Freundeskreis am liebsten genannt, wurde als ältestes von sieben Geschwistern in Vechta geboren. Nach der Schule wollte er zunächst die Laufbahn zum Berufsoffizier einschlagen, entschied sich aber nach kurzer Zeit, an der Technischen Universität in Berlin das Studium zum Wirtschaftsingenieur aufzunehmen. Hier fand er zur Tannenberg, der in Königsberg gegründeten und nach dem Krieg in Berlin reaktivierten Verbindung, in der er sich gerne engagierte und die fetten Berliner Jahre im KV-Haus mit prägte. In Berlin lernte Jojo 1962 seine spätere Frau Gisela kennen und lieben. Aus der über sechzig Jahre währenden Ehe gingen drei Kinder und drei Enkelkinder hervor. Wenn auf der Todesanzeige zu lesen steht: „Dankbar sind wir für ein langes, gemeinsames und gutes Familienleben“, dann ist das ein deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig und prägend für den Verstorbenen seine Familie war. Es scheint, dass es ihm „zum Lohn“ vergönnt war, in der letzten Zeit seines Lebens die nötige Zuwendung und Pflege im Familiendomizil erhalten zu können, und er durfte im eigenen Bett und umgeben von seinen Lieben sterben.
Von Jugend an war Franz-Josef in seiner heimischen Kirchengemeinde engagiert, ob als Ministrant oder in kirchlichen Jugendgruppen. Diese Verbundenheit setzte sich in Berlin bei Tannenberg und im KV fort. Als die Verbindung keine Aktiven mehr in Berlin gewinnen konnte und 1970 sistieren musste, suchte sie bundesweit eine andere KV-Verbindung, die ein aktives Leben am Studienort führte. So kam es 1982 zu der Vereinigung von Tannenberg mit Rheno-Frankonia in Würzburg. Allerdings ging Tannenberg nicht einfach in Rheno-Frankonia auf, sondern die meisten Mitglieder entschlossen sich auf beiden Seiten zum gegenseitigen Beitritt in die andere Verbindung als B-Mitglieder. Diese Lösung erhielt Tannenberg bis heute eine gewisse Eigenständigkeit, die freilich durch den Tod der alten Berliner immer weiter zurückgeht. Die Stiftungsfeste wurden fortan gemeinsam in Würzburg gefeiert. Von dem bei Tannenberg eifrig angesammelten Geld floss im Laufe der Jahre so manche Spende in den Unterhalt des gemeinsamen Hauses, „Zur Kette“. Franz-Josef Kossendey und seine Berliner Freunde genossen vom ersten Tag an die Atmosphäre in der alten Universitätsstadt Würzburg, besonders in dem ehemaligen Weinlokal, das Rheno-Frankonia 1960 als Vereinshaus hatte erwerben können. Franz-Josef war zu der Zeit Philistersenior der Tannenberg und gestaltete die originelle Fusionsidee vor Ort aktiv mit. Inzwischen sind Würzburger Studenten nach ihrer Philistrierung an die Spitze der Verbindung getreten. Es hat sich eingebürgert, dass der Philistersenior des einen Vereins der stellvertretende Leiter des anderen Vereins ist.
Wenn Franz-Josef in treuer Beharrlichkeit zu Veranstaltungen auf die „Kette“ kam und dafür keine Wege scheute, dann belebte er in seiner interessierten und freundschaftlichen Art regelrecht die Zusammenkünfte der Bundesbrüder und ihrer Gäste. Die Ernennung zum Ehrenphilister von Tannenberg und von Rheno-Frankonia zeugt von der außergewöhnlichen Wertschätzung, die Franz-Josef Kossendey unter seinen Bundesbrüdern zuteil wurde. Beruflich war Franz-Josef Kossendey nach dem Studienabschluss als Wirtschaftsingenieur in Berlin, dann in Nürnberg und schließlich bis zum Ende seiner Berufszeit in Neuss beschäftigt. In der Quirinus-Stadt Neuss engagierte er sich im KV-Ortszirkel „Quirinus“, dessen Vorsitz er 1998 bis 2003 führte. Neben dem Wassersport, der die Familie oft in den Ferien an die Adria lockte, genoss er das Radfahren und nahm an zahlreichen Radtouren den Niederrhein entlang teil, die fest zum Familienprogramm des Ortszirkels gehörten.
Die Initiative, die große Vertreterversammlung des Kartellverbands 2001 nach Neuss einzuladen, ging wesentlich von ihm aus. Da brauchte es Organisationstalent und freundschaftliche Atmosphäre, für die Franz-Josef in seiner Person garantierte. So organisierte er mit seinen Helfern das mehrtägige Verbandstreffen zur großen Zufriedenheit des Verbandes insgesamt, der damit einen beachtlichen Auftritt in der Quirinus-Stadt verbuchen konnte.
Die letzten Jahre von Franz-Josef Kossendey waren gezeichnet von seiner zuneh-menden Krankheit und Pflegebedürftigkeit. Nach seinem Berufsleben war er mit seiner Frau Gisela in die Nähe zweier ihrer Kinder nach Franken gezogen. Im Kreis der Familie fand er in seinem Haus in Herzogenaurach Geborgenheit und Liebe, bis er im wahrsten Sinne des Wortes sanft entschlafen ist. Zu seiner Beer-digung waren Chargenabordnungen von Tannenberg und Rheno-Frankonia und zwei ehemalige Philistersenioren der Rheno-Frankonia angereist, um ihm am 20. Januar 2023 mit der Totenmesse und der Beerdigung, die sein Bb P. Robert Jauch OFM zelebrierte, die letzte Ehre zu erweisen und die Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, die der KV dem Verstorbenen über das Grab hinaus schuldet. Auf der Todesanzeige hatte die Familie ein Zitat von Romano Guardini gesetzt: „Der Tod ist die uns zugewandte Seite jenes Ganzen, dessen andere Seite Auferstehung heißt.“ Diese österliche Zuversicht steht über dem Leben des Verstorbenen und schenke den Hinterbliebenen den Trost unseres Glaubens.
C. N.
