Ein Pazifist und kultureller Mittler zwischen Ost und West

Prinz Max, Herzog zu Sachsen, wurde geboren am 7. November 1870 in Dresden als dritter Sohn des späteren Königs Georg von Sachsen (1902 bis 1904) und der Donna Maria Anna, Infantin von Portugal. Er war Onkel Kaiser Karls von Österreich (1916 bis 1918).

Prinz Max wurde standesgemäß von Hauslehrern erzogen. Nach dem Abitur in Dresden 1888 absolvierte er den Militärdienst, der für Abiturienten nur ein Jahr dauerte. Danach studierte er Nationalökonomie und Jura, bis er 1893 in Leipzig summa cum laude zum Doktor des Bürgerlichen und des Kirchenrechts promoviert wurde. Anschließend trat er als Leutnant in ein sächsisches Ulanenregiment ein, verließ es aber bald wieder und immatrikulierte sich 1893 für das Studium der Philosophie in Eichstätt. Im Herbst desselben Jahres trat er aber ins Eichstätter Priesterseminar ein und wurde 1896 zum Priester geweiht. Damit endete die erste Phase des Suchens nach dem Sinn eines insgesamt sehr unruhigen Lebens.

Mit der Priesterweihe musste Prinz Max auf seinen Anspruch in der sächsischen Thronfolge verzichten, weil einerseits das katholische Priestertum den Zölibat verlangt, andererseits aber ein Thronfolger möglichst einen Thronfolger zeugen soll. Allerdings erhielt Prinz Max gleichzeitig mit der Priesterweihe prophylaktisch Dispens vom Priestertum durch den Heiligen Stuhl für den Fall, dass er aus dynastischen Gründen gezwungen sein würde, den sächsischen Thron dereinst doch übernehmen zu müssen.

Seine erste Priesterstelle erhielt Prinz Max in der Deutschen Katholischen Mission St. Bonifatius an der Adler Street in London-Whitechapel (1896/97). Whitechapel liegt im proletarischen East End der Metropole und war damals Ziel vieler deutscher und jüdischer Auswanderer. Prinz Max war dort missionarisch sehr aktiv und taufte allein von Januar bis August 1897 nach Ausweis der dortigen Taufbücher 49 zum Katholizismus konvertierte Personen. 
1897/98 war Prinz Max als Kaplan wieder in Eichstätt und promovierte 1898 zum Doktor der Theologie in Würzburg. In seinen Studienzeiten soll er für jeden studentischen Ulk zu haben gewesen sein.

Für zwei Jahre war Prinz Max dann in der Seelsorge in Nürnberg tätig, bis er im Herbst 1900 eine Theologieprofessur im schweizerischen Fribourg erhielt. Er lehrte Liturgik und z.T. auch Kirchenrecht. In seinen zwölf Schweizer Jahren pendelte Prinz Max alljährlich zwischen Fribourg und und Lemberg, dem heutigen Lwiw,  in der damals österreichischen Westukraine (Galizien). In Lemberg hielt er Vorlesungskurse und zwar am Ruthenischen Priesterseminar, obwohl es dort auch ein Römisch-Katholisches gab. 1910 verurteilte Papst Pius X. Prinz Max‘ Ansichten zur Wiedervereinigung der Römischen mit der Ostkirche, wie der Professor sie soeben in einem Aufsatz veröffentlicht hatte. Nach einer im Gefolge der päpstlichen Verurteilung einsetzenden Hetzkampagne gegen Prinz Max wechselte dieser 1912 von der Schweiz zum Kölner Priesterseminar, wo er nun Liturgik dozierte.

Obwohl rechtlich nie beendet, dauerte seine Zugehörigkeit zum Kölner Seminar faktisch nur zwei Jahre, weil Prinz Max nach Kriegsausbruch 1914 Divisionspfarrer einer sächsischen Infanteriedivision wurde. Auf Grund seiner königlichen Herkunft hatte er direkten Zugang zu Kaiser Wilhelm II., und als dieser bei einer militärischen Lagebesprechung über die Engländer herzog, hielt ihm in Gegenwart von Offizieren – mehr naiv als mutig – Prinz Max von Sachsen entgegen: „Aber Willy, Deine Mutter war doch auch Engländerin!“ Wilhelm II. mochte dies als Anspielung darauf sehen, dass Victoria, Princess Royal von England, ihn mit einer Fehlbildung des linken Arms geboren hatte. Max von Sachsen fiel beim Kaiser in Ungnade und wurde als Divisionspfarrer abgesetzt. Er war noch kurz Lazarettgeistlicher in einem sächsischen Reservelazarett und schied 1916 aus dem Militärdienst aus. 
Er ging aber nicht – wozu er verpflichtet war – als Professor an das Priesterseminar in Köln zurück, sondern blieb in Sachsen, beschäftigt mit Seelsorge und privaten Studien. Nach dem Ersten Weltkrieg übte er Seelsorge in Bayern aus, besonders in München. Auch im reiferen Mannesalter war sein Leben unstet geblieben, angetrieben durch einen ruhelos arbeitenden Intellekt.

Im Frühjahr 1921 wurde Prinz Max Professor an der Philosophischen Fakultät im Schweizerischen Fribourg, wo er bis 1912 ja schon an der Theologischen Fakultät gelehrt hatte. Nun dozierte er das Fach „Orientalische Kulturen und Literaturen“. Ab 1900 schon hatte er umfangreiche Sprachstudien betrieben und Arabisch, Syrisch, Russisch, Kirchenslawisch und Kirchenarmenisch gelernt. Dazu beherrschte er Englisch, Französisch, Italienisch, Lateinisch, Griechisch und Hebräisch. Häufige Studienreisen führten ihn nach Palästina, in den Libanon, nach Ägypten, auf den Balkan, nach Russland, Georgien und Armenien, zu den Klöstern der griechisch-orthodoxen Mönchsrepublik Athos und in die Türkei.

Prinz Max, der ein bewegtes Priester- und Professorenleben hinter sich hatte, als er am 12. Januar 1951 in Fribourg starb, wurde auch als Kandidat für den einen oder den anderen Bischofsstuhl genannt. Er, der für Glaubensvereinigung, Völkerverständigung und Pazifismus eintrat (letzteres zu einer Zeit, als Pazifismus in Deutschland lebensgefährlich war), veröffentlichte außer theologischen auch antialkoholistische, vegetaristische und Tierschutzschriften, in denen er sich gegen Tierversuche wandte, besonders gegen die Vivisektion.

Professor Dr. theol. et jur. utr. Max Prinz von Sachsen war Ehrenmitglied der 1929 als außerordentlicher Kartellverein in den KV aufgenommenen Germania-Helvetia zu Fribourg.

Siegfried Koß

Charakteristische Schriften von Max von Sachsen

Le culte marial dans la liturgie grecque (1902);     
Praelectiones de liturgiis orientalibus I-II (1908/13);     
Pensées sur la question de l’Union des Eglises (in: Roma e l’Oriente, 1910);     
Ani und Etschmiadsin (in: Organ der Wiener Armenisch-Katholischen Mechitaristen, 1927);     
Gegen die Wehrpflicht (in: Der Friedenskämpfer, 1930);     
Il pensiero di una facoltà filosofica cattolica sul problema della vivisezione (in: Scienza e Coscienza, 1932);     
A Greeting to the Armenians in California (in: The Phacos, 1932);    
Epargnez la vie des animaux, même celle des plus petits êtres (in: Der Tierfreund, 1935);     
L’alcoolisme et l’oeuvre antialcoolique en Saxe (in: Bulletin. Programme de la Maison du Peuple de Lausanne, 1938);     
Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen! (1938).