Fest der Zeitenwende
Was zu Christi Himmelfahrt gefeiert wird
Für mich ist Christi Himmelfahrt ein ganz besonderer Feiertag – bin ich doch genau an diesem Fest (1962) geboren worden. Christi Himmelfahrt ist ein Höhepunkt der Osterzeit. Dieser gesetzliche Feiertag lebte selbst in der atheistisch ausgerichteten DDR trotz seiner offiziellen Abschaffung im Jahr 1967 als Herrentag fort.
Die Zeitspanne von vierzig Tagen seit Ostern begegnet uns hier als Phase der Nachbereitung von Tod und Auferstehung Jesu Christi, spiegelbildlich zu der Vorbereitungszeit Jesu auf sein öffentliches Wirken. Christi Himmelfahrt ist die Umkehrung der zweiten Versuchung Jesu in der Wüste: Es ist nicht der Sprung vom Tempel als heiligem Ort in die Tiefe und Bodenlosigkeit, sondern die Elevation von der Erde und dem Irdischen an die Seite des Heiligsten selbst, nämlich Gottes des Vaters.
Die Bibelstellen zu diesem Fest scheinen auf den ersten Blick widersprüchlich:
Die Schilderung einer vierzigtägigen Übergangszeit, in welcher der Auferstandene immer wieder seinen Jüngerinnen und Jüngern erschienen ist, findet sich in der Apostelgeschichte des Lukas (Apg 1,3). Im Evangelium des Pfingstsonntags nach Johannes (Joh 20,19-23) hingegen ist die gesamte Pfingstzeit (etymologisch Pentekoste, also fünfzig Tage seit Ostern) auf den Auferstehungstag selbst verdichtet.
Es geht indes nicht um geschichtlich-kalendarische Zeitbestimmungen, sondern um eine Aussage über die Abfolge und Folgerichtigkeit des Heilshandelns Gottes. In den – zahlensymbolisch – vierzig Tagen seit Ostern hat sich Jesus als Auferstandener – weder Alien noch Untoter – in einer verklärten Seinsweise seinen Jüngerinnen und Jüngern zu erkennen gegeben.
Die Aussage der Himmelfahrt ist eine doppelte:
Das (hin)anziehende Moment besteht darin, dass Jesus weder erdverhaftet noch in einem Schwebezustand zwischen Himmel und Erde bleibt. Vielmehr wird er zum Vater erhöht, also in die himmlische Ewigkeit und Vollkommenheit aufgenommen. Welch unüberbietbare Aufwertung. Damit beglaubigt der Vater das Erlösungswerk als ein für allemal getan: Mission accomplished.
Als entziehendes Moment ist Himmelfahrt eine Zeitenwende. Gott verortet sich nicht dauerhaft als Ansprechinstitution oder -person auf Erden, weder als Delphisches Orakel noch als Vormund oder Universalberater. Himmelfahrt ist ein vom Vater ausgehender Akt der Emanzipation der Menschheit: Gott lässt seine Geschöpfe frei, bietet ihnen an, in der Nachfolge Christi dessen Werk fortzusetzen und in die jeweilige Zeit und Situation zu übersetzen.
Mit Pfingsten wird die Phase der Unterweisung der Jüngerinnen und Jünger durch den Sohn durch die Phase der Inspiration aller Menschen guten Willens durch den Heiligen Geist abgelöst. So ist letztlich jeder Mensch hineingenommen in den Schnittpunkt der Dreifaltigkeit – großartig, mehr geht nicht.
Christian Papsthart (Ma, Ask-Bg, Urb)