Zeitweise einer der einflussreichsten deutschen Manager: Kb Dr. Gerhard Cromme
Mit achtzig Jahren immer noch aktiv
Er war einer der mächtigsten Manager Deutschlands und prägte die Geschicke großer Unternehmen. Völlig in den Ruhestand zurückgezogen hat sich Kb Dr. Gerhard Cromme (Gm) aber nicht mit seinem achtzigsten Geburtstag, den er Ende Februar feiern konnte.
Was nicht jeder weiß: Kb Cromme stammt aus Vechta im Oldenburger Münsterland, wo er am 25. Februar 1943 geboren wurde. In Münster, wohin die Familie später umzog, ging er aufs Gymnasium und machte sein Abitur. Von 1962 bis 1971 studierte er Jura und Volkswirtschaftslehre in Münster, Lausanne, Paris und Harvard. In Münster schloss er sich dem K.St.V. Germania an. Nach dem ersten und zweiten juristischen Staatsexamen wurde er 1969 mit dem Thema „Die Kraftfahrzeughaftpflicht in Frankreich und Deutschland. Eine rechtsvergleichende Untersuchung” an der Westfälischen Wilhelms-Universität zum Dr. jur. promoviert. „Mir war immer klar: Ich wollte Manager werden, wollte etwas bewegen, wollte machen”, sagte Cromme im Februar gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). „Deshalb bin ich nach der Universität in die Industrie gegangen. Nach meinem zweiten juristischen Staatsexamen habe ich mich zu Hause unter die heiße Dusche gestellt, und danach habe ich nie wieder ein juristisches Buch in die Hand genommen.”
Seine Karriere startete Kb Cromme 1971 beim französischen Industriekonzern Saint-Gobain. 1986 wurde er Chef von Krupp Stahl und in ganz Deutschland bekannt, als er 1987/88 gegen heftigen Widerstand das Krupp Stahlwerk in Duisburg-Rheinhausen schließen ließ. „Das war eine schwierige Zeit”, sagte er im selben Interview mit der FAZ. „Es gab Hausbelagerungen und Morddrohungen, ich habe meine Familie fast ein Jahr lang nach Frankreich ausgelagert. Und als sie wieder zurückkamen, wurden die Kinder in der Schule gemobbt. Meine Frau hat mit ihnen Rollenspiele gemacht, wie sie reagieren sollen, wenn sie jemand wegen ihres Papas angeht.”
Cromme leitete die Fusion mit dem Stahl- Konkurrenten Hoesch ein, sieben Jahre später folgte die Fusion mit Thyssen.
Zu Beginn des Jahrtausends stand Cromme auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Neben dem Vorsitz des Stahlprimus Thyssenkrupp (zusammen mit Ekkehard Schulz) wurde er Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens, hatte Mandate bei Allianz, Lufthansa, Hochtief, Axel Springer, Volkswagen und Eon und leitete bis 2008 die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex.
Heute engagiert sich Kb Dr. Gerhard Cromme in der deutschen Start-up-Szene. Zu seiner Zeit sei ein Uni-Absolvent, der ein Unternehmen gründen wollte, von seinen Kollegen mitleidig angeschaut worden, weil ihn offenbar keiner haben wollte. Heute sei das anders, meinte Cromme gegenüber der FAZ: „Ich sage immer: Wer heute eine gute Idee hat, der hat den Marschallstab schon im Tornister!”
RN/PD