Dr. Friedhelm Golücke (CV) ausgezeichnet mit der Fabricius-Medaille des CDA

Wer wirklich wissen will, was den jüngsten Preisträger der Fabriciusmedaille bewegt, sollte ihn am besten in dem von ihm 2003 gegründeten und geleiteten Institut für Deutsche Studentengeschichte, untergebracht im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn, aufsuchen, wo Friedhelm Golücke einen Schatz von rund 15.000 Monographien aus dem Bereich der Hochschul- und Studentengeschichte hütet, darunter zahlreiche Verbindungsfestschriften, mehr als 6.000 Zeitschriftennummern, rund 10.000 Zeitungsartikel sowie Couleurartikel und Erinnerungsstücke wie Fahnen, Wappen, Bänder, Mützen, Zipfel, Krüge etc. 

Unterstützt von weiteren ehrenamtlichen Helfern arbeitet das Institut, das durch immer wieder neue Schenkungen wächst, in Kooperation mit dem Historischen Institut der Universität Paderborn.

Die Anfänge seines Wirkens reichen bis in das Jahr 1964 zurück, als er nach dem Dienst als Zeitsoldat bei der Panzergrenadiertruppe – zuletzt im Rang eines Oberstleutnants der Reserve – in Würzburg das Studium der Geschichte und Philologie aufnahm und bei Markomannia (CV) aktiv wurde. Nach dem Staatsexamen 1971 promovierte er am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg/Breisgau und arbeitete seither als wissenschaftlicher Angestellter bzw. Studienrat bis zur Pensionierung am Reismann-Gymnasium Paderborn. 

Auf seine Initiative wurde im Jahr 1974 mit vier Mitgliedern der Archivverein der Markomannia (AVM) in der Würzburger Weinstube Johanniterbäck zunächst mit dem Ziel gegründet, den Archivbestand seiner Verbindung zu ordnen und zu erfassen. In rascher Folge erschienen die ersten Veröffentlichungen – darunter die 1. Auflage des Studentenwörterbuchs, das seit 2017 mit vier Bänden als Golückes Opus magnum in 5. Auflage vorliegt – und machten den Verein, der jedem Interessierten offensteht, weit über die eigene Verbindung hinaus bekannt. Seit 1988 als Gemeinschaft für Deutsche Studentengeschichte (GDS) wuchs der Bestand in der Folge auf bis 2.100 Mitglieder an. Seit 1981 erscheint neben verschiedenen Buchreihen insbesondere bis heute die von Herrn Detlef Frische (Ubia Bruns-viga, Hasso-Guestfalia) herausgegebene Mitgliederzeitschrift Studenten-Kurier. 2005 wurde zusätzlich die Stiftung Deutsche Studentengeschichte (SDS) errichtet. 

Golückes Markenzeichen ist seine stets aufmerksame, freundliche und nachge-rade unprätentiöse Art. Nachdem er seiner Markomannia im Wintersemester 1965/66 als Consenior und im Wintersemester 1969/70 als Fuxmajor gedient hatte, wurde er bereits 1980 mit dem Ehrenband ausgezeichnet. Er ist außerdem Bandphilister der in Duisburg wiedergegründeten Elbmark-Tetschen. Es bedurfte jedoch schon eines guten Stücks Überredungskunst, ihn von der Annahme des am 3. Juni 2008 für seine Verdienste um die Studenten- und Regionalgeschichte verliehenen Bundesverdienstkreuzes zu überzeugen.

Am 16. Dezember 2022 hat ihn nunmehr auch der Convent deutscher Akademikerverbände (CDA) mit der nach dem Corpshistoriker Wilhelm Fabricius (1857-1942) benannten Medaille ausgezeichnet – die verbandsübergreifend höchste Ehrung im deutschsprachigen Korporationswesen. Nach einer Führung durch die Institutsräume nahm CDA-Vorsitzender Benedikt Fahrland (Burschenschaft Hilaritas Stuttgart), assistiert von Vorstandsmitglied Gerhard Serges (Technische Verbindung Marcomannia Frankfurt/Main) und dem Leiter des Arbeitskreises im CDA für Studentengeschichte, Dr. Sebastian Sigler (Corps Masovia Potsdam) in Anwesenheit von Ehefrau Annemarie, Mitarbeitern und Freunden die Ehrung vor. Anlässlich der Verleihung nahm der Laureat in der ihm eigenen Bescheidenheit die Glückwünsche der Anwesenden an und bat bei einem Glas Sekt statt Dankesrede darum, ihm zwanglos Fragen rund um die Studentengeschichte, zur wissenschaftlichen Arbeit und neuen Projekten zu stellen – eigene Pläne hat er noch genug. 

Dr. Bernhard Grün (CV)