Gemeinsames Stiftungsfest von K.St.V. Mainfranken und K.St.V. Urbano in Bamberg vom 16. bis 18. Juni 2023

Über sieben Hügel musst du geh´n – diese Gemeinsamkeit zwischen Bamberg und Rom führte zum zweiten Mal die beiden KV-Verbindungen Mainfranken und Urbano zur gemeinsamen Feier des Stiftungsfestes zusammen – Urbano sucht nur zu halbrunden und runden Stiftungsfesten die Ewige Stadt Rom auf.

Die Ortswahl erwies sich als goldrichtig: Angenehmes Sommerwetter durchstrahlte und durchwärmte das von Kaiser Heinrich II. als Caput orbis gegründete Bamberg, und in locker-gelöster Stimmung konn-ten sich Mainfranken, Urbanen und Gäste bereits am Freitagabend auf und vor dem Mainfranken-Haus in der Partymeile Bambergs, der Sandstraße, zum gemütlichen Beisammensein und fröhlichen Wiedersehen treffen.
Am Samstag stand zunächst für beide Verbindungen die Arbeit an, nämlich das Abhalten ihrer jeweiligen Altherren- und Cumulativkonvente auf dem Mainfrankenhaus: die Mainfranken vormittags, die Urbanen nachmittags. Und dann stand dem Vergnügen nichts mehr im Weg: Am frühen Abend trafen sich die KVer und ihre Gäste zum Abendessen im Gasthaus „Sternla“ in der Langen Straße und legten die körperliche Grundlage für den sich dort anschließenden Festkommers beider Verbindungen, den der Mainfranken-Senior Robert Ahr mit seinem Präsidium schlug. Mitchargierend traten ihnen die Aktiven des K.St.V. Urbano zur Seite, die angeführt wurden von Vinzenz Frey, zugleich amtierender Vorortpräsident des KV. Im dicht gefüllten Nebenraum des „Sternla“, der zudem zwecks Aufrechterhaltung des normalen Bewirtungsbetriebs für die anderen Gäste die Fenster zum Wirtshausgarten hin schließen musste, entwickelte sich eine kuschelig-saunaartige Wärme, die den in Wichs Chargierenden, aber auch dem Bierorgler und insbesondere dem Festredner einiges abverlangte. Doch der Festredner Dr. Christian Lange ist durch seinen früheren Beruf als vormaliger Zweiter Bürgermeister der Stadt Bamberg Hitzeschlachten in Sälen und Bierzelten gewohnt.

Andere religiöse Überzeugungen wertschätzen, ohne die eigenen aufzugeben

An diesem Abend aber war nicht seine politische Vergangenheit, sondern seine berufliche Gegenwart als Vertretungs-Professor des Lehrstuhls für Kirchengeschichte des Altertums, christliche Archäologie und Patrologie an der Univer- sität Würzburg themenbestimmend. Er sprach über „Interreligiöse Diskursivität“.
Die Lageanalyse unter dem Gesichtspunkt der religiösen Sozialisierung nahm der Festredner anhand einer Untersuchung der Schülerschaft in Bayern vor, die aber auch Spiegelbild der Gesellschaft insgesamt hierzulande ist: Anhand von statistischen Angaben untermauerte er, dass einerseits der Anteil von Angehörigen der katholischen und evangelischen Christen deutlich rückläufig ist, wohingegen derjenige von Säkularen, von Muslimen, aber auch – insbesondere durch den aktuellen Krieg Russlands gegen die Ukraine – von orthodoxen Christen steigt.
In Bezug auf den Koran machte der Festredner deutlich, dass dieser heute entstehungsgeschichtlich der Spätantike zugerechnet wird und durch diese neue wissenschaftliche Betrachtungsweise frühes Christentum, rabbinisch-talmudisches Judentum und Koran, die alle drei auf bestimmte orientalische religiöse Überlieferungs- und Erzählungsstränge zugreifen, viel stärker in ihrem Wechselspiel von Gemeinsamkeit und Ausdifferenzierung wahrgenommen werden.
Als Beispiele führte Dr. Christian Lange die Bestückung sowie die Landung der Arche Noah in den Narrativen dieser drei Religionen an – in Bezug auf das Christentum insoweit Altes Testament. Fundamental für die jeweilige Sicht des Menschen innerhalb der Schöpfung ist die jeweilige Darstellung und Deutung des Konflikts vom Erdwesen Mensch und dem Geistwesen und (gefallenen) Engel, der sich im Neuen Testament in der Vaterunser-Bitte „Erlöse uns von dem Bösen“ vor dem Hintergrund der Erzählung vom Sturz des Luzifers abbildet. Aus Lagebild und Beispielen leitete der Festredner eine Reihe von Schlussfolgerungen ab: Die eigene religiöse Tradition profitiert und gewinnt an Klarheit und Konturschärfung durch die Einbeziehung einer Außenperspektive. Zugleich bewirkt der Wissenstransfer ein besseres Verständnis der anderen Religionen in Anerkennung der Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. 

Das östliche (ortho-doxe) Christentum: Kulturvermittler zur Antike

All dies führt insgesamt zu einem besseren kulturgeschichtlichen Verständnis. In besonderer Weise gilt es, die östliche (orthodoxe) Tradition des Christentums als Kulturvermittler zur Antike hin zu entdecken und zu würdigen. Schließlich gibt ein guter konfessioneller Unterricht, wenn er interreligiös-diskursive Elemente enthält, die Grundlage für den Bekennermut und die Entscheidungskompetenz zum eigenen Glaubensweg.

Beide Verbindungen, Mainfranken und Urbano, vermeldeten erfreuliche Zuwächse sowohl in der Aktivitas als auch im Altherrenverein. Der Senior der K.St.V. Mainfranken, Robert Ahr, konnte fünf bisher Aktive aus der Aktivitas verabschieden und als neue Alte Herren begrüßen. Zudem nahm er Anna Ernesti als Couleurdame auf. Mit zwei zu Burschen Promovierten nahm er den ersten Burschentrunk, und einen als Fuxen Rezipierten begrüßte er im Fuxenstall. Allerdings waren im Totengedenken der Mainfranken drei Todesfälle zu betrauern.

Die große Schar von Anwesenden auch anderer Verbindungen und Bünde kam in den Grußworten zum Vorschein, die unter anderem von Karl Kautzsch für die K.St.V. Urbano und für den KV, von Manuel Strasser für die K.St.V. Ludovicia Augsburg, von Lars Blumberg für die AKV Aggstein im ÖKV zu Wien, von Ben Elias Schneider für die K.St.V. Abraxas-Rheinpreußen Dresden, von Andreas Weik für die Unitas Henricia im UV zu Bamberg und von Christian Papsthart für die K.St.V. Askania-Burgundia Berlin entboten wurden.

Mit der 11.30 Uhr-Messe im Bamberger Dom am Sonntag, die der bisherige Generalvikar Georg Kestel zugleich als Stiftungsfestgottesdienst mit chargierten Mainfranken zelebrierte, sowie einer abschließenden Möglichkeit zur leiblichen Stärkung im „Klosterbräu“ ging ein rundum gelungenes Stiftungsfest zu Ende.

Christian Papsthart (Ma, Ask-Bg, Urb)