Hauptausschuss und Aktiventag debattierten im Mai in Würzburg über die Zukunft des KV

Der KV hat seine Sorgen: Steigende Kosten, die von einer kleiner werdenden Mitgliederschar finanziert werden müssen, werfen die Frage auf, was sich unser Verband in Zukunft noch an Ausgaben und Aufwendungen leisten kann, und welche Mehrbelastung den Mitgliedern des KV zumutbar ist. Dies war auch die Hauptfrage, die Aktiventag und Hauptausschuss auf ihrer Tagung vom 19. bis 21. Mai 2023 in Würzburg beschäftigte und sie wird wohl noch weitere Diskussionen bis zur nächsten VV 2025 bestimmen.
Der Hauptausschuss wurde im Mai 2022 auf der Vertreterversammlung in Recklinghausen als Verbandsgremium wiedereingeführt, da nicht mehr jedes Jahr eine VV veranstaltet wird.
Zusammen mit dem Aktiventag soll der Hauptausschuss zwischen den „großen” verpflichtenden, alle drei Jahre stattfindenden Vertreterversammlungen die Arbeit der KV-Gremien begleiten und kontrollieren sowie wichtige Verbandsangelegenheiten, die nicht Satzungs- oder Beitragsänderungen betreffen, regeln. Zwölf Aktive und zwölf Altherrenvertreter aus verschiedenen KV-Korporationen gehören ihm nach der Wahl auf der VV 2022 an. Die angeregte, konstruktive Diskussion mit dem Aktiventag und das gute kartellbrüderliche Miteinander in Würzburg haben gezeigt, wie gut dieses wiederbelebte Gremium angenommen worden ist.
Was sich neben der Finanzfrage wie ein roter Faden durch die Debatten zu verschiedenen Punkten der Tagesordnung zog, war die Klage, dass die Zusammenarbeit zwischen Sekretariat und den Korporationen beim Meldeverhalten unbedingt verbessert werden muss - wobei die Korporationen weit überwiegend in der Bringschuld stehen. Viele reden sich bei ihrem Meldeverhalten mit Sätzen wie „Habe ich vergessen” oder „verspätet ist doch auch noch rechtzeitig” heraus, ohne zu bedenken, dass es einen Zusammenhang zwischen eigenem Meldeverhalten und den Kosten gibt, die dem KV-Sekretariat entstehen, das solche Reibungsverluste ausgleichen muss, sagte Kb Gregor Selbach (Rhein), der als Verhandlungsleiter die Beratungen souverän führte. „Und die daraus resultierenden Kosten tragen wir alle!”, denn irgendwann müssten die Beiträge erhöht werden, um weiteres Personal einzustellen, das diese zusätzliche, eigentlich unnötige Arbeit erledigen muss. „Dieser finanzielle Aspekt ist den meisten nicht klar.” Privatunternehmen jedenfalls würden solche Kostensteigerungen nicht tolerieren.

Damian Kaiser, der Geschäftsführer des KV, ergänzte: „Wir wissen von Aktiven, die mehrere Chargen bekleidet haben und erstaunt fragen: „Warum bin ich nicht im KV-Jahrbuch? Wir wissen, dass Aktive, die nicht beim Sekretariat gemeldet sind, sich philistrieren lassen.” Das KV-Sekretariat könne das Meldeverhalten der Einzelnen vor Ort nicht beeinflussen. Bis heute sei es nicht gelungen, das Lastschriftverfahren umzusetzen, zu dem sich der letzte Aktiventag für Aktive entschlossen habe. Auch sei es nicht möglich, Meldungen von Wohnungs- oder Studienortswechseln, Änderungen von Adressen, Telefonverbindungen oder E-Mails mit Hilfe von Sanktionen durchzusetzen. 

Der KV - als Dachverband zu anonym?

„Was sollen wir denn machen, außer mahnen und anfragen?” fragte der Geschäftsführer das Plenum. „Wenn Sie eine Lösung haben - gerne, aber wir, das KV-Sekretariat, wir wissen es nicht.”
Auch falle das Engagement für einen Verein mit vertrauten Mitgliedern und Strukturen offensichtlich leichter als der Einsatz für einen relativ anonymen Dachverband wie dem KV, meinte Damian Kaiser. Ein Beispiel: Längere Zeit sei die Verbandszeitschrift des KV, die AM, nicht digital versandt worden. Der Grund: Um das KV-Sekretariat zu entlasten, habe die VV beschlossen, diese Aufgabe ins Ehrenamt outzusourcen, also einen Kartellbruder mit dem digitalen Versand zu betrauen. Dazu habe sich dann auch jemand bereit erklärt, berichtete Damian Kaiser „und der hat das dann nicht geschafft”, sodass der Onlineversand der AM schließlich wieder beim KV-Sekretariat gelandet sei (wo dies seitdem auch wieder verlässlich ausgeführt wird). 
Um ähnliche Unwägbarkeiten auszuschließen, will man bei der Pflege des KV-Auftritts in den sozialen Medien, die bisher an eine Firma ausgelagert war, deren Dienste dem KV auf die Dauer aber zu kostspielig werden, anders vorgehen. Bevor man diese Firma beauftragt hatte, habe man seine Hoffnung auf den Einsatz der natürlicherweise zuständig Scheinenden gesetzt, ließ KV-Ratsvorsitzender Dr. Markus Wittenberg (Mk, Li, AR, Smn, Wk, Eck), durchblicken, doch habe man sich auf den Einsatz von Ehrenamtlichen nicht verlassen können.

Unser Verband in den social media

Künftig soll die Pflege der KV-Präsenz bei Twitter, Instagram, Telegram und Youtube von zwei Studenten aus dem KV auf Basis einer 520-Euro-Stelle erledigt werden (Die Homepage wird weiter vom KV-Sekretariat gepflegt). Die Vorteile der Regelung: Die Leistung ist für den Verband günstiger, das Geld bleibt im KV, die vertragliche Abmachung verhindert, dass der Einsatz nach Belieben ausgesetzt oder beendet wird. Aber was ist, wenn dieser Versuch misslingt? Dann, sagte Kb Marco Ramón (Ost, Fr-S+Ebg, Smn, Osg), „gehen wir den Weg zurück, aber wissen auch, warum wir einem Unternehmen, das für den KV-Auftritt bei den social media sorgt, mehr Geld als den Studenten zahlen sollten.”
Eines ist klar: Um bekannt zu werden und es auch zu bleiben, muss ein Verband heute in den sozialen Medien vertreten sein. „Unsere Postings in den social media sollen den KV bekannt machen”, sagte Damian Kaiser. Es komme nicht darauf an, bei Twitter irgendwelche Statements abzugeben, wohl aber bei Facebook, Instagram, Telegram und Tictoc zu zeigen, „dass es den KV gibt und was für tolle Aktionen dort gemacht werden.” Deshalb müsse der KV in den sozialen Medien anzutreffen sein, denn dort bewege sich auch die junge Generation. Die Homepage allein reiche da nicht aus.
Kb Harald Stollmeier (Gm, Nf, Sbg, Blt, Smn, Erm) führte als Vorsitzender in den Bericht des Altherrenbundsvorstands ein. Der KV-Rat habe sich gleich nach seiner Wahl bei der VV in Recklinghausen daran gemacht, Gespräche zur Lösung der Finanzfragen des KV und der damit zusammenhängenden Probleme zu koordinieren. Den Kartellbrüdern brenne das Thema „Beiträge” unter den Nägeln. 
Indes habe er die Diskussionen dazu als maßvoll und vernünftig erlebt, „so wie das unter Kartellbrüdern auch sein sollte”. Denn, sagte Kb Harald Stollmeier, „wenn wir transparent und vertrauensvoll zu den Gesprächen in die Kartellvereine kommen, dann werden wir auch vertrauensvoll behandelt.” Ziel sei, den KV-Beitrag nicht über 75,00 Euro hinaus zu erhöhen, ihn im Idealfall sogar senken zu können. In der Beitragsfrage müsse bis Ende dieser Amtsperiode eine Lösung gefunden werden.
„Der KV-Rat hat sich nicht eingebildet, dass er das alles alleine kann, sondern hat mit großer Offenheit die Kartellvereine alle eingeladen mitzumachen”, sagte Kb  Harald Stollmeier. „Wir kriegen dieses Schiff nur gemeinsam flott.” Dabei nimmt die sog. „Task Force“ eine wichtige Rolle ein (s.u.).

Vielfalt an Fördermöglichkeiten

Als Vorsitzender der KV-Akademie wies Kb Karl Kautzsch (Cher, Bf, AR, NC, Ma, Urb, Bon, Arn) auf zwei Wege der finanziellen Förderung von Seminaren von Ak-tiven für Aktive, Veranstaltungen von Ak-tiven mit kulturellem Programm und Reaktivierungen von Aktivitates hin: Entweder über eine Mitgliedschaft bei der KV-Akademie oder durch Spenden für die Kultur- und Sozialstiftung des KV (KuS): „Die letzten Wochen haben gezeigt, dass die Kommunikation bezüglich derartiger Förderungen optimierungsbedürftig und optimierungsfähig ist”, sagte Karl Kautzsch. Deshalb sei unter dem Titel foerderantrag@kartellverband.de eine neue Email-Adresse eingerichtet worden, über die formlose Anfragen bezüglich einer Fördermöglichkeit an den KV gestellt werden können. Über diese E-mail-Adresse werde er Anfragen bearbeiten und an den KV-Rat weiterleiten. „Ich nehme dem KV-Rat dadurch ein bisschen Arbeit ab, mein Ziel ist, eine direktere, schnellere Kommunikation für Förderung zu haben”, sagte Karl Kautzsch.
Bei der Onlinekonferenz im Februar war eine Task-Force von KVern ins Leben gerufen worden, die die Ausgabe- und Einnahmesituation des KV prüfen und ein Reformpapier vorlegen will, aus dem hervorgeht, was der KV sich in Zukunft noch leisten kann und darf. Eines ist klar: Wenn man die Mitgliederentwicklung - die Aus- und Eintritte in den Verband -weiter fortschreibt, wird der Mitgliederbestand bis 2035 auf sechstausend zahlende Mitglieder zurückgehen. Dafür sorgen nicht nur Überalterung und Sterbefälle, sondern auch Austritte: Zwischen 2005 und 2020 traten mehr als 2.700 
Kartellbrüder aus ihren Kartellvereinen aus. Das mag an Beitragsfragen liegen, aber mit Sicherheit eher daran, dass sich die Kartellbrüder und ihre Kartellvereine auseinandergelebt haben. Auch hier fällt das mangelhafte Meldeverhalten ins Gewicht: Wenn Adressen etwa wegen Umzugs nicht mehr stimmen, Email-Adressen geändert werden und dies dem KV-Sekretariat nicht mitgeteilt wird, funktioniert die Onlinezustellung der AM nicht mehr. Die AM, für viele Alte Herren die letzte Klammer zum Verband (und gelegentlich auch indirekt zur eigenen Korporation, denn nicht alle Kartellvereine versenden regelmäßige Mitteilungsblätter!), können diese nicht mehr erreichen - und damit entfällt das letzte Band zum KV und auch zur eigenen Korporation.

Den KV nicht zu Tode sparen

Für die künftige Finanzplanung bedeutet dieser massive Mitgliederrückgang aber auch, dass die Einsparung von Einzelposten - im Plenum wurde über einen Antrag auf Abschaffung des Willkommensgutscheins für Aktive zur Förderung der Teilnahme an Verbandsseminaren diskutiert - das Blatt nicht wenden wird: „Wir können gar nicht so massiv sparen, wie wir Mitglieder verlieren”, sagte der Sprecher der Task-Force, Kb Ralf Becker, AH-Senior des K.St.V. Cimbria.
Zudem würden bloße Einsparungen irgendwann die Frage aufwerfen, wofür der KV eigentlich noch stehe: „Zu Tode sparen nennt man das!” sagte der Sprecher der Task-Force. Eine andere Variante bestehe darin, die Einnahmen auszuweiten - etwa dadurch, dass das KV-Sekretariat weitere Dienstleistungen ausführt. „Leider ist das KV-Sekretariat zurzeit vollauf von der Verbandsarbeit in Anspruch genommen!” sagte der Sprecher der Task-Force. Um mit Hilfe weiterer Dienstleistungen die Einnahmen zu steigern, müsste also erst einmal investiert und weitere Arbeitskräfte eingestellt werden. Das wiederum würde die Kosten des Sekretariats zunächst erhöhen. Eine dritte Variante bestehe darin, den Nutzen des KV so stark zu erhöhen, dass die Mitglieder auch bereit seien, für ihren Verband mehr Geld zu bezahlen. 
„Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg”, meinte der Sprecher der Task-Force. Bis zum Beginn des Wintersemesters 2023/24 wolle die Task-Force dem KV-Rat Vorschläge machen und ein Reformpapier vorbereiten. Dieses Reformpapier solle von 2024 an bis zur VV 2025 in allen Vereinen diskutiert werden. Die VV 2025 könne dann auf die Ergebnisse der Task Force und die daraus resultierende Diskussion im Verband zurückgreifen und den Beitragsbeschluss der VV 2022 korrigieren. Dieser „große Wurf” müsse von allen Vereinen getragen werden, „sowohl von denen, die noch über eine Aktivitas verfügen, wie von den Vereinen ohne Aktivitas, die eigentlich nur noch Einzahler und damit nicht mehr Nutznießer des KV-Beitrags sind, weil an sie nichts ausgeschüttet wird. Aber das sind ganz viele Alte Herren und das dürfen wir auch nicht vergessen.” Deswegen müsse ein Kompromiss gefunden werden - und der müsse vor allem jene Vereine unterstützen, die über eine Aktivitas verfügten und auf diese Weise den Fortbestand des KV sichern. „Das sind die Vereine, auf die wir Gewicht legen und die wir fördern sollten.”
Auch gebe es Ideen, die Einnahmesituation des KV zu verbessern: Etwa über das Modell eines Lebensbeitrags, bei dem ein Mitglied seinen in seinem Leben voraussichtlich anfallenden KV-Beitrag auf einen Schlag bezahlt. In Verbindung mit einem Förderverein werde dieses Modell auch steuerlich attraktiv: „Ich zahle einen einmaligen Betrag X und bin dann auf Dauer vom KV-Beitrag befreit. Und u.U. kann ein wesentlicher Teil steuerlich abzugsfähig gespendet werden.” Der Lebensbeitrag würde zudem die Verwaltungsarbeit bei diesem Kb auf ein Minimum reduzieren. In diesem Zusammenhang regte der Vertreter der Bonner Arminen an zu prüfen, inwieweit der KV Vermögen aufbauen könne. Solche Kapitalstöcke seien irgendwann ertragsfähig und könnten als konstante Einnahmequellen dienen. In der eigenen Korporation habe man damit gute Erfahrungen machen können.

Zuständige sollten Zeichen setzen

Der Vertreter der Albertia München, Kb Professor Karl Möckl, plädierte eindringlich dafür, alle Mitglieder in die Diskussion über Einsparungen und Beitragserhöhungen einzubeziehen. Man dürfe den Mitgliedern nicht einfach, wie in der Politik, Steuererhöhungen aufdrücken, sondern müsse sie davon überzeugen, dass es richtig sei, mehr Geld aufzuwenden, um den Verband zu erhalten. „Und da ist es sehr vertrauensbildend, wenn die Zuständigen beschließen, zunächst einmal bei sich selber, bei den eigenen Aufgaben, anzufangen und dort zu sparen”, meinte Professor Möckl. Denn auf diese Weise werde ein Zeichen gesetzt: „Wir sparen, wir halten Haus. Aber darüber hinaus brauchen wir Geld jetzt und Geld künftig.”
Einerseits sei Sparen nötig, sagte Professor Möckl. Andererseits gebe es auch legitime Aufwendungen, um den Verband aufrechtzuerhalten. Es könne jedenfalls nicht im Interesse der KVer liegen, einfach die Substanz des Verbands zu verbrauchen. „Ich glaube nicht, dass die Alten Herren blockieren und sagen werden: „Wir haben kein Geld!” sagte der Vertreter der Alberten. Vielmehr gehe es darum, Überzeugungsarbeit zu leisten - und wenn man dazu bereit sei, werde sich auch der Erfolg einstellen. „Aus meiner Sicht ist es fatal, wenn man die ganze Diskussion auf die Notwendigkeit zum Sparen reduziert”, fügte Professor Möckl hinzu. Hier stelle sich ein Gesamtproblem der Identität und des Zusammenhalts der Korporationen im KV - und in dieser Weise „sollte man es auf der kommenden VV diskutieren!”

Reinhard Nixdorf