Abschied von Kb Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke (*29.09.1941 - † 11.07.2023)
Eine prägende Figur der Kirche
Über viele Jahre galt Kb Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke (Albi) als Anwalt der katholischen Kirche im Fernsehen, sein Scharfsein und seine Geschicklichkeit in vielen Diskussionen machten den Hamburger Weihbischof in ganz Deutschland bekannt. Er setzte sich für interreligiösen Dialog und Ökumene ein, wandte sich gegen Rechtspopulismus und war auch nach der Aufdeckung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche ein gefragter Gesprächspartner. Im Alter von 81 Jahren starb Kb Dr. Hans-Jochen Jaschke am 11. Juli 2023. Als „Mann des Wortes”, der sich besonders dem Wort Gottes zugewandt habe, würdigte ihn der Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, Mitte Juli in seiner Predigt zum Requiem im Hamburger Mariendom. Dem Wort Gottes habe er eine unverwechselbare Stimme gegeben, im Klang und in den Gedanken, die er ins Heute übersetzt und aktualisiert habe. Meinungsstark, mit einer klaren Haltung und ohne Berührungsängste habe Weihbischof Jaschke der Kirche in der Öffentlichkeit ein Gesicht gegeben, und das weit über Norddeutschland hinaus.
Geboren am 29. September 1941 im oberschlesischen Beuthen, wurde Hans-Jochen Jaschke nach Kriegsende zusammen mit seiner Familie aus seiner Heimat vertrieben, wuchs im niedersächsischen Bückeburg auf, studierte in Frankfurt und Münster Theologie und wurde 1967 zum Priester geweiht. 1974 promovierte er in München bei Kb Prof Dr. Joseph Ratzinger (Li, E d Is, E d Ale), leitete bis 1983 das Niels-Stensen-Kolleg in Münster, wirkte danach als Pfarrer in Quakenbrück. 1988 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Tisili und zum Weihbischof im Bistum Osnabrück. Die Bischofsweihe spendete ihm am 8. Januar 1989 im Dom zu Osnabrück der damalige Bischof von Osnabrück und spätere Erzbischof von Hamburg, Ludwig Averkamp, mit dem er nach der Errichtung des Erzbistums 1994 nach Hamburg ging. Mitkonsekratoren waren der Osnabrücker Weihbischof Theodor Kettmann und sein emeritierter Amtsbruder Karl-August Siegel. Seinen bischöflichen Dienst stellte Kb Hans-Jochen Jaschke unter den Wahlspruch: „Donec Dies Illucescat“ – „Bis der Tag erscheint“ aus dem 2. Brief des Apostels Petrus 1,19. In der Deutschen Bischofskonferenz gehörte Jaschke den Kommissionen für Pastoral, Ökumene und Weltkirche an und leitete die Unterkommission für den interreligiösen Dialog. Zudem war er für Bundespolizei und Bundesgrenzschutz zuständig.
„Man muss offen mit den Dingen umgehen. Es hat ja keinen Sinn, etwas zu verschleiern.” lautete seine Devise im Umgang mit den Medien. Als die Debatte um sexualisierte Gewalt an Kindern höchste Wellen schlug und manch einer seiner Amtsbrüder Diskussionen scheute, trat Kb Weihbischof Dr. Jaschke bei Plasberg, Illner, Maischberger und Lanz für die katholische Kirche ein. Aber: „Ich hätte mir es früher nicht träumen lassen, wie sehr die Kirche von dem Thema Missbrauch betroffen ist”, gestand er 2021 in einem Interview ein. Als Weihbischof sei er allerdings nicht in Personalentscheidungen einbezogen gewesen und habe von konkreten Fällen wenig mitbekommen.
Bis zu seinem Wechsel in den Ruhestand im Oktober 2016 war Kb Dr. Hans-Jochen Jaschke Hamburger Weihbischof. Als Ruheständler trat er nicht mehr so stark öffentlich auf, zumal er erkrankte und sich einer Operation an der Aorta unterziehen musste. Den 2019 begonnenen Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, den Synodalen Weg, begrüßte Kb Dr. Jaschke. Denn, sagte er, „Um weiterzukommen, müssen Bischöfe und Laien gemeinsamen einen Weg finden.”
R.N. (unter Zuhilfenahme von Pressematerial von NDR und KNA)