Ein Gast und Gentleman - oder: Was man von Tom Cruise lernen kann?

Das Problem ist notorisch – schon in der Bibel wird berichtet von geladenen Gästen, die entweder gar nicht oder nicht adäquat erscheinen. Dabei ist das Leben zu kurz, um sich schlecht (Hoodies!!!) zu kleiden – ein Werbeslogan, aber es ist was Wahres dran. Das Einzige, was ich als Gast (klassischerweise) mitbringen muss, bin ich (außer Blumen) selbst. Und dazu gehört ein gewisser, dem Anlass gemäßer Auftritt - auch in Deutschland. Grundvoraussetzung: die passende Garderobe. Eine fertig gebundene Krawatte im Schrank reicht leider nicht, und auch wenn sich (angeblich) Konventionen lockern, gar lösen, ist speziell sie es, die dem Herrn Chic, dem Anzug Eleganz verleiht. Es folgt ein Minimalprogramm zur guten Herrengarderobe: [1]

1. Der schwarze Anzug. Für formelle Anlässe in Beruf und Privatleben, gerne auch nach wie vor mit Weste. Der Schnitt vor allem der Hose wechselt, am besten zwei Paar kaufen. Trotz Preis auf Qualität achten. Durch Stil überzeugen, nicht protzen. Schwarzer Ledergürtel (oder cool auch Hosenträger), schwarze Socken (nie weiß oder bunt).
2. Das Sommersakko: leicht, marineblau, gern zweireihig. 
3. Das Wintersakko: Tweet, dunkel. Dazu passt auch ein Einstecktuch, das besser nicht dem Krawattenmuster entsprechen sollte und ein schönes Accessoire bilden kann.
4. Bequeme Baumwollhosen (Chinostoffe) verschiedenfarbig für alltags zum Sakko. Tipp: Momentan trägt der Mann es bunt.
5. Ein Satz weiße und/oder blaue Baumwollhemden, Manschettenknöpfe kann man anlegen, sie sind aber Geschmackssache. Kragenstäbchen wirken geckenhaft. Weniger ist mehr.
6. Ein Paar schwarze Oxfordschuhe, geschnürt oder mit Schnalle. Am besten Rahmennähung, hält ewig. Ledersohlen! Der Schuh macht den Mann. Preiswerte Modelle gibt es überall.
7. Dasselbe in Braun mit Lochmuster, mit Gummisohle für nasse Tage. Übrigens: Schuhspanner sind kein Luxus, Schuhcreme aber auch nicht.

Krawatte, Schlips, Kulturfaden

8. Krawatten sind wie Fliegen ein Blickfang und bringen manches Kompliment ein. Mein Faible ist der halbe Windsorknoten, asymmetrisch und nicht voluminös. Fliegebinden: im Prinzip ganz leicht – wie ein Schnürsenkel, nur am Hals. Zum schwarzen Anzug im Idealfall silbergrau, aber unbedingt gedeckt, ansonsten immer ein gewisses Sortiment zulegen. Vorsicht: alle zehn Jahre wechseln Stoff, Muster und Breite. 
9. Beim Mantel – abgeranzte Barbourjacken sind nur erbärmlich – sollte man darauf achten, dass man ihn möglichst flexibel einsetzen kann. Schöne Schals bilden den perfekten Abschluss.
10. Der Smoking oder Tuxedo: Als Ballgarderobe klassisch schwarz, zumindest dunkel, mit Kummerbund, Seidenfliege, Schal, Smokinghemd mit verdeckter Knopfleiste! Weinband quer (mit Gummizug hinten, nur Korpoproleten kommen mit Bierband – stumpf ist nicht Trumpf). Schwarze Lackschuhe gehören dazu.
11. Die Wies´n: Eine Lederhose muss keine Maßanfertigung sein, aber auf keinen Fall sollte man das Oktoberfestset von Discountern anlegen. Was Trachtenhemd und Haferlschuhe angeht: Entweder gescheit oder gar nicht.[2]

Ansonsten ist natürlich das Übliche zu beachten: Akkurate Körperpflege unter dezentem Einsatz ätherischer Essenzen einschließlich Wäsche des Haupthaars sowie sorgfältiges Stutzen des wieder modernen Attributs viriler Bartpracht, perfekt! Zum Schluss: Im Anzug muss man sich ungezwungen bewegen können und wissen, wann welche Knöpfe zu schließen sind. Er muss sitzen wie eine zweite Haut, aber nicht wie eine Wurstpelle. Und dazu natürlich on top Herrenhut (Panamahut im Sommer!), da nicht nur kleidsam, sondern ein effektiver Sonnenschutz, oder, wo dies der Comment gestattet, Tönnchen. Merke: Der erste Eindruck zählt, der letzte Eindruck bleibt!

Dr. med. Bernhard Grün ist Mitglied der KDStV Markomannia Würzburg, KDStV Ferdinandea-Prag Heidelberg und der AV Suebo-Danubia Ulm im CV. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher studentenhistorischer Veröffentlichungen.