Erntedank

Bist Du Genussmensch?

Falls du kein Genussmensch bist, solltest du überlegen, einer zu werden! Dazu lädt uns das Kirchenjahr im Oktober nämlich ein. Gleich zu Beginn des Monats feiern wir Erntedank. Das Fest ist nicht nur ein Anlass, um Danke zu sagen für die diesjährige Ernte und für alle Gaben, die Gott uns schenkt. Es lädt uns auch dazu ein, zu überlegen, wie wir die uns geschenkten Gaben „in Dankbarkeit und Freude gebrauchen sollten“ - wie es im Wettersegen heißt.

Dafür kann uns Jesus ein Vorbild sein. Er war ein Genussmensch. Bei einigen war er als Fresser und Säufer verschrien, der mit Sündern isst und trinkt (Mt 11,19). Sein erstes Wunder wirkt Jesus auf der Hochzeit in Kana (Joh 2, 1-12). Er verwandelt Wasser zu Wein und verhilft den Hochzeitsgästen auf dem ohnehin schon berauschenden Fest zu noch größerer Seligkeit. Für das leibliche Wohl der vielen Menschen, die ihm begegnen wollen, sorgt er sich persönlich, z.B. indem er Fische und Brote vermehrt (Mt 14, 13ff.). Selbst nach seinem Tod sorgt er noch für seine Jünger. Nachdem sie ohne Fang zurückkehren, ermutigt er sie, die leer gebliebenen Netze nochmals auszuwerfen. Nach ihrer harten Arbeit erwartet er sie schließlich sogar mit einem warmen Feuer und fertigem Essen (Joh 21,9).
Diese Berichte halten drei Botschaften für uns bereit.

Dass Jesus mit Sündern gemeinsam genießt, zeigt: Gottes gute Gaben stehen allen Menschen zu. Die Hochzeit von Kana lehrt uns, dass Jesus den Genuss selbst auf dem Höhepunkt noch weiter, ja ins unermessliche steigern kann - bis zum ewigen Hochzeitsmahl. Die wunderbare Vermehrung der Speisen und seine Begegnung mit den Jüngern am See kann uns Zuversicht geben, dass er für uns sorgen wird, selbst wenn die Lage aussichtslos scheint und unsere Netze leer geblieben sind.

Dort wo Jesus ist, trägt er dafür Sorge, dass wir Menschen in den Genuss der Gaben Gottes kommen. Liebe geht bekanntlich durch den Magen - das gilt auch für die Liebe Gottes zu uns Menschen. Umgekehrt heißt das aber auch: dort, wo wir dafür sorgen, dass unsere Mitmenschen genießen können, dort ist der Ort der Gegenwart des Auferstandenen. Gemeinschaft lässt uns so in den Gaben der Erde den Himmel schmecken. 

Liturgisch feiern wir dies in jeder Eucharistiefeier. Und auch unsere eigenen kleinen Gemeinschaften, denen wir angehören, können wir ein Stückchen heiligen, indem wir uns gegenseitig helfen, in den Genuss zu kommen. Besonders denjenigen, die nur selten etwas genießen können.

Werden auch wir zu Genussmenschen! Dafür können wir ruhig klein anfangen: Vielleicht dadurch, dass wir jemandem, der alleine is(s)t, besuchen, seinen Lieblingskuchen mitbringen und ihn gemeinsam essen; indem wir gestressten Personen in unserem Bekanntenkreis Zeit verschaffen, für sich und für einander - gerne auch durch ein gemütliches Beisammensein bei einem Bier; indem wir mit unseren Kindern ganz bewusst, geduldig und mit viel Zeit gemeinsam ihr Lieblingsessen kochen und essen; oder die Früchte unserer Arbeit aus dem eigenen Garten mit einem Lächeln verschenken an Menschen, die den Eigenanbau nicht stemmen können. 

Fortgeschrittene Genussmenschen könnten dem hungrigen Bettler vor dem Supermarkt statt einer trockenen Brezel ein vollwertiges Essen spendieren oder sich mal an die eigene Nase fassen und etwas, das schon beinahe zu selbstverständlich geworden ist, seltener, dafür aber ganz bewusst genießen.
Machs also wie Gott: Werde Genussmensch!

Maximilian Heuring (Bsg)