Auf den Spuren von Tilman Riemenschneider
Tilman Riemenschneider (1460 – 1531) war in doppelter Hinsicht eine beeindruckende Persönlichkeit: Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Thüringen, absolvierte er eine Lehre im Holzhandwerk und ließ sich nach seiner Wanderschaft in Würzburg nieder. Dort machte er zielstrebig Karriere: Er trat einer Zunft bei, gründete eine eigene Werkstatt und heiratete die Witwe eines erfolgreichen Meisters. Die Qualität seiner Werke machte ihn rasch bekannt: Er gewann zahlreiche und lukrative Aufträge. Die Werkstatt wuchs kontinuierlich und wurde zu einer Manufaktur mit mehreren Gesellen.
Neben seiner Arbeit als Bildschnitzer engagierte sich Riemenschneider auch politisch: Er war Ratsherr und Bürgermeister (1521 - 1524). Die Aufgabe, die Interessen der Bürger gegenüber dem Fürstbischof zu vertreten, war in der Zeit der Reformation eine heikle Pflicht. Die reichsweiten Konflikte zwischen den Landesherren und der Bevölkerung gipfelten im Bauernkrieg. Dies wurde Riemenschneider zum Schicksal. Nach der Niederschlagung des Aufstands kam er in Gefangenschaft und wurde verurteilt. Damit waren beide Karrieren beendet, er verlor seine Position als Ratsherr und weitestgehend seine Existenz als Künstler.
Schwerpunkt des Seminars war natürlich Riemenschneiders künstlerisches Werk. Die Beiträge der Referentinnen waren bestens aufeinander abgestimmt. Dr. Claudia Lichte ging in ihrem Vortrag mit einer Power-Point-Präsentation auf die handwerklichen und künstlerischen Qualitäten in Riemenschneiders Werk ein. Im Laufe der Exkursionen konnten Dr. Lichte und Julia Pracher M.A. dann auf die künstlerischen Details aufmerksam machen: So führte Dr. Lichte als ehemalige stellvertretende Museumsleiterin durch den Riemenschneidersaal „ihres“ Museums für Franken. Und Julia Pracher brachte den Teilnehmern zunächst in Maidbronn die „Beweinung Christi“ und in Volkach die „Rosenkranzmadonna“ in der Wallfahrtskirche Maria i. Weingarten näher. Aber auch in Würzburg galt es am folgenden Tag, gemeinsam mit Julia Pracher Altarfiguren und eine Ölberggruppe in St. Laurentius sowie die Darstellungen von Adam und Eva und das Grabmal des Ritters Konrad von Schaumberg in der Marienkapelle zu bewundern und zu erklären.
Hoch interessant war auch der Besuch des Ateliers für Konservierung und Restaurierung von Dipl.-Restaurator Georg Pracher. Auch Kunstwerke altern oder werden beschädigt – eine professionelle Renovierung kann ihnen die alte Frische zurückgeben.
Kb Klaus und Rosa Gierse haben mit der inhaltlich und organisatorisch perfekten Struktur dem Seminar eine höchst angenehme Atmosphäre gegeben; dies wurde beim Abschied von allen Teilnehmern hervorgehoben.
Kloster Himmelspforten eignet sich bestens für Tagungen und Seminare. Die Zimmer sind angenehm, die Küche ist gut und abwechslungsreich und der Service aufmerksam. Am Abend ist die ruhige Terrasse ein angenehmer Treffpunkt für ein Gläschen Frankenwein.
Alle waren vom gesamten Frankenseminar so begeistert, dass schon Ideen für Folgeseminare geäußert wurden. Wir sind gespannt auf neue Initiativen.
Text: Nikolaus Hasslinger (Stf)
Bilder: Herbert Stürwold (Aln)


