Die Tatsache, dass der aktuelle Vorort aus Bonn kommt, ist Anlass, daran zu erinnern, wie viele Alamannen aus Tübingen sich während und nach ihrem Studium in Bonn wiedertrafen und dort Kartellbrüderlichkeit lebten.
Denn zu Beginn der 1950er Jahre lebte in Tübingen das Verbindungsleben wieder erstaunlich auf. Besonders zahlreich waren dabei Jurastudenten und Studenten der Betriebs- und Volkswirtschaft. Sie alle trugen dazu bei, dass Alamannia kräftig aufblühte. Doch alle nahmen auch ihr Studium ernst und wollten für den Eintritt ins Berufsleben gewappnet sein. Noch wusste keiner, wie sich sein Berufsleben nach Studium und Referendarzeit gestalten würde. Dies war damals in der Tat „die große Unbekannte” in der Lebensgleichung.
Umso überraschender war es dann, mitzuerleben, wie viele Tübinger Alamannen sich in den 1960er Jahren in Bonn wiedertrafen. Die ersten Alamannen, die in Bonn Fuß fassten, waren Gebhard Ziller und Hubert Jungblut.
Gebhard Ziller begann seine Karriere beim Bundesrat, worüber er sehr froh war. Und Hubert Jungblut landete im Bundesverkehrsministerium. Schließlich landete Bernhard Sandherr ebenfalls in einer Bundesbehörde, was ihm sehr behagte, nämlich im Bundesverteidigungsministerium. Auch Rupert Schick tauchte plötzlich in Bonn auf und begann seine Laufbahn bei der Bundestagsverwaltung.
Ich, Rudolf Schloz, kam als letzter zur Bonner Alamannentruppe, da ich zuvor meine ersten Berufsjahre in der Schweiz, am Genfer See, beginnen konnte. Wir fünf Alamannen, die wir uns aus der Aktivenzeit gut kannten und befreundet waren, waren nun berufsbedingt Bonner geworden.
Hinzu kam eine noch eine Besonderheit: Zwei Alamannen aus der Zeit vor uns waren auch längst Bonner geworden: Alois Rummel, Chefredakteur des Rheinischen Merkur, und Alfred Kaumanns, Facharzt mit eigener Praxis in Bonn.
Beide waren prominent, hatten sie doch als die ersten Senioren der Alamannia nach dem Wiederbeginn des Vereinslebens amtiert.
Wir kannten uns zunächst nicht persönlich, aber beide stießen zu unserer Fünfergruppe und waren sehr daran interessiert, dazu zu gehören und aktiv zu wer- den. So waren aus fünf nun sieben Bonner Alamannen geworden.
Weitere prominente Alamannen stießen zu uns: Hansjörg Häfele, der als Mitglied des Deutschen Bundestages seinen Dienstsitz in Bonn hatte, gesellte sich immer, wenn es sein Zeitplan zuließ, zu uns und belebte unsere Runde. Ähnliches gilt für Heiner Geißler, der in der CDU-Zen-trale zu den wichtigsten christdemokratischen Politikern gehörte: Gern bekannte er sich zu Alamannia, nahm an unseren geselligen Abenden teil und fühlte sich wohl in unserer Gruppe.
Nach all dem Gesagten ist klar, dass die Alamannentruppe in Bonn bei Regierung, Parlament und Landesvertretung gut platziert und bekannt war: Gute alte Zeiten!
Dr. Rudolf Schloz (Al)

