„Arminenblätter” - ein Vereinsorgan in unserem Verband

Ein Blick in die aktuelle Ausgabe Nr. 175 vom WS 2023/24

Heutzutage verstärken sich Tendenzen im KV, die Mitgliedschaft der eigenen Verbindung im Gesamtverband in Frage zu stellen. Manchmal vermischen sich solche Vorstöße mit Forderungen nach Öffnung der Verbindungen für die Mitgliedschaft von Frauen. Und dann ist da noch die seit Jahren schwelende, nein: kochende Debatte um das Tragen von Farbbändern auch im KV, der sich traditionell als nicht farbentragend bezeichnet. Die „Band”oleros – sorry, aber das Wortspiel sei wegen der Sprengkraft des Themas gestattet – mischen die Atmosphäre in und um unsere Verbindungen immer wieder auf. Warum ist noch keiner bei uns auf den Gedanken gekommen, wir sollten die Pflichtmensur einführen, weil wir uns dann erst richtig als eine „echte“ Verbindung fühlen könnten?

Man kann als altgedienter KVer dem ganzen Durcheinander mit Gelassenheit begegnen, aber es bleibt mit der Zeit nicht aus, dass sich der eine oder andere die Frage stellt, warum er seinerzeit gerade in diesen Verband (KV), d. h. in eine oder gar einige seiner Mitgliedsvereine, eingetreten ist und feierlich – bei „Burschenehre“! – gelobt hat, seiner Verbindung als KV-Verein zeitlebens treu zu sein.

Da flattert just zum Weihnachtsfest Nr. 175 der „Arminenblätter“ in die Briefkästen der Arminen. 
Ohne das Konventsgeheimnis zu brechen, kann vom Inhalt dieses Vereinsorgans berichtet werden. Begrüßt wird der Leser vom Schriftleiter, der kurz auf das 160. Stiftungsfest zurückblickt und erklärt, dass das nächste, das 161. Stiftungsfest, mit Rücksicht auf die Termine der Fußball Europameisterschaft 2024 ausgesprochen früh, Anfang Juni, anberaumt wird. Der Philistersenior weist auf das von einem fachhistorisch geschulten Bundesbruder geordnete Archiv der Arminia hin, das in den Akademischen Monatsblättern vorgestellt werden konnte.     
Der Phil-X lädt zum Schluss ein, die Hoffnung für die Zukunft nicht sinken zu lassen, weil es „Grund zur Hoffnung“ gibt und „die Hoffnung eben unsere Pflicht als Christen ist“. 
Zwei Seiten mit guten Farbfotos der neuen Vorstandsmitglieder und der sieben Füchse mit kurzen Lebensbeschreibungen folgen.

Unter der Überschrift „Superlative an Rhein und Ruhr“ berichtet sodann ein Bundesbruder über seine Arbeit. Seit dem 1. August 2021 ist er Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG, des größten Binnenhafens der Welt. 
Eine Doppelseite mit herrlichen Fotos sagt nahezu alles über das vergangene Stiftungsfest.
Der Überschrift „Generationswechsel eingeleitet“ folgt der Bericht des Seniors über das Semester, eine bunte Folge von Veranstaltungen, unter denen besonders die Aktivitäten gemeinsam mit der Unitas Clara Schumann hervorstechen; es gibt also auch ohne gemeinsame Mitgliedschaft Kontakt zu Studentinnen, die unsere Programme bereichern.
„Zwei Entscheidungen fürs Leben“ fasst auf einer Seite zwei Berichte der „Betroffenen“ zusammen. Ein Bundesbruder hatte sich im März das Sakrament der Firmung spenden lassen. Ein weiterer wurde in der Osternacht getauft. Gute Nachrichten, denn „in diesen Tagen ist ein Bekenntnis zur Kirche keine Selbstverständlichkeit“. Das freut den Arminen, der einst nicht zufällig in den Verein gestolpert ist, sondern bewusst in einen katholischen Studentenverein eingetreten ist, um die religiöse Bindung, die er von seiner Familie aus gewohnt war, auch während seines Studiums im Kreis von Gleichgesinnten weiter zu pflegen. Die Fotos auf der nächsten Seite zeugen ebenfalls von positiven Entscheidungen, denn da sind zwei glückliche Brautpaare abgelichtet sowie zwei Babys, Kinder von Bundesbrüdern und ihren Frauen.

Das abschließende mehrseitige Interview mit einem Bundesbruder, der als Zahnarzt in Jerusalem arbeitet, ist von besonderer Brisanz. Der palästinensische Christ hatte unter anderem in Bonn studiert und ist hier der Arminia beigetreten. Nach dem Studium ist er bewusst in seine Heimat zurückgekehrt und praktiziert heute gleichermaßen für Juden und Palästinenser, für Moslems und Christen. Das Interview war vor dem 7. Oktober 2023 begonnen worden und konnte erst nach diesem einschneidenden Datum beendet werden. Da wird die Überschrift „Und jetzt plötzlich Kriegszustand“ mehr als verständlich. Besonders wertvoll sind die Interviewpassagen, die sich mit der Einschätzung des Nahostkonflikts befassen und den jüngsten Krieg dort einzuordnen versuchen. Aber, wie hieß es schon im Vorwort des Phil-X: Hoffnung ist Christenpflicht! In meinen (R. J.) fünf Jahren, die ich selbst in Jerusalem gelebt habe, hatte ich zu dem jungen Arminenzahnarzt häufiger Kontakt, und wir haben manches Bierchen auf dem Ölberg bei untergehender Sonne in herrlicher Abendstimmung mit Blick auf die Altstadt geleert – unvergesslich! 

Gegen Ende der Ausgabe noch ein Hinweis auf die weiter bestehende Aufgabe der Arminia, für den Hausbauverein zu spenden. Arminia hat die große Ehre, über das 1900 errichtete Haus zu verfügen und zugleich die schwierige Aufgabe, für ihr fassadenprämiertes Haus immer wieder Sanierungsmaßnahmen zu stemmen.
Zum Schluss die allfälligen „Personalien“.
Die Artikel dieser Arminenblätter waren für mich eine echte Ermutigung, KVer zu sein und zu bleiben, Mitglied in einem katholischen Studentenverein, einem Männerbund nicht farbentragender Studenten und Akademiker.

Pater Robert Jauch OFM, u.a. Armine