Gelächter am Ostermorgen

Mit Gelächter und Scherzen hat man es sich in der Kirche oft nicht leicht gemacht. Das Mittelalter zum Beispiel verortete das Lachen in die Welt des Teufels und der Dämonen. Es hieß damals, das Lachen würde das Gesicht zu einer Fratze verzerren. Umberto Eco hat diesen Aberglauben zum Thema seines Buches „Der Name der Rose“ gemacht. 

Dennoch gab es seit dem 14. Jahrhundert in vielen Gemeinden einen Brauch, bei dem Gelächter nicht bloß geduldet, sondern auch wirklich gewollt war, einen Brauch, der zum Osterfest genauso gehörte wie das Osterei, aber mit der Reformation vielerorts aus dem Leben der Kirche verschwunden ist: Die Rede ist vom Osterlachen, vom „risus paschalis”.  

Hinter dem Osterlachen steht ein wichtiger Gedanke: So wie die Pointe bei einem guten Witz eine Überraschung einleitet und diese Überraschung die Zuhörer zum Lachen bringt, so verhält es sich mit der Botschaft von der Auferstehung. Denn die Botschaft von der Auferstehung Jesu ist unerwartet und sagt gegen alle Erfahrung, dass der Tod doch nicht das Letzte im Leben ist, dass das Leben stärker ist als der Tod und die Liebe mächtiger als der Hass. Jesus lag in dem Felsengrab, in das man ihn gelegt hatte und mit dieser Beisetzung hatten viele auch ihre Hoffnungen begraben, die sie auf ihn gesetzt hatten. Aber Jesus hat die Täuschung von uns genommen: er ent - täuscht. 
Die Auferstehungsberichte in den Evangelien erzählen, wie die Frauen nach dem Sabbat zum Grab Jesu gehen und ein leeres Grab vorfinden. Matthäus, Markus und Lukas berichten von einer Begegnung mit Unbekannten: Matthäus spricht von einem Engel, Markus von einem jungen Mann in weißem Gewand, Lukas von zwei Männern in leuchtenden Gewändern. Gesagt wird den Frauen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ und „Fürchtet euch nicht!“ 

Der Tod hat keine Macht mehr

Und weil der Tod nicht das letzte Wort hat, hat dieser Morgen die Welt für immer verändert und mit diesem Morgen der christliche Glaube seinen Siegeszug angetreten. Jesus hat uns versprochen, dass auch wir diesen, seinen Weg werden gehen dürfen. Das ist der Grund, warum man den Tod auslachen darf. Er ist nicht mehr der Sieger über das Leben. Er hat endgültig und für immer verloren.

Diese Erkenntnis setzten Prediger an Ostern in ein konkretes Geschehen, in das Osterlachen um - und dort, wo der Brauch wieder aufgelebt ist, tun es die Prediger wieder. Sie nahmen - und nehmen - in die Predigt eine Passage auf, die dafür sorgt, dass die ganze Gemeinde schallend lacht - und zwar aus tiefstem Herzen, nicht über andere, sondern wegen der scheinbar unerwarteten Pointe: dass der Tod verloren hat. Gerade in den Ostergottesdiensten darf die ganze Lebensfreude zum Ausdruck kommen und gipfelt im jubelnden „Alleluja – gepriesen sei Gott!“ 

Ostern wäre noch schöner, wenn man uns Christen unsere Freude überall anmerken würde. Dazu ein Osterwitz: „Wenn ihr vom Himmel predigt, lasst Euer Gesicht strahlen”, empfiehlt der Predigtlehrer seinen Kandidaten. „Wenn Ihr vom Tod, von der Hölle und der Ewigen Verdammnis predigt, genügt Euer normales Aussehen.“

Thomas Schmid (Ott)