1949 erschienen die ersten Wohlfahrtsmarken

Vor 75 Jahren gab die Bundespost vier Postwertzeichen heraus, die Wohlfahrtsmarken genannt wurden und eine Serie begründeten, die bis heute fortbesteht. Die erste Wohlfahrtsmarke kam bereits 1919 in Deutschland heraus, eine 10-Pfennig-Marke mit der damals üblichen martialischen Germania, die Deutschland verkörperte, und dem Aufdruck „5 Pf. für Kriegsbeschädigte“.  Wohlfahrtsmarken gibt es demzufolge seit 105 Jahren in Deutschland. 

In Australien fing es an

Hinter der Entstehung der Wohlfahrtsmarken steckt eine Menge „gezähnte Geschichte“ (P. Smolarski). Die Anfänge gehen auf das Jahr 1897 zurück, als die Post von New South Wales in Australien zum 60-jährigen Regierungsjubiläum der Königin Victoria eine Briefmarke drucken ließ, deren Erlös zur Erbauung eines Sanatoriums für Tuberkulosekranke diente. Auch der Ertrag der primären Wohlfahrtsmarke auf europäischem Boden, die zu Weihnachten 1904 in Dänemark zum Kauf angeboten wurde, sollte als Hilfe gegen die damalige Volkskrankheit Tuberkulose verwandt werden. Das galt ebenso für eine 1907 im US-Bundesstaat Delaware aufgelegte Briefmarke. 1925, 18 Jahre später, setzte Frankreich diese Tradition mit den „vignettes antituberculeuses“ fort, die populär und in der Umgangssprache kurz „tubs“ genannt wurden.             
Die Schweiz ging einen anderen Weg, trennte sich von dem Ziel, die Folgen einer einzigen Krankheit zu mildern und schuf 1912 die „Pro-juventute-Marke“. Diese vor Weihnachten edierten Postwertzeichen waren zunächst zur Unterstützung von Müttern, Säuglingen und Kleinkindern gedacht. Eine ähnliche Absicht verfolgte die niederländische Post 1924 mit der Reihe „Voor het kind“. Noch heute gibt es in Russland eine Serie, die der Kinderhilfe zugutekommt. Wohlfahrtsmarken sind dort ansonsten unbekannt.
Als treibende Kraft, 1949 Wohlfahrtsbriefmarken in der Bundesrepublik herauszubringen, gilt der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg i.Br. und katholische Geistliche Kuno Joerger (1893-1958), der selbst eine große Sammlung von Wohlfahrtsmarken aus der ganzen Welt besaß. Bereits 1948 hatte er seine Idee der Auflage einer Rotkreuzmarke für die französische Besatzungszone erfolgreich umgesetzt. 

Nach dem 2. Weltkrieg: Die Wohlfahrtsmarken sind wieder da 

Bei den 1949 eingeführten Marken scheute man keine Kosten und stellte sie im teuren Stichtiefdruckverfahren her. Im Vordergrund der Markenmotive stand nicht mehr das Thema Gesundheit, sondern Persönlichkeiten, die als „Helfer der Menschheit“ vorgestellt wurden. Sie hießen Elisabeth von Thüringen, Paracelsus, Friedrich Fröbel und Johann Hinrich Wichern.     Der Auswahl dieser historischen Gestalten lag ein sorgfältig austariertes Konzept zu Grunde. Mit der heiligen Landgräfin Elisabeth, welche die Armen gepflegt hatte, sprach man besonders die Katholiken an, aber auch die Lutheraner schätzen sie. Hier wehte schon ein Hauch von Ökumene. Das gilt ebenso für den evangelischen Pfarrer und Sozialpädagogen Johann Hinrich Wichern, auf den die „Diakonie“ zurückgeht. Er erfand den Adventskranz, den auch die Katholiken in Deutschland inzwischen adoptiert hatten: 1925 hing der erste mit vier Kerzen im Kölner Dom. Der Pädagoge und „Erfinder“ des Kindergartens Friedrich Fröbel schließlich gehörte keinem der entsprechenden religiösen Milieus an und wurde von allen Seiten geehrt. Ein Sonderfall war Theophrast von Hohenheim, bekannter als Paracelsus. 

In der 1. Ausgabe 1949: Theophrast von Hohenheim (1493/94-1541)

Bemerkenswert ist der Rückgriff auf den in der Schweiz geborenen Theophrast von Hohenheim, der besser als Paracelsus bekannt ist und eine „schillernde Gestalt“ darstellt. Er betätigte sich nicht nur als (Wunder-) Arzt, Pharmazeut und Philosoph, sondern auch als Alchemist. Sein gewaltiger Nachlass ist weit verstreut und bis heute nicht gänzlich erforscht. Nur ein von ihm verfasstes Buch liegt in gedruckter Form vor.                 
Sein Leben lang blieb er zwar katholisch, ohne aber kirchlich gewesen zu sein. Über Gott, den hl. Geist und Maria, die er Muttergottes nannte, hat er nachgedacht und sich einmal die Frage gestellt, ob Gott nicht eine Frau sei. Maria versinnbildlichte für ihn als Alchemisten mit ihrer Jungfräulichkeit das Salz, mit ihrer Liebe den Schwefel und mit ihrer Weisheit das Quecksilber. Sie verkörperte somit die drei alchemistischen Grundprinzipien.         
Paracelsus glaubte an Geister und Hexen, verurteilte allerdings die Hexenprozesse. Seine Überzeugung, dass es gegen jede Krankheit ein Heilmittel geben müsse (Ubi malum, ibi remedium), steht immer noch zur Debatte. Viele seiner aus Pflanzen hergestellten Medikamente erwiesen sich als wirksam. Seine ganzheitliche Betrachtungsweise machte in der Medizin Schule. Genaueres darüber, warum er trotz seiner Irrtümer in die Markenserie aufgenommen wurde, wird man wahrscheinlich in den Akten des damals zuständigen Postministeriums finden. 
Nach Elsa Brändström sind zwar viele Straßen in Deutschland benannt und auch einige Schulen tragen ihren Namen, aber sie ist inzwischen kaum noch bekannt. 
Dabei machte sie sich im Ersten Weltkrieg als schwedische Rotkreuzschwester um deutsche und österreichische Kriegsgefangene verdient, was ihr den Ehrentitel „Engel von Sibirien“ einbrachte. Über ihr humanitäres Engagement schrieb sie ein Buch, das 1922 in deutscher Sprache mit dem Titel „Unter Kriegsgefangenen in Russland und Sibirien“ vorlag.         
Nach dem Krieg heiratete sie 1929 den deutschen Ministerialbeamten und Pädagogen Robert Ulich, der in Dresden lebte, und gründete im sächsischen Mittweida ein Waisenhaus für Kinder verstorbener Kriegsgefangener. Hitler soll die populäre Frau zu einem Gespräch gebeten haben, worauf sie ihm ein Telegramm geschickt haben soll, das nur das Wort „Nein“ enthielt. 1934 emigrierte sie mit ihrem Mann, der einen Lehrauftrag an der Harvard-Universität erhielt, in die USA. 

In der 2. Ausgabe 1951: Elsa Brandström (1888-1948)

In den Vereinigten Staaten kümmerte sie sich unter anderem um jüdische Flüchtlinge und organisierte nach dem Zweiten Weltkrieg einen Paketdienst nach Deutschland mit Lebensmitteln, den Care-Paketen ähnlich. Zum Friedensnobelpreis wurde sie als große Philanthropin vergeblich vorgeschlagen. Die Briefmarke mit ihrem Porträt enthielt eine deutliche politische Aussage. Sie erinnerte an die damals nach dem Zweiten Weltkrieg noch lange in Russland festgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen. Die letzten kehrten erst 1955 zurück.                 
Einen ebensolchen politischen Zweck hatte die 1953 in der Bundesrepublik erschienene 10-Pfennig-Briefmarke mit der Aufschrift „Gedenkt unserer Gefangenen“. Sie missfiel den DDR-Behörden, die sie auf Briefen, die in ihr Territorium entsandt wurden, schwärzen oder zurückschicken ließ.

In der 6. Ausgabe 1955: Samuel Hahnemann (1755-1843) 

Wer die Postverwaltung davon überzeugt haben mag, den nicht unumstrittenen Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann und Kontrahent der Schulmedizin unter die Helfer der Menschheit einzuordnen und mit einer Wohlfahrtsmarke zu ehren, wäre einer Untersuchung wert. Damit ließ man es nicht einmal bewenden. 1996 kam eine 40-Pfennig-Briefmarke heraus, welche die Aufschrift trug „200 Jahre Homöopathie“ und auf der Hahnemanns Kernsatz „Similia Similibus Curentur“ [Gleiches möge durch Gleiches geheilt werden] zu lesen war.             
Die sechste Ausgabe 1955 stellte eine Zäsur dar, da hier zum letzten Mal auf vier Einzelpersönlichkeiten mit humanitären Verdiensten (zwei Frauen und zwei Männer) aufmerksam gemacht wurde. In der siebten Ausgabe erschien zwar noch der österreichisch-ungarische Kinderarzt Ignaz Philipp Semmelweis (1818-1865) auf einer Briefmarke. Doch blieb er quasi allein: Die drei übrigen Marken zeigten Krankenschwestern und eine „Kindergärtnerin“, wie man damals noch sagte. Die Serie wurde unter dem Namen „Kinderpflege“ geführt. Danach wurden Gestalten der Geschichte auf Wohlfahrtsmarken zur Seltenheit. Eine gewisse Anonymisierung trat ein.             
1957 wurden die Bergleute und 1958 die Landwirte schlechthin zu Helfern der Menschheit deklariert. Die Personalisierung der Wohltätigkeit schien nicht mehr erwünscht. Die Beliebigkeit nahm ihren Lauf.                     
Für die Jahre von 1959 bis 1967 und von 2011 bis 2016 wählte man Motive aus der Märchensammlung der Gebrüder Grimm, die auch einmal selbst auf einer Marke verewigt wurden. Andere Wohlfahrtsmarken befassten sich mit der Welt der Spiele, mit Blumen, Kunstgewerbe, Post und Telekommunikation, Trachten, landwirtschaftlichen Gebäuden, Filmschauspielern und Naturphänomenen. 2011 durfte Bernhard-Viktor „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow alias Loriot (1923-2011) wohl als Inbegriff des deutschen Humors vier Mal Szenen aus seinen Comics mit Menschen mit Knollennasen für den Druck der Wohlfahrtsmarken auswählen.

2001: Die Wohlfahrtsmarke mit Audrey Hepburn (1929-1993)

Ein außergewöhnliches Kapitel der Philatelie stellt die Audrey-Hepburn-Wohlfahrtsmarke der Deutschen Post AG dar. Diese konnte nicht erscheinen, weil den Kindern der berühmten Schauspielerin, die mit ihrer Rolle in dem Film „Frühstück bei Tiffany“ Weltruhm geerntet hatte, das Motiv der Marke, das ihre Mutter mit Zigarettenspitze zeigte, nicht zusagte. Die 14.000 Exemplare der Marke mussten vernichtet werden.             
Die wenigen erhalten gebliebenen Stücke erzielen Höchstpreise. Eine sogenannte Eckmarke brachte es 2005 auf 135.000 Euro, ein Bogen mit zehn Marken 2010 auf 430.000 Euro. Über eBay wurde 2015 eine postfrische Marke für 64.750 Euro versteigert.

2024: Die Helfer der Menschheit kehren zurück

In diesem Jahr erinnern die am 2. Februar erscheinenden Wohlfahrtsmarken un-ter Verwendung des heutigen „Doppelsprechs“ an „Helferinnen und Helfer der Menschheit“. Damit ließ man es nicht bewenden, sondern fügte noch „2.0“ hinzu, was wohl auf eine neue oder gar verbesserte Version hinweisen soll. Mit den Motiven „Pflege“, „Flüchtlingshilfe“ und „Fluthilfe“ anerkennen die Marken solidarisches Verhalten, auf das unsere Gesellschaft angewiesen ist.             
Graphisch besonders herausgestellt wird auch bei dieser Serie wie schon seit 2008 das Pluszeichen, um zu symbolisieren, dass das damit zusätzlich eingenommene Geld Organisationen (Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Rotes Kreuz, Diakonie und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden) zufließt, die sich uneigennützig der Wohlfahrt annehmen.     
Dabei steht nicht der Erlös, der sich seit 1949 auf 680 Millionen Euro beläuft, was durchschnittlichen neun Millionen Euro pro Jahr entspricht, sondern die Würdigung dieser nichtstaatlichen Verbände im Mittelpunkt, die auf Hilfe von außen angewiesen sind und den Staat entlasten.

Dr. phil. Wolfgang Löhr (Arm, Car-F, Ru-Ke, E d Un, E d Gro-Lu, E d Car, Urb)

Unterstützt den Antrag für die Sondermarke für Kb Adenauer!

Aus Anlass des 150. Geburtstags Konrad Adenauers am 5. Januar 2026 setzt sich die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus für eine Sondermarke für den ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, unseren Kartellbruder, ein. Einen entsprechenden Antrag hat die Stiftung beim Bundesfinanzministerium, das dafür zuständig ist, bereits  gestellt. Da die Aussichten dieses Antrags wachsen, je mehr Bürger sich für dasselbe Anliegen einsetzen, wendet sich die Stiftung an den KV und bittet die Kartellbrüder und Korporationen, in Mails und Briefen eine Sondermarke für Konrad Adenauer im Jahr 2026 zu beantragen.         
Der zuständige Programmbeirat im Bundesfinanzministerium wird voraussichtlich Ende 2024 über die Themen der Briefmarken- Neuerscheinungen für 2026 beraten. Vorschläge für Briefmarkenthemen, die noch berücksichtigt werden sollen, müssen also spätestens bis 15. September 2024 im Bundesfinanzministerium eingehen. Sie sollten formlos schriftlich gestellt werden. Eine kurze Begründung ist hilfreich. Wer also ebenfalls eine Sondermarke zum 150. Geburtstag Konrad Adenauers will, wende sich an Bundesministerium der Finanzen Referat L B 5 Postwertzeichen, Wilhelmstraße 97, 10117 Berlin, alternativ per Mail an: LB5@bmf.bund.de