Der Intendant

Zur Erinnerung an Kb Prof. Dieter Stolte (Al, Kett) * 18.09.1934, † 1o.12.2023

„Das ZDF war mein Leben!” vermerkte der am 10. Dezember 2023 in Berlin im 89. Lebensjahr verstorbene Kb Prof. Dieter Stolte (Al, Kett) in einem Buch, in dem er seine Zeit als ZDF-Intendant in Geschichten und Eindrücken Revue passieren ließ. Als ihn ein Journalist später fragte, ob er über diesen Satz nicht selber schmunzeln müsse, entgegnete Stolte: „Wieso? Stimmt doch. Die Geschichte des ZDF habe ich über 37 Jahre begleitet. Nicht zuletzt die schwierigen Zeiten des Aufbaus.” Dieter Stolte sagte aber auch einmal „Es gibt ein Leben nach dem ZDF” - und zwar 2001, ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit - und er machte damit klar, dass er ab 2002 für weitere vier Jahre ZDF-Intendanz nicht mehr zur Verfügung stehe. So steht beides nebeneinander: Das Wirken als Gestalter eines der größten europäischen Fernsehsender - und die Tatsache, dass Dieter Stolte dabei nicht zum Funktionär wurde, Mensch blieb und gerade deshalb sein Amt verantwortungsvoll und seriös versah.

Denn das tat er - und er setzte dabei Wegmarken, mag man manche seiner Entscheidungen auch kritisieren. Natürlich war man sich unter Stoltes Intendanz beim ZDF bewusst, nicht besser zu sein als die anderen, klar war aber auch, ein öffentlich-rechtlicher Sender zu sein, der Maßstäbe wahrte und Themen aufgriff, an die sich die private Fernsehkonkurrenz mit Blick auf Werbeeinnahmen und Quote gar nicht mehr herantraute. Gegenüber Privatsendern, die auf Sensationen setzen und Menschen in Reality-Shows bloßstellen und vorführen, wahrte das ZDF seinen Anspruch als gesellschaftliche Institution, die sich neben dem Alltagsgeschäft auch für die „Aktion Sorgenkind“, die inzwischen „Aktion Mensch“ heißt, die Deutsche Krebshilfe, die Welthungerhilfe und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz engagiert.

Diesen gemeinwohlorientierten Anspruch seines Senders hat Dieter Stolte in dem zum vierzigsten Jubiläum erschienenen Bildband „Zeitreise ZDF” folgendermaßen beschrieben: „Das ZDF ist sich über all die Jahre selbst treu geblieben, ohne seinen gesetzlichen Auftrag aus den Augen zu verlieren. Die Würde des Menschen zu achten war ihm dabei stets wichtiger als der vordergründige Applaus.“ 

Geboren 1934 in Köln wuchs Dieter Stolte in Berlin und der DDR auf. Kindheit und Jugend waren von Krieg und Nachkriegsnot überschattet, 1953 floh die Familie in den Westen. Stolte studierte Philosophie in Tübingen - dort wurde er bei Alamannia aktiv - und in Mainz, unter anderem bei Kb Prof. Karl Holzamer (Kur). In Mainz trat er zudem dem KStV Ketteler bei. Kb Prof. Holzamer wurde 1962 Gründungsintendant des ZDF und stellte Stolte als Referenten ein. Stolte erlebte die Anfangsjahre in dem provisorischen, „Telesibirsk” genannten Sendezentrum und war bald Leiter der Programmplanung dieses Fernsehsenders, der nach mancherlei Querelen gegründet worden war und erst einmal seinen Standort finden musste. Nach einem Intermezzo als Fernsehdirektor des Südwestfunks und einer erfolglosen Kandidatur für die WDR-Intendanz kehrte Dieter Stolte 1976 als Programmdirektor zum ZDF zurück und wurde fünf Jahre später Intendant. Nach seiner Zeit als ZDF-Intendant wechselte Stolte nach Berlin und wurde Herausgeber der „Welt” und der „Berliner Morgenpost”. In Berlin hat der verheiratete Vater einer Tochter, der zuletzt an der Parkinsonkrankheit litt, nun sein Leben beschlossen.
In Erinnerung wird er als „Mr. ZDF” bleiben, der für Geradlinigkeit, seriösen Journalismus und Niveau in der Unterhaltung stand. Es ist zu hoffen, dass sich das ZDF, sich in den Wegmarken weiter bewegt, die Dieter Stolte gesetzt hat. Seine eigenen Wegmarken fand Dieter Stolte in seinem Philosophiestudium: Die Mitgliedschaft bei Alamannia und Ketteler wird ihm dabei eine Hilfe gewesen sein.

R.N.