Ein großer Brückenbauer
Anfang Februar feierte Kb Monsignore Rochus Witton sein 65. Priesterjubiläum
Ein Priester fällt nicht vom Himmel“, sagte Kb Monsignore Rochus Witton (Rh-I, Ehrenphilister Nbg und Un) in vielen Predigten und Vorträgen. Damit zeigt er, wie wichtig ihm Bodenständigkeit und Verbundenheit zu den Menschen sind. Am 2. Februar 2024 konnte Kb Rochus Witton, geboren am 28. September 1932 in Strehlen/Niederschlesien, sein 65. Priesterjubiläum feiern.
Ein bewegter Lebensweg führte ihn von seiner schlesischen Heimat nach Köln, wo er seit seiner Priesterweihe vor über sechs Jahrzehnten in der katholischen Gemeinschaft wirkt. Besonders durch seine Mutter sei er an das gottesdienstliche Leben herangeführt worden, berichtete Kb Witton in seinen Memoiren. Im Frühjahr 1939 wurde er eingeschult. Beim Schlittschuhlaufen gestürzt, hatte er sich in der Zeit davor das rechte Schienbein gebrochen und musste sechs Wochen im Bett zubringen. Die Eltern fürchteten, Rochus Witton müsse sei ganzes Leben lang hinken. Doch bald konnte er wieder normal laufen. Mit 88 Jahren wurde er aufgrund einer verschlissenen Hüfte zum „echten Hinkenden“, wie er mit etwas Selbstironie schreibt. Denn seinen Humor hat sich Kb Witton sein Leben lang bewahrt.
Im Sommer 1947 sollte sich sein Leben radikal ändern: Rochus Witton erhielt einen Brief seines früheren Pfarrers Josef Krzoska, der aus seiner schlesischen Heimat vertrieben worden war und mittlerweile in Königstein im Taunus ein bischöfliches Gymnasium mit Jungeninternat leitete. Dieser fragte Kb Witton, ob er zu ihm übersiedeln wolle. So musste Kb Witton gemeinsam mit seiner Mutter aus der sowjetischen Besatzungszone in den Westen flüchten – und „schwarz” die innerdeutsche Demarkationslinie übertreten. Hierbei half ihm auch ein Zollbeamter, der sie hinter der Grenze aufgriff. Er fand das Kreuz sowie eine kleine Figur des heiligen Antonius, die Kb Witton dabeihatte. Mit den Worten „Ich bin auch katholisch“ ließ er sie weiterziehen. In Porz-Ensen traf er seinen Vater wieder: Seit zweieinhalb Jahren hatte er ihn nicht mehr gesehen.
Jahre voller Entbehrungen
Die Jahre im Königsteiner Schülerkonvikt beschreibt Kb Witton als „schulisch recht anstrengend“. Auch war die Nachkriegszeit voller Entbehrungen: Es gab nicht genug zu essen, Schüler mussten auf Strohsäcken schlafen, Duschen konnte man nur kurz einmal in der Woche. Doch: „Diese Jahre trugen viel zu meiner Priesterberufung bei, ohne dass ich es so recht wahrgenommen habe“, schreibt er. Tatsächlich fiel während der Konviktzeit die Entscheidung, Priester zu werden.
1950 zog Kb Witton zu seinen Eltern nach Brühl, dort hatte sein Vater eine Arbeitsstelle gefunden. In Köln besuchte er das heutige Hansa-Gymnasium – der Unterricht fand wegen der zerstörten Gebäude in Schichten statt; die wöchentliche Schulmesse wurde in der in Trümmern liegenden Basilika St. Ursula gefeiert.
Im Anschluss an das Abitur folgte eine bedeutende Entscheidung: Anstatt sein Theologiestudium an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Bonn zu beginnen, kehrte Kb Witton nach Königstein zurück. Zum Sommersemester 1953 trat er ins dortige Priesterseminar ein, das an die schlesische Tradition anknüpfen sollte. Viele Vertriebene lebten und arbeiteten hier. Die Entscheidung sei deshalb auch eine Entscheidung „für meine Heimat, für mein Heimatbistum Breslau“.
Nach dem Philosophicum im vierten Studiensemester ging Kb Witton für zwei Freisemester nach Innsbruck, dort kam er mit dem KV in Kontakt und erfuhr bei den Innsbrucker Rhenanen „viel Geselligkeit und Freundschaft”, wie er schrieb. Auch heute präge „die Zugehörigkeit zum KV ein Stück meines Lebens“ sagte er. Später wurde er Ehrenphilister bei Nibelung und Unitas-Breslau; im Erzbistum Köln war Kb Witton Priesteramtskandidat geworden. Am 2. Februar 1959 – „einem eiskalten Morgen“ – wurde er im Kölner Dom zum Priester geweiht, am 15. Februar feierte er festlich Primiz. Sein Vater vertraute ihm damals an, dieser Tag sei der schönste seines Lebens gewesen.
Nach Kaplansjahren in Kierdorf und Köln-Zollstock und einer Zeit als Religionslehrer am Kaiserin-Theophanu-Gymnasium und Subsidiar in Köln-Mülheim wurde Kb Witton Pfarrer in Köln-Sülz. Hier blieb er über dreißig Jahre, sein Dienst dort wurde ihm zur Lebensaufgabe. Sein Motto war: „Brücken zu bauen“. „Über Brücken” ist auch der Titel seiner Lebenserinnerungen, die er anlässlich seines neunzigsten Geburtstags im Kölner Bachem-Verlag veröffentlicht hat. Denn: „Es war und ist mir eine Freude, bei den Menschen zu sein“, bekannte Kb Witton und meinte damit Pfarrbesuchsdienste und Familienkreise, karnevalistische Feiern, die jährliche Wallfahrt sowie Begegnungstage mit auslän-dischen Mitchristen.
Besonders lag ihm die Leitung der „Schlesischen Maiandachten“ in St. Maria in der Kupfergasse am Herzen, ein Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit seiner schlesischen Heimat. Darüber hinaus war er über vierzig Jahre lang als „General-Feldhillijer“ des Traditionscorps im Kölner Karneval der „Altstädter Köln 1922 e.V.“ aktiv - und wirkte dort nicht nur karnevalistisch, sondern auch pastoral.
Die Verbindung zu den Altstädtern wurde durch eine spontane, herzerwärmende Begegnung mit dem damaligen Präsidenten Rudolf Amm geknüpft. Kb Witton wurde kurzerhand auf die Bühne geholt und gemeinsam mit dem „Knabüß“ zum Tanzen eingeladen. Diese Begegnung markierte den Beginn seiner langjährigen Rolle als „Feldhillije“ bei den Altstädtern, ohne dass er förmlich danach gefragt wurde – im nächsten Jahr war er bereits im Amt.
Eine besondere Ehre wurde Kb Witton 1995 mit der Ernennung zum Monsignore zuteil. Mit siebzig Jahren trat er in den Ruhestand – und zog in seine ehemalige Kaplanswohnung in Köln-Zollstock, aus der er 1962 ausgezogen war. Hier war er weiterhin als Subsidiar tätig, bis Ende 2018.
Nachdem seine Schwester Barbara stürzte, mit der er bislang zusammenwohnte, und ihn eine fortgeschrittene Augenerkrankung beeinträchtigte, zog Kb Witton ins Kloster der Augustiner-Cellitinnen. Im Januar 2020 starb seine Schwester.
Kb Monsignore Rochus Witton steht wohl wie kein anderer Bundesbruder für die Verbindung von Schlesien und Rheinland, und somit für die Unitas-Breslau zu Köln sowie das Häus´chen. Leider kann Kb Witton wegen seines hohen Alters nicht mehr regelmäßig an Veranstaltungen von Nibelung und Unitas-Breslau teilnehmen. Wir sollten und wollen daher versuchen, Brücken zu ihm und allen Bundes- und Kartellbrüdern zu schlagen, die nicht mehr zu uns kommen können.
Helmut Polmans, Autorenteam Un