Unterwegs im April mit der KV-Akademie in der Provence - Erlebnisse eines „Erstteilnehmers”
Bienvenue en Provence - willkommen in der Provence!” Als wolle er auf die vielen Bilder und Eindrücke in den nächsten Tagen hinweisen, begrüßte uns ein starker Mistral am TGV-Bahnhof in Avignon. Regine Löwe, unsere Provence-erfahrene Reiseleiterin, empfing unsere achtzehnköpfige Reisegruppe und begleitete sie im Reisebus zum Hotel. Nahe des Papstpalasts im Herzen von Avignon lag das Hotel ideal, um zunächst diese wunderbare Stadt mit ihren Plätzen und Gassen und dann die Provence zu erkunden.
Unsere Erkundungstour startete mit der Besichtigung des im Laufe des vierzehnten Jahrhunderts errichteten Papstpalastes, mit der sich eine ausführliche Schilderung der Papstgeschichte Avignons verband.
Vielbesungen ist der Pont d´Avignon, unser nächstes Ziel. Nach einem Rundgang durch Avignons Altstadt konnten wir einen Blick in die Kathedrale Notre-Dame-des-Domes werfen und im Jardin des Domes entspannen. Unterbrochen wurde der Tagesablauf, wie an den folgenden Tagen, durch eine individuell zu gestaltende Mittagspause, die erlaubte, die Gegend zu erkunden oder provencalische Köstlichkeiten zu genießen. Gemeinsam nahmen wir das Abendessen in unterschiedlichen Restaurants ein. Das schöne Wetter ließ es zu, draußen auf der Terrasse zu essen und bei einem guten Tropfen den Abend gesellig ausklingen zu lassen.
Ein zweites Rom an der Rhone
Der komfortable Reisebus führte uns in den nächsten Tagen zu weiteren Zielen. Viel Wissenswertes berichtete unsere Reiseleiterin dabei nicht nur über das jeweilige Tagesziel, sondern auch über Alltag und Kultur in Frankreich und über das Verhältnis von Kirche und Staat. Und die Tagesziele hatten es wirklich in sich: In Nîmes etwa prägen bis heute antike Bauten das Bild der Stadt. Denn vor zweitausend Jahren wandelte sich die gallische Siedlung Nemausus in ein zweites Rom an der Rhone. Heute wirkt die einstige römische Musterstadt wie ein Freiluftmuseum, das mit Meisterstücken antiker Ingenieurskunst beeindruckt.
Die römischen Architekten errichteten ein Amphitheater von 133 Metern Länge - solche Maße wurden bei Stadionbauten erst wieder zwei Jahrtausende später erreicht.
Einer der am besten erhaltenen römischen Tempel auf dem Gebiet des einstigen Imperium Romanum ist Nîmes´ „Maison Carrée”, die seit 2023 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Gemeinsam mit dem Amphitheater bildet dieses Bauwerk einen spannenden Kontrast zum modernen, von Stararchitekt Norman Foster errichteten Bau der Stadtbibliothek.
Einen Kontrast zur Barockarchitektur bilden der antike Dianatempel und der Magne-Turm, die sich beide in den ab 1745 errichteten Jardins de La Fontaine befinden, einem der ersten öffentlichen Parks Europas im Herzen von Nîmes. Der Name „La Fontaine” weist gleich auf ein weiteres römisches Bauwerk in der Nähe hin, den Äquadukt von Nîmes, den Pont du Gard, den wir als nächstes besichtigten. Hier überbrückt eine römische Wasserleitung den Fluss Gard. Es war beeindruckend zu sehen, mit welchem einfachen, aber sinnreichen Aufwand römische Ingenieure vor zweitausend Jahren die Wasserversorgung ihrer Städte sicherstellten.
In der Camargue beobachteten wir Flamingos im Flug, bevor wir mit Les-Saintes-Maries-de-la-Mer das Mittelmeer erreichten. Der Name der Stadt leitet sich von einer Legende ab, sollen doch hier die Heiligen Maria Salome von Galiläa, Maria Magdalena und Maria von Kleophas zusammen mit ihrer Dienerin Sarah mit einem Schiff gelandet sein, um das Evangelium zu verkünden. Sarah wiederum gilt als Schutzpatronin der Sinti und Roma.
So verwandelt sich am 24. Mai, dem Festtag der Heiligen, die Stadt in ein Zentrum der Sinti und Roma, denn an diesem Tag strömen Tausende von ihnen als Wallfahrer nach Saintes-Marie-de-la-Mer, um die Statue der Heiligen „Schwarzen” Sarah zu verehren.
Wird das Stadtbild von Nîmes von antiken Bauten geprägt, so ist in Aigues Mortes das Mittelalter bestimmend, denn Aigues Mortes ist eine der größten erhaltenen Festungsstädte des Mittelalters. 1240 erwarb der französische König Ludwig der Heilige das Gebiet, begann mit dem Bau der Festungsstadt und brach von hier aus zum Sechsten (1248 -1254) und Siebten Kreuzzug (1270) auf, bei dem er auch starb. Ursprünglich am Meer gelegen, wird die Festungsstadt bis heute von einer vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer begrenzt. Von der Seite kommend, auf der keinerlei Bebauung vor der Mauer vorhanden ist, fühlten wir uns fast im Mittelalter angekommen - so, als müssten wir Einlass erbitten durch die Tore der Stadt, in der das Leben pulsierte.
Orange glänzt mit einem gut erhaltenen „Triumph”-Bogen und einem hervorragend erhaltenen römischen Theater.
Die Bühnenwand mit heute nachempfundener Überdachung lässt erahnen, wie überwältigt die bis zu neuntausend Zuschauer zur Römerzeit gewesen sein müssen, wenn die Akteure durch die drei Bühneneingänge auftraten.
Köstliche Tropfen von Châteauneuf-du-Pape
Genießer kamen zu ihrem Recht bei einer Weinverkostung in der einstigen päpstlichen Residenz Châteauneuf-du-Pape, einem Zentrum hervorragender französischer Weine. Die Domaine Galévan präsentierte uns eine Auswahl ihrer Weine. So manche Flasche wird wohl im Koffer mit nach Hause gereist sein.
Die über achthundert Jahre alte Abtei Notre-Dame de Sénanque, in wunderbarer Natur gelegen, bot mit ihrer schlichten Eleganz einen Ausgleich zum Trubel der anderen Tage. Erstaunlich, wie ein solcher Ort trotz weiterer Besucher mit seiner Stille beeindrucken kann. Wieder voller Leben war dagegen Aix-en-Provence. Schon die Römer wussten die warmen Quellen zu nutzen, die heute noch in einer Vielzahl von Brunnen gegenwärtig sind. Aix wirkt großzügig mit breiten Boulevards, die von schmucken Bürgerhäusern gesäumt sind, bietet aber auch mit dem sehenswerten romanischen Kreuzgang der Kathedrale Saint-Sauveur stille Rückzugsorte. Cézanne begrüßte uns leider nur als Statue auf dem Platz der Fontaine de la Rotonde. Sein Atelier muss wegen Renovierungsarbeiten bei einem künftigen Besuch besichtigt werden.
Vaison-la-Romaine präsentierte uns nicht nur seine alten Römervillen, sondern auch einen quirligen Markt. Zu dieser frühen Jahreszeit war das Angebot an frischem Gemüse beeindruckend, ebenso wie Süßwaren und andere Leckereien. Die Fahrt ging weiter nach Fontaine-de-Vaucluse. Die größte Quelle Europas ist im Frühjahr besonders ergiebig. Die örtlichen Lokale ließen mit ihren Angeboten fast die Abfahrt des Busses vergessen, der uns weiter nach Carpentras brachte. Dort durften wir die älteste in Frankreich erhaltene Synagoge besichtigen, bewunderten die Reliquien in St. Siffrein und kauften zum Abschluss Berlingots, die typischen gestreiften Bonbons als Mitbringsel für die Daheimgebliebenen ein.
Ein letztes Mal begrüßte uns am Abend Avignons Silhouette. Nach dem Abendessen hieß es Kofferpacken für die Heimfahrt. Auch das frühsommerliche Wetter schlug um. Der kühle Mistral war wieder da, als wolle er uns zurück nach Hause wehen.
Fazit: Eine wirklich lohnenswerte Reise im Angebot der KV-Akademie, die dazu einlädt, die Provence aufs neue zu besuchen. Dies im Kreise von Kartellbrüdern und Damen zu erleben, war ein Genuss. Ein herzlicher Dank für die gelungene Reise gilt der Führung durch Frau Löwe und der perfekten Organisation durch Karl Kautzsch und Ansgar Böhm.
Bernd Fathmann (Arm)
Die Päpste von Avignon
Unter Innozenz III. hatte das Papsttum den Höhepunkt seiner weltlichen Macht erreicht. 1302 versuchte Papst Bonifatius VIII. den päpstlichen Machtanspruch in seiner Bulle „Unam sanctam” festzuschreiben und die geistliche Vormacht des Papstes vor jeder weltlichen Herrschaft durchzusetzen.
Doch es kam anders. Im 14. Jahrhundert stürzte das Papsttum in seine größte Krise. Frankreich baute seine Vormachtstellung aus. Papst Bonifatius VIII. stellte sich dem französischen König in den Weg und belegte ihn mit dem Kirchenbann. Daraufhin belagerten französische Truppen Rom und nahmen den Papst gefangen.
Unter der eigennützigen Schirmherrschaft des französischen Königs Philipp IV. begann 1309 die „babylonische Gefangenschaft” der Kirche: Unter die völlige Abhängigkeit der französischen Krone geraten, residierten die Päpste fast 70 Jahre lang in Frankreich und wurden zu Dienern der französischen Könige. Erst der römisch-deutsche Kaiser Karl IV. sollte den Papst zur Rückkehr nach Italien bewegen. Die Zeit des Exils wurde nun von der Zeit des großen Schismas abgelöst: der großen Kirchenspaltung, die 30 Jahre dauern sollte. Schließlich stritten drei Anwärter um die Papstwürde.
Erst das Konzil von Konstanz (1414-1418) legte das Schisma bei. Es setzte die drei Gegenpäpste Johannes XXIII., Gregor XII. und Benedikt XIII. ab und berief Martin V. als neuen Papst auf den Stuhl Petri.




