Zur Erinnerung: Wir haben einen Freund verloren
Zum Gedenken an Kb Dr. Notker Wolf OSB - * 21. Juni 1940, zum Priester geweiht 01. September 1968, † 02. April 2024
Groß war die Anteilnahme der Öffentlichkeit bei der Trauerfeier für den ehemaligen Abtprimas des Benediktinerordens Pater Kb Dr. Notker Wolf OSB (Ott, Al) in der Klosterkirche von Sankt Ottilien: Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft waren gekommen, um von dem charismatischen Ordensmann, unserem Kartellbruder, Abschied zu nehmen, der am 2. April im Alter von 83 Jahren und im 55. Jahr seines Priestertums gestorben war. Notker Wolfs Rat sei immer prägend gewesen, sagte der Abtpräses der Benediktinerkongregation von Sankt Ottilien, Jeremias Schröder, in seiner Predigt. Als Abtprimas habe er mit seinen Reisen zu den jeweiligen Ordensniederlassungen globale Präsenz gezeigt und die Benediktiner darin bestärkt, eine echte globale Familie zu sein. Wolf habe Aufbrüche und Neugründungen gefördert - vom Kloster in China bis zum Krankenhaus in Nordkorea. In seiner Leidenschaft für die Menschen habe sich Wolf großzügig verschenkt, unterstrich der Abtpräses.
Bayerns früherer Wissenschaftsminister Kb Dr. Thomas Goppel (Nm-W, Erw, Alb, Ale) würdigte seinen Kartellbruder als „Vorbild unserer Tage”. Er habe zu den Persönlichkeiten gehört, auf die man habe bauen können und sei eine lebendige und ermutigende Stütze der Katholiken und Benediktiner gewesen.
„Wir Verbindungen hatten das Glück, P. Dr. Notker Wolf zu unserem Freund werden zu lassen”, hob Theodor Säugling, Philistersenior des K.St.V. Ottonia, hervor. „Wir erlebten ihn in dieser doch turbulenten Zeit als ruhigen Anker, als Vorbild. Er hat gezeigt: Christliches Leben ist reich an Fülle und Ideen und darf auch humorvoll sein.”
Kb Dr. Notker Wolf wurde als Werner Wolf am 21. Juni 1940 in Bad Grönenbach geboren und wuchs im Allgäu auf. Nach seinem Abitur trat er 1961 in das Benediktinerkloster St. Ottilien ein und nahm dort den Ordensnamen „Notker” an. Er studierte in den Jahren von 1962 bis 1974 in Rom und München Theologie, Philosophie sowie Zoologie, Anorganische Chemie und Astronomiegeschichte. Die Priesterweihe empfing Notker Wolf 1968. Im Jahr 1970 ging er als Professor für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie an die Päpstliche Hochschule Sant’Anselmo in Rom.
Im Oktober 1977 wurde er zum fünften Erzabt der Erzabtei St. Ottilien gewählt und damit gleichzeitig auch Abtpräses der Kongregation der Missionsbenediktiner. Am 7. September 2000 wurde Notker Wolf schließlich zum neunten Abtprimas und damit zum obersten Repräsentanten des Benediktinerordens berufen. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2016 kehrte er in die Erzabtei Sankt Ottilien zurück.
Kb Notker Wolf war Autor zahlreicher geistlicher Bücher. Regelmäßig trat er im Querflötenduett mit seiner langjährigen musikalischen Begleiterin, der Passauer Musikpädagogin Inka Stampfl, oder als E-Gitarrist und Flötist der Rockband „Feedback” auf. Öffentlich scheute er sich nicht, Missstände anzuprangern, etwa bei einem Treffen des Bundes der Selbstständigen in Landsberg 2017, wo er sich gegen die „schamlose Bereicherung“ der Topmanager aussprach. Bis zum Ende seines Lebens tätig, hatte Kb Dr. Notker Wolf seit Ostermontag eine Pilgerreise auf den Spuren des heiligen Benedikt in Italien begleitet. Als er sich zunehmend unwohl fühlte, flog er vorzeitig heim. Bei der Übernachtung im Flughafenhotel in Frankfurt erlag er einem Herzinfarkt. Mit Notker Wolf ist eine der bekanntesten deutschen Priesterpersönlichkeiten von uns gegangen. R. i. P.