Zur Erinnerung: „Suaviter in modo, fortiter in re”

Zum Gedenken an Ltd. Akad. Direktor i. R. Kb Winfried Stadtmüller (Nm-W) * 6. Juli 1937 - † 12. Januar 2024

Anfang des Jahres 2024 ist eine außergewöhnliche Stimme der K.St.V. Normannia-Würzburg für immer verstummt: Im Alter von 86 Jahren verstarb am 12. Januar 2024 Normannias Ehrenphilister Winfried Stadtmüller. Die Nachricht von seinem Tod kurz vor dem Kommers zu Normannias 148. Bundesfest erschütterte alle tief. Winfried Stadtmüller war mit seinem Scharfsinn und seinen klaren Worten der gute Geist der Normannia-Würzburg. Wie kaum ein anderer lebte er das Lebensbundprinzip, die Verbundenheit der alten mit den jungen Bundesbrüdern, beispielhaft vor. In einer Zeit, die für Normannia schwierig war, übernahm er von 2001 bis 2007 das Amt des Philisterseniors und steuerte das Normannenschiff wieder in ruhigere Gewässer.

1937 in Aschaffenburg geboren, studierte Winfried Stadtmüller in Würzburg Geschichte, Germanistik und Geographie, wurde bei Normannia-Würzburg aktiv und war 1961/62 AStA-Vorsitzender der Julius-Maximilians-Universität. Nachdem er von 1974 bis 1994 neben seiner Tätigkeit als Seminarleiter Geschichte am Röntgen-Gymnasium Würzburg als Lehrbeauftragter für die Didaktik der Geschichte an der Universität wirkte, wechselte er 1994 als Akademischer Direktor, ab 1999 bis zu seinem Ruhestand 2003 als Leitender Akademischer Direktor für die Didaktik der Geschichte an das Historische Seminar der Universität Würzburg. Generationen künftiger Geschichtslehrkräfte hat er geprägt.

Auch bei anderen Themen stellte er seine Expertise als Historiker unter Beweis, so etwa zu Aspekten der Geschichte der K.St.V. Normannia-Würzburg. Große Aufmerksamkeit fand bei ihm auch die Kontroverse zur Umbenennung des Kardinal-Faulhaber-Platzes in Würzburg. Dass sich der Stadtrat entgegen des Votums eines Expertengremiums für eine Umbenennung entschied, irritierte ihn sehr.

Als sich 1989 die Würzburger KV-Tage mit dem Thema „Der KV und das Dritte Reich” befassten, übernahm er ein Referat. Mehrfach wurden von ihm verfasste Beiträge in den Akademischen Monatsblättern veröffentlicht und als 2014 eine Festschrift zum 125. Bestehen der AM erschien, verfasste er gemeinsam mit Kb Klaus Gierse einen Artikel, der die Jahre 1929 bis 1932 und die Gestalt des damaligen AM-Schriftleiters Götz Freiherr von Pölnitz in den Blick nahm.

Sein profundes Wissen beeindruckte auch auf den Diskussionen beim Würzburger KV-Ortszirkel „Schelch”. Stets bescheiden und zurückhaltend, war er dabei immer klar und deutlich in der Argumentation - suaviter in modo, fortiter in re. Dabei half ihm sein manchmal hintergründiger Humor, den er mit einem kleinen, spitzbübischen Lächeln einsetzte. Er lebte vor, dem Bundesbruder Freund zu sein - in seiner ausgleichenden, hilfsbereiten Art und als Mensch der eher leisen Töne. Auf alle Bundesbrüder zuzugehen, gerade auf die am Rande Stehenden, war ihm wichtig.

Aufopfernd pflegte er in den letzten Jahren seine erkrankte Frau Eva. Zwei Wochen nach seinem Tod ist sie ihm im Pflegeheim des Würzburger Juliusspitals in die Ewigkeit gefolgt. 

Mögen beide in Frieden ruhen!
    
Markus Hahn (Nm-W), Dr. Gerhard Pongratz (Nm-W, Leu), Klaus Gierse (Rh-E, Nm-W, Urb)