Siebzig Jahre Priester, 95 Jahre alt
Kb Pastor Winfried Henze (Wf, Cher): Mit 95 Jahren noch als Seelsorger aktiv
Es war ein Jubiläum, das nur wenige erreichen: 95 Lebensjahre - und siebzig Jahre priesterlicher Dienst. Mit einem festlichen Hochamt feierte Kb Pastor Winfried Henze (Wf, Cher) seinen 95. Geburtstag und sein siebzigstes Priesterjubiläum am Sonntag, dem 21. Juli 2024 in Borsum bei Hildesheim.
Denn in den Ruhestand ist Winfried Henze bis heute nicht ge-treten: Als wäre es völlig selbstverständlich mit 95 Jahren weiter zu machen, arbeitet er unverdrossen als Priester im Borsumer Kaspel, einem weitläufigen Gemeindegebiet bei Hildesheim, feiert Eucharistie, hört Beichten, tauft Kinder und Erwachsene, leitet Traugottesdienste und Beerdigungen und steht jedermann mit Rat und Tat zur Seite.
Dicht gefüllt war die St. Martinus-Kirche in Borsum, als Diakon Wilfried Otto, Pfarrer Dr. Roland Baule, der Jubilar, Diakon Alexander Krage und Pastor Paup Pham van Tuan zusammen mit vielen Ministranten unter den feierlichen Klängen des Musikvereins Borsum am Morgen des 21. Juli zum Hochamt Einzug hielten. Abordnungen katholischer Verbände kamen hinzu: Unübersehbar die Banner vieler Kolpingvereine, aber auch die Standarte des K.St.V. Winfridia-Göttingen, war es doch für eine ganze Reihe von KVern Ehrenpflicht und Herzenssache, ihrem Kartell- und Bundesbruder an diesem Tage alles Gute zu wünschen.
Es ist die Vielfalt, die Winfried Henzes priesterlichen Dienst bis heute prägt. Er arbeitete als Journalist: als Redakteur für die Hildesheimer Kirchenzeitung, aber auch als Autor der Akademischen Monatsblätter. Er berichtete aus unterentwickelten Ländern und wurde zweimal mit dem Katholischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Er gab Religionsunterricht, der von ihm verfasste Katechismus „Glauben ist schön”, ein Bestseller, verkaufte sich mehr als eine Viertelmillion Mal und wurde in sechs Sprachen übersetzt. (Das hunderttausendste Exemplar überreichte Winfried Henze übrigens 2004 im Vatikan den damaligen Kardinälen Joseph Ratzinger und Walter Kasper). 1981 übernahm er, selbst passionierter Segelflieger, die seelsorgliche Betreuung der Teilnehmer der Segelflugweltmeisterschaft in Paderborn. All das hat ihn bekannt gemacht,
als wäre er der sprichwörtliche „bunte Hund”. Obwohl er, als man ihn bei einer Lesung einmal als solchen ankündigte, erwiderte: „Naja, eher ein schwarzer.“
Den Schwerpunkt seines Wirkens sieht Winfried Henze jedoch in seinem Dienst als Landpfarrer, bodenständig, nahbar und standhaft. „Auf meine alten Tage bin ich noch Wanderprediger geworden“, sagte er scherzhaft gegenüber dem Bistum Hildesheim. Denn im Seelsorgeteam von St. Martinus in Borsum betreut er gemeinsam mit zwei weiteren Priestern als Pfarrvikar acht Kirchorte.
„Priester ist, der Gott und die Menschen liebt und der für Gott und die Menschen da ist.”
Die Quelle dieses Engagements sprach Pfarrer Dr. Roland Baule an, als er in der Festpredigt von dem stark bearbeiteten, durchgebeteten und wohl auch durchlittenen Brevier des Jubilars sprach. Winfried Henze hatte zu dem Fest mit einem Vers aus dem Buch Nehemia eingeladen: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.”
„Was macht einen Priester aus?” fragte Dr. Baule in seiner Predigt und er beantwortete seine Frage mit zwei Sätzen: „Priester ist, der Gott und die Menschen liebt und der für Gott und die Menschen da ist.“ Das habe Winfried Henze in seinem Priesteramt immer gelebt. „Du hast in den siebzig Jahren neun Bundeskanzler, sieben Päpste und dreizehn US-Präsidenten kommen und gehen sehen“, meinte Dr. Baule mit einem Schmunzeln. Und er würdigte Winfried Henzes Verdienste als Buchautor und seinen Einsatz für die Ökumene.
Der Jubilar absolvierte die Liturgie mit fester Stimme und dankte allen, die mitgeholfen hatten, das Hochamt zu gestalten. „Ich wünsche mir eine größere Hochachtung des Priestertums”, meinte er.
Im hessischen Fritzlar kam Winfried Henze 1929 zur Welt, er wuchs in Göttingen auf, seine Ferien allerdings verbrachte er oft bei einer Tante in Bettmar, das heute zu Vechelde im Landkreis Peine gehört. Später, in seinem Buch „Bördejahre”, hat er die Menschen dieser Landschaft beschrieben, „mit ihren Schwächen, ihrem Witz und ihrer Treue, ihren Ängsten und Hoffnungen, ihrem Lachen oder Weinen”, wie er dort schreibt. Er studierte Theologie und wurde 1954 in St. Godehard in Hildesheim zum Priester geweiht, denn der Hildesheimer Mariendom war nach den schweren Zerstörungen der Stadt durch alliierte Luftangriffe in der Endphase des Zweiten Weltkriegs noch nicht wiederaufgebaut.
Im Kontakt mit KVern erlebte er viele Kartellbrüder, die als Soldaten das Grauen des Kriegs miterlebt hatten und mit dem Studium und in der Gemeinschaft der Kartellbrüder neu Fuß fassen wollten. In St. Godehard, der Kirche, in der er geweiht worden war, wirkte Winfried Henze als Kaplan und als Pfarrer. Weitere Stationen im Bistum waren Braunschweig, Bremen-Blumenthal und Egenstedt. Seit zwanzig Jahren lebt Winfried Henze im Pfarrhaus zu Adlum bei Hildesheim.
Viele Gratulanten fanden sich nach dem Hochamt in einer Festscheune in Adlum ein und wurden mit Leberkäs und Sauerkraut, sowie, so Pastor Henze „mit der besten Biersorte, nämlich Freibier” bewirtet. Winfried Henze sei ein Priester, der „mit Begeisterung und Leidenschaft seinen Dienst versieht”, sagte Domkapitular Dr. M. Marahrens im Namen der Bistumsleitung, aus dem Bayerischen Wald weithergereist zu einem Grußwort war der ehemalige Bürgermeister von Kirchberg, mit dessen Kirchgemeinde Henzes frühere Pfarrei St. Godehard in Hildesheim eine lange Freundschaft pflegt. Wie sehr aber die drahtige Energie des Jubilars Jüngere beeindruckt, das zeigten die Grußworte der Vertreter der Adlumer Vereine, die ihm ein neues Messgewand schenkten, und des Ortsbürgermeisters, der sagte: „Behalten Sie ihre Dynamik und ihre Gesundheit; dann können wir mit Ihnen auch noch den hundertsten Geburtstag feiern.”
Reinhard Nixdorf (Nm-W)

