Er war Deutschlands ökologisches Gewissen
Prof. Dr. Klaus Töpfer * 29. Juli 1938 - † 08. Juni 2024
Sein Sprung im Neoprenanzug mit Badekappe und Flossen von einem Polizeiboot in den Rhein, um zu zeigen, dass sich der Fluss ökologisch erholt habe, machte ihn 1988 überall bekannt: Als „Mister Umwelt” und „Mister Nachhaltigkeit” kämpfte Klaus Töpfer jahrzehntelang für den Planeten und seine Bewohner. Am Samstag, dem 8. Juni, ist er im Alter von 85 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Im KV war er Ehrenmitglied des K.St.V. Ketteler in Mainz.
Klaus Töpfers Familie stammte aus Schlesien, er selbst kam 1938, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, im niederschlesischen Waldenburg (heute Walbrzych) zur Welt. Aus der Heimat vertrieben, fand die Familie, nach Ende des Krieges, Aufnahme in Höxter in Westfalen. Dort machte Klaus Töpfer Abitur, nach dem Wehrdienst absolvierte er ein Volkswirtschaftsstudium in Mainz, Frankfurt und Münster, beschloss es als Diplom-Volkswirt und promovierte. Nach Professuren für Raumordnung und Landesplanung in Hannover und Münster wurde er Mitte der 1980er Jahre erst Staatssekretär, dann Minister für Umwelt und Gesundheit in Rheinland-Pfalz. 1987 berief ihn der damalige Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl an die Spitze des erst ein Jahr zuvor gegründeten Umweltministeriums. In diesem Amt erarbeitete sich Töpfer seinen Ruf als fähiger Umweltpolitiker und prägte Deutschlands Ruf als ökologischer Vorreiter unter den Industrienationen.
Klaus Töpfer verfocht die Idee einer abfall-losen „Kreislaufwirtschaft”, sprach sich für eine ökologische Steuerreform aus, setzte das FCKW-Verbot zum Schutz der Ozonschicht mit durch und kämpfte frühzeitig für einen aktiven Klimaschutz, den er als zentrale Herausforderung der Industriegesellschaft begriff. Klaus Töpfer war ein Verfechter der „Energiewende” mit Kohleausstieg und (längerfristigem) Abschalten der Atomkraftwerke, auch wenn er damals das von der Umweltbewegung geprägte Wort noch nicht in den Mund nahm.
„Ich bin zu lange in der Politik geblieben”, bekannte er 2011 in dem zusammen mit dem Physiker und Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar verfassten Buch „Unsere Zukunft”. „Als ich 1998 aus der Bundesregierung ausschied, um nach Nairobi zur UNEP (United Nations Environment Programme) zu gehen, war es höchste Zeit, dass ich das machte. Durch diesen Schnitt habe ich völlig neue Dimensionen kennengelernt, musste übergreifend denken.”
Nach acht Jahren an der Spitze dieses „Umweltministeriums” der Vereinten Nationen kehrte Klaus Töpfer nach Deutschland zurück.
In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zeigte er sich zuver- sichtlich, dass die Menschheit die Klimakrise in den Griff bekommen könne, wenn sie ihr genug Bedeutung beimesse. Zugleich räumte er ein, dass die Politik den Wachstumsglauben zu selten in Frage gestellt habe. Gegen eine Renaissance der Atomkraft wandte sich Töpfer. „Klimakleber” kritisierte er, weil ihre Aktionen zu gesellschaftlichen Verhärtungen und neuen Frontenbildungen geführt hätten. „Weltuntergangsstimmung lähmt die Menschen und verhindert, dass wir etwas verändern.”
Kaum einer hat die deutsche Umweltpolitik der vergangenen fünfzig Jahre so geprägt wie Klaus Töpfer – und das tat er bis ins hohe Alter hinein.
R.N.