Wissenschaftliches Wirken für Liturgie und Kirche
Als Kb Prof. Dr. Franz Xaver Kohlschein 1984 den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg übernahm, setzte neben einem vielfältigen Wirken in Wissenschaft und Seelsorge alsbald auch der Kontakt zum K.St.V. Mainfranken ein: Er begleitete den Bund seelsorglich, 2010 stiftete er dem Mainfrankenhaus in der Sandstraße ein Relief der Heiligen Katharina von Alexandrien, das über dem Hauseingang platziert ist.
2015 aus Oberfranken in seine westfälische Heimat zurückgekehrt, feierte er dort kürzlich seinen neunzigsten Geburtstag. Am 6. Juli 1934 als Spross einer Brauereiunternehmerfamilie in Warburg geboren, trat er nach dem Abitur am Gymnasium Marianum 1954 ins Priesterseminar der Erzdiözese Paderborn ein und studierte an der Philosophisch-theologischen Hochschule Paderborn sowie in Lyon und München katholische Theologie. Am 19. Dezember 1959 in Paderborn zum Priester geweiht, wirkte er als Vikar in der Pfarrei Herz Jesu in Dortmund-Hörde und - während seiner Promotion in Münster - als Präfekt im Studienheim St. Klemens für Priesterspätberufene in Bad Driburg. 1969 promovierte er an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit einer Arbeit über den Paderborner Liber Ordinarius von 1324 bei Emil Joseph Lengeling.
Unter den Theologen, die sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Fach Liturgiewissenschaft qualifizierten, gehörte Franz Kohlschein zu den ersten, so Stefan Kopp in der Zeitschrift „Theologie und Glaube”, die die ortskirchliche Liturgiegeschichte erforschten und dabei in den Libri Ordinarii, den „Regiebüchern” an mittelalterlichen Dom-, Stifts- und Klosterkirchen, eine wertvolle Quelle erkannten.
Nach Diensten als Studentenpfarrer an der neu gegründeten Universität Bielefeld und Pfarrer in Dortmund-Hörde wurde er 1979 als Professor für Liturgiewissenschaft und Kirchengeschichte an die Katholische Fachhochschule Mainz berufen, dem folgte 1984, wie gezeigt, der Ruf an den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, den er bis 1999 innehatte.
An sein liturgiehistorisches Interesse, das er schon in seiner Dissertation für das Mittelalter gezeigt hatte, knüpfte Prof. Kohlschein in seinen Forschungen zum Themenkomplex Aufklärungskatholizismus und Liturgie, den ersten diözesanen Gebet- und Gesangbüchern sowie der Geschichte der Liturgiewissenschaft vom Ausgang des 18. Jahrhunderts an. Neben der liturgiehistorischen Forschung förderte Prof. Kohlschein die liturgische Erneuerung und publizierte zu pastoralliturgischen Einzelthemen viele Aufsätze.
Nach seiner Emeritierung übernahm er die wissenschaftliche Ausgabe der Niederschriften der Bamberger Mystikerin M. Columba Schonath OP (1730-1787), die Teil des von Erzbischof Karl Braun 1999 eröffneten Seligsprechungsverfahrens wurde.
Außerdem wirkte Kb Prof. Kohlschein als Berater im Deutschen Liturgischen Institut Trier, wurde 1996 zum wissenschaftlichen Berater in der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz beru-fen und war in dieser Funktion auch Mitglied in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Liturgiekommissionen im Deutschen Sprachgebiet (IAG).
In Anerkennung seiner kirchlichen Leistungen ernannte Papst Johannes Paul II. unseren Kartellbruder 1998 zum „Päpstlichen Ehrenprälaten“.
R.N.