Werte leben und andere davon begeistern
Festrednerin Fs Dr. Andrea Behr MdL: Liebe zum Glauben, zu Traditionen und zur Heimat zeichnet katholische Verbindungen bis heute aus
Ein halbes Jahr hatten die Planungen in Anspruch genommen - dann war es soweit: Am 14. Juni feierte der K.St.V. Walhalla-Würzburg, einer der fünf Gründungsvereine des Kartellverbands, im Pfarrsaal von St. Laurentius in Würzburg-Heidingsfeld den Jubelkommers zum 160. Stiftungsfest.
Von nah und fern waren Walhallanen, Gäste und Chargenabordnungen gekommen, um gemeinsam einen unvergesslichen Abend zu erleben. Ein Fux wurde auf dem von Jubelsenior Jonas Kohl geschlagenen Kommers aufgenommen, zwei Füxe wurden feierlich geburscht. Mit gesenktem Blick entfernten sich zwei Bundesbrüder ins Philisterland, Walhallas langjähriger AHxx verabschiedete sich in den Chargenruhestand.
Den Festvortrag hatte Dr. Andrea Behr, Landtagsabgeordnete und Zahnärztin aus Würzburg, übernommen. Sie stammt aus einer Walhallanen-Familie, ist mit Walhallas Philistersenior Dr. André Trojanski verheiratet und Mitbegründerin der Akademischen Damenverbindung Salia zu Würzburg. „Beim Gründungskommers der Walhalla wäre es unvorstellbar gewesen, dass eine Frau eine Festrede hält”, sagte Dr. Andrea Behr eingangs. „Denn Frauen waren damals im akademischen Umfeld nahezu unsichtbar.” Aber: „Mein Opa, geboren 1897, wä-re verwundert, mich heute am Rednerpult zu sehen, mein Vater hingegen, geboren 1923, war sogar die treibende Kraft, mich zu motivieren, die ADV Salia mitzubegründen: Stolz wären sie beide.”
„Zeitenwende” war Thema der Rede, in der Dr. Andrea Behr Walhallas hundertsechzig Jahre lange Geschichte Revue passieren ließ. Auch das Korporationsstudententum sei ständigem Wandel unterzogen, betonte sie, doch bedeute das nicht, „dass man gezwungen ist, sich jedwedem Zeitgeist hinzugeben”.
„Pro fide et patria”
In der Zeit des Kulturkampfs, einer Phase der Konsolidierung und Selbstbehauptung der katholischen Kirche, hätten sich viele katholische Studentenverbindungen mit dem Ziel gebildet, die religiöse und moralische Bildung ihrer Mitglieder zu fördern und sie in der katholischen Tradition zu verankern. Deshalb ziere der Wahlspruch „Pro fide et patria” den Eingangsbereich des Walhallanen-Hauses. „Diese Liebe zum Glauben, zu Traditionen und zur Heimat macht katholische Verbindungen heute noch besonders”, betonte Dr. Andrea Behr. ,,Dort, wo Festigkeit im Glauben und Verbundenheit zur Heimat sich die Waage halten, wird man nicht in Gefahr geraten, nationalistischen Allmachtsphantasien nachzugehen."
Und so, meinte die Festrednerin, „könnt Ihr auch in Zukunft junge Menschen von der Idee des Lebensbundes in einer Studentenverbindung begeistern.”
Dazu gehöre aber nicht nur das Haus, „das Heimat gibt”, sondern dazu gehörten auch die Werte, die eine Verbindung ausmachen. Der verstorbene Kartellbruder Prof. Dr. Joseph Ratzinger, als Papst Benedikt XVI. in die Geschichte eingegangen, habe immer wieder vor den Gefahren eines zunehmenden Relativismus gewarnt: Es entstehe, Zitat, „eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt.”
Diesem Denken habe Kb Benedikt XVI. den Blick auf den Menschensohn Jesus von Nazareth als Maß des wahren Humanismus entgegengestellt. „Ich bin sicher, dass es zu den Aufgaben katholischer Verbindungen gehört, sich dem Relativismus im Alltag entgegenzustellen. Wenn nur noch das ICH im Mittelpunkt steht und nicht mehr das WIR, hat das nicht nur Auswirkungen auf die Glaubenspraxis. Es verändert unsere gesamte Gesellschaft”, warnte Dr. Andrea Behr.
Aus den Schrecken des Krieges hätten die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes vor 75 Jahren die Leitlinien ihres Glaubens, resultierend aus den Zehn Geboten und den Prinzipien der Christlichen Soziallehre zur Basis unseres Zusammenlebens aufgestellt. „Ihr Bekenntnis zum Christentum war ein tragender Wert, der auch unsere Gesellschaft nach dem Krieg geprägt hat.” Heute dagegen falle es den Politikern verschiedener Parteien schwer, sich bei der Eidesformel auf die Hilfe Gottes zu verlassen. Da sei es vorbei mit „pro fide”.
Das dürfe nicht hingenommen werden, sagte Dr. Andrea Behr. „Wir müssen immer wieder auch in unserem politischen und zivilgesellschaftlichen Engagement darauf hinweisen, welche Grundsätze unser Gemeinwesen trägt und wir dürfen benennen, dass sie christlichen Ursprungs sind. Ohne die Personenwürde des Einzelnen, ohne Solidarität und ohne Subsidiarität, ohne diese christlichen Prinzipien würde unsere Gesellschaft ganz arm dastehen.”
Patriotismus: Aalles andere als übertriebener Nationalismus
Auch mit „pro Patria” sei es leider bei vielen Zeitgenossen nicht weit her. Dabei sei mit diesem Begriff doch keinem übersteigerten nationalstaatlichen Denken das Wort geredet, betonte die Landtagsabgeordnete. Vielmehr gehe es um die Wertschätzung unseres Rechtsstaats und um die Achtung unserer staatlichen Institutionen. „Deshalb ärgert es mich so, wenn der Begriff Heimat und Heimatverbundenheit und noch mehr der Begriff Vaterland immer sofort in die rechte Ecke gestellt werden.” Vizekanzler Robert Habeck habe in einem Buch geschrieben: „Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.” - „Wenn das linker Patriotismus ist”, folgerte Dr. Andrea Behr, „wundert es mich allerdings nicht, wenn sich dieses Denken auch im politischen Handeln widerspiegelt.”
Daher sollte es Auftrag einer Verbindung sein, die Werte des Glaubens und die Werte, die unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat ausmachen, zu bewahren und an künftige Generationen weiterzugeben. Denn dann, sagte Dr. Andrea Behr zum Schluss, „werden sie auch künftige Zeitenwenden überdauern.”
R.N.

