Erlebnisbericht von einem denkwürdigen Festkommers der Semnonia-Berlin zu Osnabrück

Dr. Jürgen Allerkamp (Mk)

Der hohe Senior Semnoniae hatte mich angefragt, als Festredner auf dem Festkommers der Semnonia im Sommersemester 2023 zu sprechen.

Die Anfrage erfolgte zunächst über meinen Schwager Heinrich Schröer (Wf, Smn), einen alten Winfridenfreund meiner Familie. Deshalb und weil ich wusste, dass Markomannen die Wiedergründung der Semnonia in Osnabrück im Sommersemester 2016 maßgeblich vorangetrieben haben, sagte ich spontan und gerne zu.
So reiste ich am 13. Mai 2023 nach Osnabrück, feierte einen wunderbaren Festkommers und hielt die bestellte Rede.
Besonders freute ich mich, dort Chargierte unserer Markomannia, zahlreiche weitere Markomannen und „unseren“ KV-Rat Vorsitzenden, Markus Wittenberg, zu treffen.
Obgleich das Thema „Welche Wirtschaftsstrukturen werden nach Corona nachhaltig verändert sein?” für einen Festkommers doch etwas sperrig schien, hörte die Corona trotz fortgeschrittener Stunde und ersten Anzeichen von Heiterkeit aufmerksam zu und bedankte sich mit freundlichem Applaus.
Der Senior Semnoniae sprach seinen Dank aus und übergab mir einen Krug heimischen, inzwischen verzehrten köstliches Bieres und lokalen, noch nicht verzehrten Schnaps - eine wunderbare Geste des Seniors Semnoniae.

Soweit, so gut und soweit auch alles im üblichen und erwartbaren Rahmen.

Doch dann passierte etwas Ungewöhnliches.
Ein zweiter Dankesredner ergriff mutig und mit fester Stimme das Wort.
Unser Bundesbruder Christian Delhey (E d Smn, Wh, Mk, Erm, Gm, Osg, Gth) bedankte sich namens der Altherrenschaft Semnoniae, holte weit aus und hielt mir in spritzigster Manier meine Jugendsünden in Münster und bei der Germania Lausanne vor. Insbesondere die von mir längst verdrängte Verhohnepiepelung meines Nachnamens (Ballermannn, Lallermann??) katapultierte mich in meine studentische Vergangenheit.
Spätestens als Bb Delhey die Vorzüge seiner Großcousine aus Wismar, der dort tätigen Bäckereifachverkäuferin, pries und deren Grüße an mich ausrichtete, fragte ich mich: Was soll das alles? Denn nämliche Bäckereifachverkäuferin kannte ich ebensowenig wie sie mich. Auf meinen ungläubigen Blick führte Christian aus, dass das stimme, die Dame aber immerhin wisse, wer ich sei.

Mein Staunen über den Verlauf der Dankesrede wurde nicht geringer, als ich erfuhr, dass Christians Großcousine nebenbei Ahnenforscherin und leidenschaftliche Besucherin von Flohmärkten in Norddeutschland sei und diese Christian vor zwei Jahren nach dem Ausmisten ihres Kellers einen gut abgelagerten Fund studentischer Devotionalien vom Flohmarkt in Schwerin aus dem Jahre 2003 als Geschenk anbot.
Da es Christian schwerfiel, dieses Geschenk auszuschlagen, konnte ich seine Enttäuschung nachvollziehen, als statt eines großen Pakets nur ein kleines Päckchen aus Wismar bei ihm eintraf. Der Inhalt: Ein Zipfelbund in den Farben unserer Markomannia, den die besagte Bäckereifachverkäuferin im Jahre 2003 auf dem Flohmarkt in Schwerin erworben hatte. 
Da die verschiedenen Zipfel in der Regel nur Vor- oder Spitznamen aufweisen und es auch viele Markomannen mit dem Vornamen Jürgen gibt, ist es Christians kriminalistischen Fähigkeiten zu verdanken, dass er herausfand, dass dieser Zipfelbund einst mir gehörte.
So brachte er mir meine, seit über zwanzig Jahren vermissten Zipfel als Geschenk dar. Ich staunte nicht schlecht und konnte all dies kaum fassen. Und in der Tat war ich von 1997 bis 2000 für die NORD/LB in Schwerin tätig und ich vermute, dass mein Zipfelbund in den Umzugswirren 1997 in Schwerin verloren gegangen ist.
Was für ein ungeheurer Zufall!

Lieber Christian, Dir sei von Herzen gedankt, mir meine seit über zwanzig Jahren verloren geglaubten Zipfel zurück zu schenken. Diese ungewöhnliche Geschichte rührt mich von Herzen an und so sage ich erneut Dir, lieber Christian, ein herzliches Dankeschön, natürlich verbunden mit den besten Grüßen an Deine Großcousine aus Wismar, der Schatzsucherin mit dem goldenen Händchen.
N.B.
Nach einigen Bierchen beschlich mich der Eindruck, dass alle - und ich meine wirklich alle im Saal - diese wunderbare Geschichte bereits kannten und sich weniger auf den Vortrag als auf meine zu erwartende Rührung freuten und die ganze schöne Rede eigentlich nur ein Vorwand war, mich nach Osnabrück zu locken...
Als mich nach weiteren Bieren die hübsche Kellnerin ansprach und mir voller Stolz erklärte, sie komme auch aus Schwerin, beschloss ich aus Gründen äußerster Vorsicht, schleunigst den Heimweg anzutreten.