„Mit vollem Fokus” – Neologismen
Siegfried Koss (Gro-Lu, Rh-D, Pr, JE)
Jedermann weiß, dass neue Begriffe sich in der Sprachwirklichkeit durchsetzen und dort sesshaft werden können. Andere verschwinden nach einiger Zeit und werden dann – wenn man sie liest oder hört – eher peinlich. Ein Verfasser – egal ob Redner oder Schreiber – wird also den Umlaufwert eines Neologismus zu beachten haben. Manch ein verwendeter Begriff ruft beim aufmerksamen Leser – nicht beim abgestumpften Vielleser – eine Reaktion hervor, die dem Verfasser durchaus unlieb sein mag.
Im 19. Jahrhundert war in den Bildungsschichten Großbürgertum und Adel die deutsche Sprache gespickt mit Romanismen aus dem Französischen. Sie dienten wesentlich der sozialen Abgrenzung nach „unten“. Sprachlich blieb man so unter seinesgleichen. Damit war einigermaßen Schluss, je demokratischer Gesellschaft und Politik wurden. Heute scheint der gegenläufige Trend Ausdruck eines neuen Strebens nach sprachlicher Abkapselung und politischer Herrschaft zu sein. Man denke dabei an die Sprachen einiger gesellschaftlicher Eliten, wie Akademiker und Intellektuelle.
Es ist die aufgeblasene Modesprache unzähliger Menschen (nicht nur in den Medien!), der sich Kb Klemens Weilandt (Fr-S+Ebg, Rp) in seinem neuesten Werk widmet. Auf 371 Seiten sammelt er den Schrott der deutschen Gegenwartssprache, den Medien und dann auch deren Nutzer produzieren. Er liefert insgesamt 211 Beispiele. Hier einige davon:
Abholen
Abrufen
Angedacht
Aufstellen
(etwas) bewegen
Campus
Diskurs
Diversität
Downloaden
(sich) einbringen
Einfordern
Equipment
Event
Fake
Fokus
Generieren
Genial
Handlungsbedarf
Hinterfragen
Hype
Klientel
Knaller
Kommunizieren
Konsens
Limit
Mega
Message
Narrativ
Option
Perspektive
Plattform
Positionieren
Pushen
Resilienz
Rüberbringen
Sinn machen
Statement
Strategie
Thematisieren
Umsetzen
Vermittelbar
Volatilität
Voll
Woke
Zielführend
Zurückrudern
u.v.m.
