Rund um Osnabrück bringt die Ursachenstiftung Schulen, Handwerk und junge Leute zusammen – und zeigt Perspektiven auf
Babette Rüscher-Ufermann
„Die Ursachenstiftung setzt sich aktuell dafür ein, dass Jugendliche Aufgaben bekommen, an denen sie wachsen können. In der GenerationenWerkstatt entdecken sie das Handwerk als spannende Herausforderung neben der oft „grauen Theorie" in der Schule. Mit diesem Satz stellt sich die Ursachenstiftung in Osnabrück auf ihrer Homepage vor. Gründer ist der Unternehmer Markus Johannes Rahe aus Melle. Ziel war es, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Generationen zu fördern, junge Leute für handwerkliche Berufe zu begeistern und gleichzeitig das Wissen und die Erfahrung der älteren Generationen zu nutzen. Ein Vorhaben, das in unserer schnelllebigen Zeit sehr wertvoll ist.
Kb Patrick Thuinemann (Cb, Smn), Philistersenior des KStV Semnonia, hat als Fachleiter für den Fachbereich Arbeit/Wirtschaft/Technik das Projekt GenerationenWerkstatt in der Marienschule Schwagstorf/Fürstenau fest verankert. Die positiven Erfahrungen und die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler überzeugten ihn.
Besonders hervorzuheben ist die Mädchen-GenerationenWerkstatt mit Schülerinnen der Marienschule. Zwar gab es schon vorher eine reine Mädchengruppe, aber nicht im metallverarbeitenden Gewerbe. Das Projekt zeigt, wie erfolgreich und wichtig es ist, gezielt auch Mädchen für handwerkliche Berufe zu begeistern. Vielleicht trägt dies zur aktuellen Diskussion über die Aufnahme von Frauen in traditionelle, männerdominierte Bereiche bei. Im Folgenden stellt die Ursachenstiftung die GenerationenWerkstatt vor.
Wenn drei Generationen zusammenarbeiten
Die GenerationenWerkstatt ist ein Projekt der Ursachenstiftung Osnabrück. Ihren Ursprung hat sie jedoch in Melle, genauer in Gesmold, Am Sauerbach 5. Dort lebt der Ur-Meller, Stiftungsgründer und deren Vorsitzender Johannes Rahe mit seiner Familie. Sein Schülerprojekt hat viel Beachtung bei Unternehmern, Schulen, Politikern und in der Presse gefunden.
Die bisher größte Auszeichnung wurde Rahe im August 2021 überreicht. Für die generationenübergreifende Wissensvermittlung in Mittelstand und Handwerk sowie seine Unterstützung von Schülern in der Berufswahl erhielt er das Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens. Johannes Rahe nahm den Orden als Ehrung für das gesamte Team der Ursachenstiftung an.
Ministerpräsident Stephan Weil wies in seiner Laudatio auf die Bedeutung der Arbeit der Ursachenstiftung hin. Es sei bekannt, dass es aktuell eine große Herausforderung im Handwerk sei, junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen. Dies zeige, dass Johannes Rahe eindeutig vor seiner Zeit mit seinem Team unterwegs war und sich schon zu einer Zeit in dieser Hinsicht engagiert habe, als das Problem so noch nicht erkennbar war. Weil schloss seine Ansprache mit seinem Dank und der Bitte an Johannes Rahe und sein Team: „Herzlichen Dank für Ihre Arbeit. Bleiben Sie bitte dabei.“
Ziele der Generationenwerkstatt
Jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre Fähigkeiten und Neigungen zu entdecken und sie dabei für das Handwerk zu begeistern, das ist die Idee der GenerationenWerkstatt.
Das Team der GenerationenWerkstatt bringt Schulen und Handwerksbetriebe miteinander in Kontakt, plant mit ihnen den Projektablauf und begleitet sie in der Projektphase. Das Ergebnis ist immer greifbar: Die Schüler bauen zum Beispiel eine Holzbank oder eine Metalllaterne. Andere machen einen PKW TÜV-fertig. Dadurch bietet das Projekt Schülern, Unternehmern und den Un-Ruheständlern eine Win-Win-Win-Situation. Die Jungen können das Handwerk als spannende Herausforderung erleben und dadurch eventuell ihren Ausbildungsberuf finden. Unternehmen lernen früh mögliche Auszubildende kennen und können sie für die Arbeit in ihrem Unternehmen begeistern. Die erfahrenen Betreuer haben Spaß daran, ihr Wissen weiterzugeben. Drei Generationen arbeiten zusammen.
2014 startete die erste Generationen Werkstatt. Seither sind über 300 Projekte mit 106 Unternehmen und 52 Schulen durchgeführt worden. Mehr als 1400 Schüler haben daran teilgenommen. Manche haben dadurch ihren Weg in eine handwerkliche Ausbildung gefunden.
Bei Projektabschlüssen haben uns manche Eltern gesagt, dass sie ihre Kinder kaum wieder erkennen. „Er redet. Er kommt nach Hause und redet“, erzählte eine Mutter über ihren Sohn. Lehrer berichten von positiv verändertem Sozialverhalten und mehr Selbstbewusstsein bei den Schülern. Das sind Aussagen, die aufhorchen lassen. Wir wollten weitergehen und wissen, was bringt die GenerationenWerkstatt den Jugendlichen? Prof. Dr. Torben Kuhlenkasper hat für die Ursachenstiftung eine digitale Form der Evaluation entwickelt, mit der wissenschaftlich fundierte Aussagen möglich sind. Kuhlenkasper ist Professor für Mathematik, Statistik und Ökonometrie an der Hochschule Pforzheim. Mit seiner Familie lebt er in Bad Essen. Angesiedelt ist dort auch sein Institut KuCADU-Kuhlenkasper Consult: Analysen, Umfragen.
Die Schüler, die an dieser Untersuchung teilnehmen, führen zwei wissenschaftliche Kurzumfragen online über Handy durch: Die Teilnahme dauert drei Minuten und erfolgt direkt vor Ort. Es ist eine Freude, diese Befragung umzusetzen.
Noch mehr Grund zur Freude gibt die erste Auswertung der Evaluation. Prof. Kuhlenkasper berichtet: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnahme an der GenerationenWerkstatt das Gefühl von eigener Nutzlosigkeit deutlich reduziert und auch deutlich mehr Kinder angeben, dass es etwas gibt, worauf sie stolz sind. Auf einem insgesamt hohen Niveau wird damit auch die allgemeine Zufriedenheit der Kinder mit sich selbst gesteigert. Die Kinder haben durchgehend in der Generationen Werkstatt viel gelernt und empfehlen die GenerationenWerkstatt ihrem besten Freund/ihrer besten Freundin weiter.“
Das Team wird die Evaluation mit Prof. Kuhlenkasper fortsetzen und voraussichtlich im nächsten Jahr weitere positive Ergebnisse zum Schülerprojekt liefern.
In den Monaten nach der Pandemie wurde immer häufiger die Bitte an das Team herangetragen, auch Mädchen verstärkt an den GenerationenWerkstatt-Projekten teilnehmen zu lassen. Unternehmer und Unternehmerinnen sehen die Notwendigkeit der intensiven beruflichen Orientierung auch für Mädchen gegeben. Pädagogen loben das Projekt als Lernfeld außerhalb der Schule. Es gebe zunehmend auch Mädchen, die diesen Kick benötigen, fasst es ein Schulleiter zusammen.
Die GenerationenWerkstatt nun auch für Mädchen
Zusammen mit den Ergebnissen der Evaluation der GenerationenWerkstatt steht für das Team fest: Dieses positive Lernfeld soll auch den Mädchen ermöglicht werden. Auch Mädchen brauchen Orientierung. Die GenerationenWerkstatt wird wertvolle Unterstützung bieten, damit sich mehr Mädchen eine Karriere im Handwerk zutrauen und zudem erleben, wie vielfältig das Handwerk ist.
Vor wenigen Wochen wurde die erste reine Mädchen-GenerationenWerkstatt im Metallbau in einem Unternehmen in Bersenbrück abgeschlossen. Die Mädchen haben einen Tischbillard aus Metall und Kunststoffteilen gebaut.
Hinter all dem steht der Meller Johannes Rahe mit seinem Team. Gemeinsam möchten sie die Bitte und Aufforderung von Ministerpräsident Weil umsetzen und mit dem Schülerprojekt GenerationenWerkstatt noch viele Jungen und Mädchen für das Handwerk begeistern.
Weitere Informationen und News zum Projekt GenerationenWerkstatt:
www.generationenwerkstatt.org
facebook.com/generationenwerkstatt
Instagram generationenwerkstatt