„Nun roll zum Himmel Deine Feuerwellen, Du Bundeslied, Du heil'ger Brudersang!”
Mit Gottes Beistand, Demut, Freude am Kneipischen und entschlossenem Mut, den Herausforderungen im KV, gerade jenen, die sich innerhalb der Studentenvereine uns stellen, entgegenzutreten, nutzen wir diese uns durch die Akademischen Monatsblätter gegebene Möglichkeit, um für das Vertrauen zu danken, mit dem der Aktiventag in Bonn uns, die Askania-Burgundia Berlin und den AV Gothia Hannover, das hohe altehrwürdige Vorortsamt übertragen hat. Wir, das sind Robert Groch (VOP, Ask-Bg), Mark Steffen (VOVP, Gth), Gregor Völsgen (Quästor, Ask-Bg), Marc Hennigs (Scriptor, Gth) und Ole Plasberg (Vorortssprecher, Gth). Mit überwältigender Mehrheit haben die Repräsentanten des KVs uns mandatiert, die Probleme wie die Vorteile und Freuden von KV und KV-Mitgliedschaft zu benennen, erstere aufzulösen und letztere zu mehren, Schaden von der Gemeinschaft abzuwenden und allen Kartellbrüdern „wahre Freunde und Helfer zu sein“. Unserem Selbstverständnis zufolge wird der Vorort nicht gewählt, um Endlosdebatten wie Bandtragen, die „Frauenfrage“, die Funktion des KV-Rates zu entscheiden und die Polarisierung innerhalb unseres Dachverbandes fortzusetzen. Gleichwohl fällt die VV in Dresden und Schmochtitz im Mai 2025 in unsere Legislaturperiode und wir werden uns bemühen, für ein sachliches, konstruktives Klima bei der Tagung zu sorgen und unsere Positionen sachlich mitzuteilen. Im Folgenden nutzen wir zunächst die Gelegenheit, um uns kurz in den AM vorzustellen.
Unser VOP, Robert Groch, ist Mathematiker und wird während seiner Vorortszeit seine Abschlussarbeit vollenden. Er hat über sieben Jahre KV-Erfahrung und gehört damit bei der Askania-Burgundia in Berlin zu den „Alten Hasen” in der Aktivitas. Mark Steffen studiert im zehnten Semester Rechtswissenschaften; beim KV sieht er vor allem das Potential auf ein starkes kartellbrüderliches Gemeinschaftsgefühl und freut sich auf den Diskurs über mögliche Reformen, um den Weg dahin zu ebnen. Der Vorortsquästor Gregor Völsgen studiert Philosophie und Soziologie an der Universität Potsdam und freut sich auf den geisteswissenschaftlichen Austausch mit seinen Kartellbrüdern. Für Marc Hennings, Physikstudent im Master, ist der KV ein sinnvolles überregionales Bindeglied zwischen den Verbindungen und möchte ihm neues Leben einhauchen. Deswegen freut er sich auf seine Aufgabe als Skriptor im Vorort. Das fünfte Mitglied des Vororts, Ole Plasberg, Informatik, sehnt sich ebenfalls nach einer städteübergreifenden KV-Gemeinschaft und einem Austausch aller Generationen und Studiengänge („über den Tellerrand hinausschauen“).
Wie uns bereits in Gesprächen vor unserer Vorortswahl und aus eigenen Erfahrungen bewusst ist, kämpft der KV aktuell mit vielen Herausforderungen, die unserer Ansicht nach nicht oder kaum bei anderen Dachverbänden der Fall sind, und die aufgrund eines, wortwörtlich, erhitzten Klimas oft zu unschönen, unsachlichen und befremdenden Diskussionserlebnissen führen. Es ist schade, dass man sich darüber spaltet, anstatt Bereitschaft zur Perspektivübernahme, sowohl von seiten der „schwächelnden“ wie der „stärkeren“ Vereine, an den Tag zu legen. Wir respektieren jede Position zu diesen Fragen, möchten ins Gespräch gehen, sehen unsere primäre Aufgabe jedoch darin, für die Wahrung der Grundsätze, Religio – Scientia – Amiticia, Sorge zu tragen, welche im KV-Bewusstsein wachzuhalten die Grundlage ist für die wahre Aktualisierung unseres KV-Erbes in unseren Tagen. Außerdem sehen wir uns in einer Stützfunktion und möchten als KV-Organ die verschiedenen Ortsvereine in ihrer Individualität anerkennen und unterstützen, statt zu belehren oder zu nörgeln. Gleichzeitig muss klar sein, dass die eigene Freiheit nur beginnt, indem die Freiheit eines Anderen, eines Gegenübers, sei es die eines anderen Ortsvereines, sei es die des Vorortes oder des KV-Rates, anerkannt wird. Nur so entsteht wahre Intersubjektivität, und, wie Hegel sagen würde, „ein Ich, das Wir und Wir, das Ich ist”. Durchaus sehen wir hier auch uns als Vertreter des Dachverbands in der Verpflichtung zur kritischen Selbsterkenntnis. Viele im KV empfinden den eigenen Dachverband als störend - dies ist auch „oben” im KV angekommen. Nun sind wir, VOP, VOVP, etc., selbst uns dessen bewusst und fungieren vor allem als Brücke zwischen KV-Aktivitas und KV-Sekretariat. Unser designierter VOP Robert Groch hat mittlerweile über sieben Jahre Erfahrung im und mit dem KV und beobachtet, dass viele Kartellbrüder, Jungburschen wie Inaktive, keine wirkliche Vorstellung davon haben, was der KV eigentlich ist und macht. Er schreibt: „Das finde ich schade, weil sich unser innerer Zusammenhalt (Kohäsion) bei weitem stärker anfühlt als beispielsweise beim WSC. Das beobachte ich bei meinen jährlichen Reisen durch die wunderschöne Verbindungslandschaft Deutschlands. Ich möchte im Vorort unsere Kartellbrüder dazu ermutigen, unseren Dachverband mehr zu leben und die Angebote, die er ihnen macht, wahrzunehmen, das geht am besten in ihren Häusern im persönlichen Kontakt, gern auch beim gemeinsamen Glas Bier am Tresen.“
Wir achten die Grundsätze des KV sehr - und sind unbesorgt der Wissenschaft und der Freundschaft die vom „Mitternachtsschrei” her bekannten wehrhaften, wahrhaften Walhallsgenossen, die sich im KV als Kartellbrüder bezeichnen.Die Sittlichkeit, heißt Ethik, des Kartellverbandes ist aber wesentlich eine christliche und historisch gesehen vor allem katholische. Dies schließt Caritas, Gemeindemithilfe, Toleranz, aber auch Prinzipien und gewisse gemeinschaftliche Dogmentreue mit ein. Seit der Gründung des katholischen Lesevereins 1853 in Berlin, der heutigen Askania-Burgundia, hat sich vieles geändert; durch die modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnisinstrumente, das zweite vatikanische Reformkonzil der römisch-katholischen Kirche 1962-65, die veränderte Bedeutung der katholischen Kirche in Deutschland und die Öffnung des KV für nicht-katholische Christen. Dies hat in der Praxis im KV zu einer Paradigmenverschiebung von einem kirchlich-katholischen zu einem ökumenisch-katholischen Selbstverständnis innerhalb des KVs geführt, welches sich in den verschiedenen Kartellvereinen offenkundig sehr unterschiedlich vollzogen hat. Für uns als Aktivitas gehört es zur Normalität, dass Christen aller Konfessionen sich in unserem Dachverband gegenseitig ihr Schmollis reichen. Grundsätzlich ist eine besondere Individualität und Unterschiedlichkeit der einzelnen Ortsvereine charakteristisch für den KV - von Arminia bis Walhalla, von Rheno-Merovingia bis bis zu Eckart und Palatia, von Alania-Breslau bis Askania-Burgundia, besonders im Vergleich mit den sonst recht homogenen Dachverbänden des CV oder der Deutschen Burschenschaft.
Diese interne Pluralität drückt aus, dass der Kartellverband eben nicht nur ein Produkt des katholischen Glaubens, von Moderneskeptizismus und des Kulturkampfes war, sondern ebenso von Republikanismus und der europäisch-christlichen Aufklärung, inklusive ihrer Ideale der subsidiär gegliederten Selbstbestimmtheit, der Menschenwürde und der Solidarität. Die positiven Freiheiten, die sich hieraus ergeben, gilt es zu schätzen. Ein bloßer, einfacher Rückgang zur römisch-katholischen Rationalität, wie es der Berliner CV im „Memorandum Romanum“ advoziert hat, ist keine Option für den KV. Wir wünschen uns, dass ein Funken christlicher Authentizität aus Individuen und den einzelnen Kartellvereinen vor Ort ausgehen könnte, auf dass der Kartellverband wieder „Feuerwellen“ zum Himmel rollen lässt, und dabei nicht in Opposi-tion, sondern in symbiotischer Einheit zum kirchlichen.
Abschließend bedanken wir uns aus ganzem Herzen bei unserem Vorgängervorort 2023/24 unter Leitung von Johannes Pötz (Arm, Agg, Arn).
Mit kartellbrüderlichen Grüßen,
Die Vororte Askania-Burgundia und Gothia




