Geborgen in Gott - egal was passiert
Pfarrer Lic. theol. et phil. Reinhard Röhrner (Ale)
Die Rede von der Sicherheit ist nicht erst seit den jüngsten Anschlägen in allen Medien präsent. Der Krieg in der Ukraine und die Entwicklung im Nahen Osten wecken Ängste. Sicherheit als selbstverständliche Grundbedingung unseres Umfeldes ist in Gefahr. An vielen Orten unserer Welt herrschen Terror und Krieg, der durch die Medien vermittelt, und auch bei uns immer wieder aufflackert. Unbehagen stellt sich ein und je näher uns die Gefahr erscheint, umso mehr ist unser Gefühl von Sicherheit bedroht. Schnell versprechen Politiker, dass sie alles tun wollen, um die Sicherheit zu gewährleisten, aber natürlich weiß jeder, dass es diese absolute Sicherheit nicht geben kann.
Einige versuchen im Privaten wie auch in der Öffentlichkeit, mit Technik und Überwachung aufzurüsten, um Sicherheit zu schaffen. Oft genug erleben wir dann, dass alle Technik die Erfahrung von Sicherheit nicht garantieren kann. Demagogen werden genau das ausnutzen, um auf der emotionalen Ebene die Bedrohung zu beschreiben.
Das Gefühl der Sicherheit ist anders, es mag sich an Äußerlichkeiten orientieren, aber im Kern geht es viel tiefer. Das Wort des Weisheitslehrers aus dem Buch der Sprichwörter setzt an anderer Stelle an. Auf Gott hören, schenkt Sicherheit. Eine Sicherheit, die sich nicht auf Äußerliches stützt, sondern aus dem Herzen des Menschen heraus wirkt. Es überwindet die Unsicherheit, die von außen auf den Menschen eindringt. Hören auf Gott, im Gebet mit ihm im Austausch sein, verändert auf den ersten Blick die Welt nicht, weder die große Welt, noch mein persönliches Umfeld. Und doch verändert diese feste innere Achse auf Gott hin alles in meiner Welt und der Wahrnehmung von ihr.
„Wer aber auf michhört, wohnt in Sicherheit, ihn stört kein böser Schrecken,”
(Sprichwörter 1,33)
Innere Ruhe und Selbstgewissheit hilft dem Menschen, seinen Platz in der Welt zu begreifen. Gebet und Verbundenheit mit Gott stellen ein inneres Koordinatensystem auf, in dem ich mich sicher bewegen kann. Der Weisheitslehrer ermuntert, dass kein böser Schrecken mich erreicht, weil ich aus der Verbundenheit mit Gott weiß, dass ich in ihm einen festen Halt in allen Herausforderungen des Lebens habe.
Je mehr ich mir das bewusst mache, um so klarer wird mir, dass es im Kern nicht nur um Sicherheit geht, es geht um mehr. Es geht um Geborgenheit. Ein Wort, das so viel mit sich trägt, dabei ist die Sicherheit nur ein kleiner Teilaspekt. Es geht um die Grunderfahrung des Menschen, die im Hebräischen mit dem Wort RÄCHÄM in der biblischen Sprache seinen Ausdruck findet. RÄCHÄM meint zuerst den Mutterschoß, dann auch Geborgenheit, Barmherzigkeit und Sicherheit.
So kann der Psalmbeter im 122. Psalm sprechen: „Erbittet für Jerusalem Frieden! Wer dich liebt, sei in dir geborgen.“ (Ps. 122,6) Damit fasst er die Narrative des Glaubenslebens zusammen. Friede für Jerusalem, dem Ort des Tempels, der Gegenwart Gottes, in ihm, letztlich in Gott geborgen sein, um so seinen Frieden, seine Sicherheit zu erfahren.
Als gläubige Menschen sollten wir neben allen öffentlichen Versuchen, Sicherheit zu schaffen, diesen Weg der Innerlichkeit und der Geborgenheit in Gott nicht aus dem Blick verlieren, er kann weit mehr schenken, als es alle Maßnahmen in der Welt vermögen. So kann in uns selbst jener Friede wachsen, der wieder auf unsere Welt ausstrahlt und von der Geborgenheit, in der wir uns betend wissen können, Zeugnis gibt.
Dann kann man auch die verändernde Kraft des Gebetes spüren, an sich selbst und den Menschen im Umfeld, ja dann erscheint die Welt nicht nur anders, sie verändert sich hin zu Gott.
