Kölner KV-Vereine besichtigten die NS-Gedenkstätte in Hadamar
Am 12. Oktober besuchten Mitglieder des K.St.V. Winfridia und des K.St.V. Rheinpfalz im KV zu Köln die NS-Gedenkstätte Hadamar. An der Fahrt nahmen zehn Personen teil, darunter sieben Kartellbrüder und drei Freunde.
Vom Kölner Winfridenhaus aus machte sich die Gruppe in privaten Personenwagen auf den Weg nach Hadamar, eine kleine Stadt im Westerwald. Nach anderthalb Stunden Fahrt erreichten wir die Gedenkstätte, die heute ein Ort des Gedenkens an die Opfer des NS-„Euthanasie“-Programms ist. Im Rahmen einer geführten Besichtigung wurde uns die schreckliche Geschichte der ehemaligen Tötungsanstalt nähergebracht.
Rund fünfzehntausend Menschen wurden in der damaligen Landesheilanstalt Hadamar während der Zeit des Nationalsozialismus systematisch ermordet. Es waren überwiegend Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen aus den verschiedenen Pflegeanstalten. Aus der Sicht des sogenannten „Euthanasie-Programms”, der „Aktion T 4”, galten sie als „lebensunwert”. Die Führung durch die Gedenkstätte brachte uns an die authentischen Tatorte und ermöglichte uns einen erschütternden Einblick in die Grausamkeiten, die dort begangen wurden. Neben der Darstellung der historischen Abläufe stand die Frage im Mittelpunkt, wie wir heute mit dieser Geschichte umgehen und welche Bedeutung das Gedenken für die Gegenwart hat.
Ende 1940 wurde das Gebäude der Landesheilanstalt Hadamar in eine Tötungsanstalt umgebaut. Auftraggeber war die Organisation des zentral gesteuerten „Euthanasie”-Programms, die „Aktion T 4”. Eine Gaskammer wurde eingerichtet, Krematoriumsöfen aufgestellt. Seit Januar 1941 wurden Patienten mit Bussen der T4-eigenen Transportgesellschaft nach Hadamar gebracht. Sie wurden in der hierfür errichteten hölzernen Busgarage ausgeladen, danach in das Gebäude geführt, wo sie sich in einem Saal ausziehen mussten. Verwaltungspersonal prüfte die Personalien, einer der Tötungsärzte legte die Todesursache fest, die nach der Tötung in den gefälschten Unterlagen erscheinen sollte.
In der Gaskammer im Keller wurden die Menschen mit Kohlenmonoxidgas ermordet. Anschließend verbrannte das Anstaltspersonal die Leichen im Krematorium zu Asche. Den Angehörigen der Ermordeten wurden brieflich falsche Angaben über Todesumstände, -zeitpunkt und teilweise auch den Todesort gemacht. Nach Bekanntwerden der Massentötungen wurde die „Aktion T 4“ 1941 gestoppt. Aber das Morden ging verdeckt weiter.
Die NS-Gedenkstätte Hadamar ist ein Mahnmal gegen das Vergessen. Besonders für uns als katholischen Studentenverband stellt die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit eine wichtige moralische Verpflichtung dar. Unser Selbstverständnis als Gemeinschaft, die auf den christlichen Werten Nächstenliebe, Menschenwürde und Toleranz basiert, fordert uns auf, uns aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen, die Mechanismen von Ausgrenzung und Entmenschlichung zu hinterfragen und Verantwortung für eine Gesellschaft zu übernehmen, in der solche Verbrechen nie wieder geschehen dürfen.
Der Besuch der Gedenkstätte hat uns tief bewegt. Es war eine ernüchternde Erinnerung daran, wie schnell eine Gesellschaft in Unmenschlichkeit abgleiten kann, wenn Ideologien, die Menschen in „wertvoll“ und „wertlos“ einteilen, dominieren.
Gedenken ist nicht nur rückwärtsgewandt, sondern dient auch dazu, die Gegenwart zu gestalten. Es ist unsere Auf-gabe, uns für eine Gesellschaft einzusetzen, in der die Würde des Menschen unantastbar ist, wie es auch im Grundgesetz verankert ist.
Im Rahmen unserer Fahrt wurde uns wieder bewusst, dass der Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung im Geiste des christlichen Glaubens eine der wesentlichen Aufgaben unseres Verbandes ist. Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zeigt uns, dass Gleichgültigkeit gegenüber Unrecht und das Schweigen in Zeiten der Bedrohung des menschlichen Lebens fatale Folgen haben können.
Die Erinnerung mahnt
Der Besuch der NS-Gedenkstätte Hadamar hat uns auf eine besondere Weise verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Für uns als katholischen Studentenverband ist es eine moralische Pflicht, diese Erinnerungen zu pflegen und daraus für die Gegenwart zu lernen. Wir danken dem KV-Dachverband für die Unterstützung dieser wichtigen Bildungsfahrt und hoffen, dass auch in Zukunft solche Ausflüge Teil unseres Vereinslebens bleiben.
Aktion T 4
Zwischen 1939 und 1945 wurden insgesamt ca. 200.000 Frauen, Männer und Kinder aus psychiatrischen Einrichtungen des Deutschen Reichs in mehreren verdeckten Aktionen durch Vergasung, Medikamente oder unzureichende Ernährung ermordet. Hinzu kamen fast 100.000 weitere Morde an Psychiatriepatienten in den besetzten oder annektierten Gebieten. Rund ein Drittel der Patientenmorde im Altreich geschahen im Zuge der sogenannten T 4-Aktion in einer ersten, zentral gelenkten Phase. Dazu wurde durch Mitarbeiter der Kanzlei des Führers und des Reichsministeriums des Innern Ende 1939 in Berlin eine geheime Organisation errichtet, die nach ihrer Adresse in der Tiergartenstraße 4 „T 4” genannt wurde.
Nach Einsichtnahme in die nach Berlin übersandten Patientenakten entschieden dort ärztliche Gutachter bis August 1941 über Leben und Tod der kranken oder behinderten Menschen. Etwa siebzigtausend Menschen wurden in sechs zentralen Einrichtungen in Grafeneck, Brandenburg/Havel, Hartheim, Pirna/Sonnenstein, Bernburg und Hadamar bis zum Abschluss dieser ersten Tötungswelle am 24. August 1941 vergast. In den Folgejahren entschieden die Ärzte überwiegend in den einzelnen psychiatrischen Einrichtungen selbst über Leben und Tod. PD