Der Kunstverein Bad Godesberg zeigte Werke von Kb Dr. Rudolf Schloz (Al, Ott)
Ich habe meine Bilder schon fertig im Kopf, bevor ich zu malen beginne. Meine Motive sind Natur und Landschaften, und viele Bilder sind während meiner langjährigen Aufenthalte in mehreren Ländern Lateinamerikas entstanden. Ich male bevorzugt mit Öl, gelegentlich auch mit Acryl.” Mit diesen Sätzen hat sich Kb Dr. Rudolf Schloz (Al, Ott) auf der Internet-Seite des Kunstvereins Bad Godesberg vorgestellt. Vom 16. August bis zum 9. September 2024 präsentierte der Godesberger Kunstverein Werke aus sechs Jahrzehnten, die allesamt aus der Hand unseres Kartellbruders stammen. Mit 94 Jahren ist er mittlerweile das älteste Mitglied des Kunstvereins.
Zu sehen waren unter anderem thematische Reihen – oft entstanden während seiner langjährigen Aufenthalte in mehreren Ländern Lateinamerikas. Eine davon befasste sich mit dem Regenwald, ausgehend von der grünen Pracht, über die Zersiedelung bis zur Zerstörung.
Der Regenwald in bunter Farbenpracht
Andere Bilder thematisierten Vulkanlandschaften, Seen oder auch Häuser – von der Diplomatenvilla bis zur Hütte eines Landarbeiters. Aber auch Motive aus Bad Godesberg gab es zu sehen.
1930 in Stuttgart geboren, lebt Kb Dr. Rudolf Schloz seit vielen Jahren in Bad Godesberg. Bis zu seinem Ruhestand arbeitete er als Ministerialrat im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) mit Abordnungen ins Bundeskanzleramt und ins Auswärtige Amt. Der Dienst für das Bundesministerium führte ihn zu längeren Aufenthalten nach Lateinamerika, vor allem nach Chile, Argentinien und Costa Rica. Während dieser Aufenthalte entdeckte er die Ölmalerei für sich und perfektionierte sie als Autodidakt über die Jahrzehnte.
Aber wie kam er zur Malerei und welche Wege beschritt er dabei? Alles begann 1957 in Madrid, wo Kb Dr. Rudolf Schloz in einer Sprachschule so gut wie möglich spanisch lernte. Für seine Aufgaben in Lateinamerika sollte ihm dies später so wichtig werden wie das tägliche Brot. Bei einem Mittagessen in der Mensa der Universität lernte er einen Kommilitonen kennen, der etwas älter war als er. Dieser stellte sich als Tony Lyons aus England vor: Student an der Kunstakademie in Madrid. Er klagte auch darüber, dass es ihm schwer falle und er nicht richtig vorankomme, doch werde er nicht aufgeben, sondern weiter kämpfen, sei doch sein Ziel, Maler zu werden und nur das. Beide trafen sich immer wieder in der Mensa und freundeten sich miteinander an.
Eines Tages, unvermittelt und plötzlich, begann Tony Lyons über seine Zeit im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Er habe der Besatzung eines U-Boots angehört, das den Befehl gehabt habe, deutsche Schiffe zu torpedieren und zu versenken. Diese Nachricht traf unseren Kartellbruder wie ein Blitz: Er wusste kaum, wie er reagieren solle. Doch sekundenschnell sahen sich beide Freunde nicht als Feinde, sondern als Befehlsempfänger und Ausführende auf den Seiten der Auseinandersetzung zwischen England und Deutschland. Die Freundschaft der beiden litt nicht darunter.
Eines Tages bat Tony seinen deutschen Freund „Rodolfo”, wie er in Spanien hieß, bei ihm Modell zu sitzen für ein erstes großes Gemälde. Rudolf war interessiert und sagte zu. Während der verschiedenen Sitzungen ging Rudolf immer wieder folgenden Fragen nach: Wie sieht ein Maler sein Modell und wie bringt er seine eigene Sichtweise als freie Darstellung auf die Leinwand - aber doch so, dass man den Abgebildeten klar als Rudolf erkennt?
Glücksmomente in der Malerei
Beim Nachdenken und Grübeln reifte der Entschluss, es vielleicht selbst einmal mit dem Malen zu versuchen. Drei Jahre später setzte er diesen Entschluss um - als Autodidakt und als Hobby - neben seiner beruflichen Tätigkeit, die oft arbeitsintensiv und von Stress begleitet war. Doch in der Malerei fand er Ausgleich und Zugang zu neuen Welten, die ihm Glückmomente schenkten.
Gleichgesinnte fand er im Godesberger Kunstverein. Dort wurde er heimisch. Später bat ihn der Verein, über seine sechs Jahrzehnte Malerei zu berichten.
Wichtig war dabei folgendes: Er erkannte früh, dass mit einem einzigen Bild komplexe Wirklichkeiten nicht vollständig wiedergegeben werden können. So entwickelte er Serien von vier bis sieben Bildern, die sich ergänzten, einander bedingten und so den Wirklichkeiten eher gerecht wurden. Es entstanden Bilderserien zum Tropischen Regenwald, zu Vulkanlandschaften, Landschaften im südlichen Chile, Motiven in Costa Rica, aber auch zu seiner Nachbarschaft rund um Godesberg.
Besonders durch diese Bildserien wurde die Retrospektive des Godesberger Kunstvereins zu einem guten Erfolg für Kb Rudolf Schloz.
R.S.