Seine Stimme wird künftig fehlen

* 15. Oktober 1964 in Dortmund - † 13. Oktober 2024 in Flensburg

Kurz vor seinem sechzigsten Geburtstag ist am Sonntag, dem 13. Oktober, Kb Stefan Hans Kläsener (Arm) nach schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie verstorben. Als Chefredakteur in Braunschweig, Hagen und beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag in Flensburg hat unser Kartellbruder journalistische Maßstäbe gesetzt. Mit Kläsener verliere Schleswig-Holstein eine seiner stärksten publizistischen Stimmen, hieß es vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag. Auch nach seinem krankheitsbedingten Ausscheiden im Juli hatte er bis kurz vor seinem Tod für dieses Medium im Norden Glossen verfasst, die so gescheit wie nachdenklich und humorvoll waren.
Und so war Kb Stefan Hans Kläsener auch als Mensch. Was er sagte, war durchdacht und reflektiert - und niemals mischte sich da ein ungeschickter Unterton hinein. Im Gegenteil: Stefan Hans Kläsener war belesen, gewandt und als Journalisten gelang es ihm immer wieder, Gesprächspartnern so manche zusätzliche Information zu entlocken. Solche Mühen schlugen sich dann in informativen Interviews, cleveren Analysen und umfangreichen Hintergrundbeiträgen nieder.
In Dortmund geboren, wuchs Stefan Hans Kläsener zusammen mit fünf Brüdern in Essen auf. Als Messdiener und Pfadfinder fand er früh Zugang zur Kirche und wie seine Brüder ging er am Burggymnasium in der Essener Innenstadt zur Schule, das damals noch von den alten Sprachen Griechisch und Latein geprägt war und bis heute als Schule des Geistes gilt. So war es geradezu folgerichtig, dass er Theologie, Philosophie und Germanistik studierte: in München, Jerusalem und Bonn. Dort wurde er beim K.St.V. Arminia aktiv. Dem Kartellverband blieb er treu und auch die Entwicklung der AM verfolgte er aufmerksam. Kurz nachdem er als Chefredakteur zum Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag gekommen war, nahm Stefan Hans Kläsener als Referent an den KV-Tagen 2015 teil, die sich mit Medienethik und Netzkompetenz befassten. In seinem Vortrag zeigte er so treffend wie anschaulich, dass das Geschäftsmodell der Regionalzeitung - als Druckerzeugnis - in die Krise geraten sei, nicht aber die Regionalzeitung selbst. Die Regionalzeitung sei der „hidden hero” in der deutschen Medienlandschaft.
Denn da kannte sich Stefan Hans Kläsener aus, schließlich hatte er bei einer Regionalzeitung sein Handwerk von der Pike an gelernt. Parallel zum Studium hatte er eine dreijährige Ausbildung am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (IfP) mitgemacht, bei den Lübecker Nachrichten volontierte er. Dann folgten Tätigkeiten als Redakteur in Mecklenburg, Lokalchef bei der „Fuldaer Zeitung“ und Mitglied in der Chefredaktion der „Braunschweiger Zeitung”. In Hessen und Niedersachsen gründete Stefan Hans Kläsener seine Familie. Selbst in einer kinderreichen Familie groß geworden, wurde er nach und nach Vater von sechs Kindern und schließlich Großvater. Doch auch die berufliche Entwicklung ging weiter. Er wechselte in die Chefredaktion der „Westfalenpost”, dann, 2014, zum Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag. Seit Sommer 2016 gehörte er dem Chefredaktionsgremium der Mediengruppe NOZ/mh:n an, zudem war er seit Juli 2023 für die publizistischen Produkte des A. Beig-Verlags in Pinneberg zuständig. Das Etikett Chefredakteur war ihm nie besonders wichtig. Er liebte und lebte, was er tat. 
Und so war es fast selbstverständlich, dass er sich ehrenamtlich in der Gesellschaft katholischer Publizisten, der Journalistenausbildung der Konrad Adenauer-Stiftung und der Jury des Katholischen Medienpreises und in der Hospizbewegung in Flensburg engagierte: Ein fruchtbares, vielfältiges Wirken, aus dem ihn eine tückische Krankheit herausgerissen hat. Frühvollendet, hinterlässt er eine breite Lücke, die schwer zu füllen ist.  R.i.P.

R.N.