Pionier auf dem Gebiet der Augenheilkunde
Kb Prof. Dr. Achim Wessing (Rh-I) feiert im Dezember seinen 91. Geburtstag
Seit fünf Jahren besteht an der Augenklinik des Universitätsklinikums Essen das „Achim-Wessing-Institut für Ophtalmologische Diagnostik”. Es trägt seinen Namen nach einem Kartellbruder, der als Wissenschaftler Maßstäbe gesetzt und mit seinen Forschungen für große Fortschritte in der Diagnostik von Erkrankungen und Funktionsstörungen des Auges gesorgt hat: Es ist Prof. Dr. Achim Wessing (Rh-I), der die Augenklinik am Universitätsklinikum Essen von 1978 bis 1996 leitete. Am 14. Dezember feiert er seinen einundneunzigsten Geburtstag.
„Mein Vater kam 1922 nach Gladbeck als Knappschaftsarzt und verbrachte dort sein ganzes Leben", berichtete er vor einiger Zeit in einem Interview. Einen Schwerpunkt in der Arbeit seines Vaters als Knappschaftsarzt bildete die Versorgung der Patienten, die bei ihrer Arbeit im Bergbau an Steinstaublunge erkrankt waren. Der Zweite Weltkrieg, und dabei besonders die Bombenangriffe auf das Ruhrgebiet überschatteten Achim Wessings Kindheit. 1953 bestand er sein Abitur am Gladbecker Ratsgymnasium. „Eigentlich wollte ich Archäologe werden”, bekannte er in dem Interview, doch sei er dann doch mit den Eltern überein gekommen, Medizin zu studieren.
Das Medizinstudium begann er in Heidelberg, bestand dort das Physikum, und setzte das Studium dann in Innsbruck, Wien, Kiel und Düsseldorf fort. Dort bestand er das Staatsexamen und promovierte Anfang 1959 mit einer Arbeit über eine „Nachuntersuchung zu Fragen der Genese der angeborenen Pylorusstenose und der Heilungsaussichten nach Weber-Ramstedtscher Operation”. In Innsbruck, wo er es auf fünfzehn Scheine brachte, wurde Achim Wissing beim K.St.V. Rhenania-Innsbruck aktiv. So gehört er dem KV wie dem ÖKV an.
Hatte er zunächst beabsichtigt, die väterliche Praxis als Knappschaftsarzt weiterzuführen, entschied er sich nach der Assistenzzeit für das Fach Augenheilkunde. Zu Unrecht galt es damals noch als „Orchideenkunde”. Denn da gab es mit Prof. Dr. Meyer-Schwickerath am späteren Universitätsklinikum Essen eine Kapazität und einen Pionier in der Augenheilkunde - und im Übrigen gleich Kb Prof. Wessing KVer (AH der Tuiskonia-Monasteria). Mit der von ihm entwickelten Lichtkoagulation hatte Kb Prof. Meyer-Schwickerath eine Methode entwickelt, die es ermöglicht, eine sich abzeichnende Ablösung der Netzhaut aufzuhalten und damit Menschen vor der Erblindung zu bewahren. Bei ihm bewarb sich Achim Wessing. Ein paar Tage nach dem Bewerbungsgespräch erhielt er die Zusage: „Sie können am nächsten Montag anfangen!” berichtete er. „Da war ich natürlich unendlich glücklich und bin dann am 15. Juli 1962 in die Augenheilkunde eingestiegen.”
Achim Wessing wurde enger Mitarbeiter Meyer-Schwickeraths und habilitierte sich bei ihm 1968 mit einer Forschungsarbeit über die Fluoreszenzangiographie. Die Ergebnisse dieser Forschungen fasste er in dem Lehrbuch und Atlas „Fluoreszenzangiographie der Retina” zusammen; das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt. 1971 wurde Achim Wessing als außerplanmäßiger Professor an die Ruhr-Universität Bochum berufen, von 1974 bis 1978 leitete er die Abteilung Retinologie der Augenklinik an der Universität Tübingen, von 1978 bis 1996 war er Direktor der Essener Augenklinik, seit 1985 als Nachfolger seines Lehrers Meyer-Schwickerath. Seit 1985 gibt es in Baden-Baden regelmäßig das von Wessing erstmals organisierte Internationale Symposion für Fluoreszenzangiographie. Als 2014 auf dem 27. Kongress der Deutschen Ophtalmochirurgen in Nürnberg eine Hall of Fame, eine virtuelle Ruhmeshalle für Persönlichkeiten errichtet wurde, die sich durch ihr Lebenswerk um die Augenheilkunde verdient gemacht haben, gehörte Kb Achim Wessing als führender Arzt im Bereich der retinologischen Augenheilkunde und Wegbereiter der Fluoreszenz-Angiographie mit zu den Geehrten. Im tätigen Ruhestand lebt er heute in Gladbeck, nicht weit entfernt von seiner früheren wissenschaftlichen Wirkungsstätte in Essen. KV und ÖKV sind stolz darauf, einen so renommierten Wissenschaftler in ihren Reihen zu haben.
R.N.
