Kein bloßes Zuckerschlecken

Tipps und Ratschläge für alle Fragen rund um das Verfassen von Seminar- und Abschlussarbeiten

Wenn auch „Studieren etwas Tolles“ ist, so darf man sich darunter nicht nur „Zuckerschlecken mit Mensaparty“ vorstellen, erfahren wir aus dem Vorwort dieser bestens gelungenen Arbeitshilfe, die jetzt nach neun Jahren in dritter Auflage vorliegt und ihrem flott formulierten Titel „Studi-SOS“ vollauf gerecht wird. Kein Zweifel: Der rot-weiße Rettungsring auf dem Cover wird einen beim Verfassen einer Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeit vor dem Ertrinken in der Flut der Probleme bewahren. Auch im Text begegnet uns dieses Seemannsutensil, um auf besondere Tipps zu verweisen. Der Rettungsring bleibt nicht der einzige „Hingucker“. Ebensolche Wirkung tun die drei Fragezeichen, die jedem der 23 Kapitel vorangestellt sind, sowie einige andere optische Zeichen. Als weitere Hilfsmittel seien 37 Abbildungen, 9 Tabellen, ein Glossar, ein Literatur- und Stichwortverzeichnis sowie eine Auswahl von Schreibberatungsstellen an deutschen Hochschulen erwähnt. Auf eine Fülle von Fragen, die sich beim wissenschaftlichen Arbeiten stellen, werden hinreichende Antworten geboten. 

Greifen wir einige heraus: 
Wie erstelle ich eine zeitlich realistische Planung für die Fertigstellung meiner Arbeit? 
Wie finde ich das für mich richtige Thema? 
Wie betreibe ich eine erfolgreiche Literaturrecherche?
Wie erkenne ich die „richtige Literatur“?
Wie lerne ich zielgerichtet zu lesen?
Wie behalte ich den Überblick über die Literatur?
Wie baue ich meine Arbeit „technisch“ auf und wie gliedere ich sie?
Wie gehe ich mit von mir geführten Interviews um?
Wie schreibe ich wissenschaftlich, und wie zitiere ich richtig?
Außerdem gib es Tipps gegen die „Aufschieberitis“, Hinweise zur Arbeitsbewertung und allgemeine Checklisten. 
Die beiden Verfasser schreiben sehr verständlich, vermeiden sowohl einen abgehobenen wie auch einen anbiedernden Stil.

Sie siezen ihren Leserkreis trotz des sonst um sich greifenden Duzkomments, der erst gar nicht fragt, ob ich damit einverstanden bin. Nicht weiter von Belang erscheint, wenn sie gelegentlich etwas Selbstverständliches sagen. Sie empfehlen zum Beispiel, morgens so lange zu schlafen, dass man nicht „gerädert“ ist (S. 38), oder sie meinen, man solle „im Blick“ behalten, „was (man) nicht unter-suchen“ wolle (S. 52). Hier und da scheint zudem durch, dass Jürgen Detlef Brauner, einer der Verfasser, Wirtschaftswissenschaftler ist. „Wenn es möglich ist,“ heißt es etwa Seite 58, „suchen Sie sich ein Thema, das für Ihren Wunschberuf interessant sein könnte. Vielleicht können Sie Ihre Thesis sogar in einem Unternehmen schreiben.“ 

Das von den Autoren verwendete „gene-rische Femininum“(etwa: AutorIn, GutachterIn, KommilitonIn), ist gewöhnungsbedürftig. Was vom „generischen Mas- kulinum“ gesagt wird, gilt doch umgekehrt auch für sein Pendant: „Verwechslungsgefahr zwischen sprachlichem Geschlecht und tatsächlichem Geschlecht“, ganz einmal davon abgesehen, dass „nichtbinäre Geschlechter“ mit allen vorgeschlagenen „geschlechtersensiblen“ Lösungen nicht erfasst sind (S. 155). Die Bemerkung ist zu unterstreichen, dass genderneutrale Formulierungen „umständlich“ sein können (ebenda). Aber warum benutzen die Verfasser dann etwa das gestelzte Wort „Betreuungsperson“ (S. 56)? 

Das Kapitel über die Literaturrecherche ist recht gut gelungen (S. 63-75), könnte aber noch ein wenig ergänzt werden. Den Hinweis, dass „Wikipedia“ zwar keine „wissenschaftliche Quelle“ ist, aber „Verweise auf seriöse Quellen“ gibt, kann man unterstreichen. Hinzugefügt sei allerdings noch, dass diese Online-Enzyklopädie oft ansprechende Abbildungen enthält und für eine Kurzinformation nicht nur hilfreich, sondern auch zitierfähig ist. Lebensdaten und ein knapper Lebenslauf vieler Personen sind kaum anderswo so schnell und durchaus zuverlässig zu greifen. Gewiss bleibt angesagt zu ermitteln, wie der Dozent, bei dem man eine Arbeit schreibt, über einen Hinweis auf „Wikipedia“ denkt. Zusätzlich hätte man außerdem die „Erweiterte Suche“ von „google books“ nennen sollen, mit der fast immer eine Fülle von Zitaten aus der Literatur zu ermitteln ist und die oft den Zugang zu ganzen Zeitschriftenaufsätzen ermöglicht. Beizufügen wären in diesem Kapitel schließlich einige Zeilen zur „Künstlichen Intelligenz“. Dabei müsste gefragt werden, ob die jeweilige Hochschule dazu etwa Richtlinien erlassen hat, wie es sich mit dem Urheberrecht verhält und anderes mehr.

Damit kein Missverständnis entsteht: Die gemachten Anmerkungen sollen nicht im Geringsten den Wert dieser Publikation schmälern. Sie wird als ständiger Studienbegleiter wärmstens empfohlen. Aus ihr konnte selbst „ein alter Hase“ noch etwas lernen.

Dr. phil. Wolfgang Löhr (Arm, Car-F, Ru-Ke, Un, Gro-Lu, Car, Urb)