Atemberaubendes Zusammenspiel von Wellen, Wind und Wasser

Vier Tage Kitesurfen auf Fehmarn für 350,00 Euro, Verpflegung und Unterkunft inklusive: kein schlechtes Angebot. Kurzentschlossen meldeten wir, Jan-Erik Luttermann und Lasse Hechmann (beide Gth), uns zwei Wochen vor Beginn zum Kurs „Ab aufs Brett” an, der vom 4. bis zum 6. Oktober auf der Ostsee-Insel Fehmarn veranstaltet wurde.

Und dann war es auch schon so weit: Mit Bus und Bahn auf der Insel angekommen, bezogen wir Mittwochabend unser Quartier in der Jugendherberge Fehmarn. Die Unterkunft bot den spröden Jugendherbergscharme, wie ihn mancher noch von Klassenfahrten kennt: Stockbetten, Gemeinschaftsduschen - aber am nächsten Morgen ein reichhaltiges Frühstücksbuffet.

Nach dem Frühstück ging es mit allen Teilnehmern zu den „Windgeistern”, der Kitesurfschule unseres Vertrauens. Unsere beiden Surflehrer hatten das Vergnügen, uns - sieben Anfängern, einen Fortgeschrittenen - das Kitesurfen beizubringen.

Kaum ein Sport wirkt so spektakulär wie das Kitesurfen. Aufregend ist es schon beim Windsurfen, bei dem der Sportler auf dem Surfbrett mithilfe eines Segels auf den Wellen reitet. Noch aufregender ist es beim Kitesurfen: Dort wird der Sportler mit seinem Brett an einem Lenkdrachen, dem „Kite”, über das Wasser gezogen. Der Kite fliegt meterhoch, entfaltet schon bei leichtem Wind seine Kraft, zieht den Sportler rasant über das Wasser und ermöglicht enorme Sprünge, Kurven und Richtungswechsel.  Doch das erfordert viel Geschicklichkeit, Kraft und Ausdauer: „Üben, üben, üben” steht, wie bei vielen Sportarten, auch am Anfang des Kitesurfens.

 „Auf die Bretter, fertig, los!”

Denn Kiten beansprucht den ganzen Körper: Hände und Arme lenken den Kite, Hüften und Beine kontrollieren das Board. Wer kitet, braucht Körperkontrolle und viel Feingefühl: Schon geringe Richtungsänderungen des Boards oder des Kites wirken sich massiv aus. Aber der Lohn für die Mühe ist ein intensives Erleben des eigenen Körpers und der Kraft von Wind, Wasser und Wellen.

„Auf die Bretter, fertig, los!” Gekleidet in Neoprenanzüge und Segelschuhe, ausgestattet mit mehreren Kites und Boards, brachen wir auf in Richtung Ostsee. Dort wurden wir nach einer kleinen Einweisung direkt ins 10 °C kalte Wasser geworfen. Den ersten Tag verbrachten wir hauptsächlich damit, den Drachen, den „Kite”, aus dem Wasser heraus aufsteigen zu lassen. Der Adrenalinschub, den wir spürten, wenn der Kite abhob und den Körper mitriss, ließ uns schlagartig warm werden. 

Einige Stunden lang zogen uns die Kites kreuz und quer durch die Ostsee. Aber allmählich gelang es uns, die Kites zu kontrollieren und sie in die gewünschte Richtung zu lenken. Dieser sogenannte Body-Drag ist nützlich, um beispielsweise abgetriebene Boards zurück zu bekommen. Und tatsächlich gelang es uns, ein verloren geglaubtes Board vor der drohenden Weite der Ostsee zu bewahren.

Nach sechs Stunden Wassersport hatten wir uns eine Dusche und ein zünftiges Abendessen redlich verdient. Das leckere Essen beim Italiener bekam uns wohl und die Getränkerechnung übernahm ein spendabler AH. Gestärkt machte sich der größte Teil der Gruppe auf den Weg in die Dorfdisco. Dort ging es ausgelassen zu: Selbst die örtlichen Hüter des Gesetzes ließen sich die Party nicht entgehen. 
Leider bescherte uns der nächste Tag eine Flaute, an Kitesurfen war am Freitag nicht zu denken. Deshalb suchten wir eine Wakeboard-Anlage auf. Wakeboarden ist mit dem Kiten verwandt und verbindet Elemente des Snowboardens und Wasserskifahrens miteinander. Gezogen von einem Boot oder einem Seilsystem gleitet der Sportler dabei auf dem Board über die Wasseroberfläche. Über einen am Schleppseil befestigten Griff hält der Sportler sein Gleichgewicht. Durch die Geschwindigkeit erlangt das Board Auftrieb, sodass der Sportler dies zu Kurven, Drehungen oder Sprüngen nutzen kann. 

Zur Abwechslung in die Wakeboard-Anlage

Zwei Szenarien konnten wir beobachten: Einige Teilnehmer ließen sich gekonnt von der Leine ins Wasser ziehen, ließen aber das Board an Ort und Stelle zurück. Anderen gelang es am Ende des Tages, mehrere Runden zu drehen. Doch beim Versuch, über eine Rampe zu gleiten, flogen sie durch die Luft: An der Landung muss noch geübt werden. 

Den Freitagabend ließen wir gemütlich beim Grillen ausklingen und hofften auf das Ende der Flaute. Doch auch die angereisten Aktiven aus Köln bescherten uns am nächsten Tag, dem Samstag, keinen frischen Wind. Einige erkundeten daher die Insel, andere vertrieben sich die Zeit mit Fußballgolf. Im Anschluss besuchten wir die Therme und genossen Aufgüsse in der Panorama- oder der 95°-Dachsauna. Als der letzte nach sechs Stunden Aufenthalt die Therme verließ, waren die übrigen bereits auf der anderen Seite der Insel zum Sonnenuntergang eingetroffen. Die Gruppe sammelte sich abends beim Griechen zum Abendessen. Der ein oder andere verbrachte im Anschluss den Großteil der Nacht in der Dorfdisko Nummer Zwei. 

Am Sonntag nutzten einige Teilnehmer die letzte Gelegenheit, um noch einmal aufs Wakeboard zu steigen. Schließlich nahmen wir Abschied und fuhren müde, aber beseelt, in kleinen Gruppen in Richtung Heimat zurück. Dank gilt an dieser Stelle Damian Kaiser und Christian Maspfuhl: 
Sie kümmerten sich vor Ort um die Organisation und verhandelten geschickt, was uns beim Kiten und Wakeboarden stets Freundschaftspreise einbrachte. 
Wir hatten eine tolle Zeit und viel Spaß, und selbst wenn der Wind nicht auf unserer Seite war, konnten wir neue Kontakte knüpfen und viele Erfahrungen und Geschichten austauschen. Alles Gründe, beim nächsten Kitesurfseminar teilzunehmen. Wir sehen uns wieder im März, wenn es erneut heißt: Arme lang! 

Jan-Erik Luttermann (Gth) und Lasse Hechmann (Gth)