„Siehst du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät? - Geh also hin und stelle es mir wieder her”

Marc Lenzke (Nm, AR)

Aufruf zur gemeinsamen Diskussion: Lasst uns zueinanderkommen, miteinander reden und Ideen in die Konvente tragen. Vielleicht finden wir gemeinsame Vorstellungen, aus denen gemeinsame Anträge werden? Zoom-Termin am Samstag, den 8.3.2025, 14.00 Uhr – den Link bekommt ihr über das KV-Sekretariat unter Nennung von Namen und KV-Nummer.

Kartellverband – ein Haus gerät in Verfall. Kann das stimmen? Seit Jahren haben wir nicht nur stabile Aktivenzahlen, sondern gleich eine ganze Reihe erfolgreicher Reaktivierungen. Und das unter den Stressbedingungen einer Pandemie, einer Krise der Kirchen und des Glaubens und kontroversen Diskussionen über Farben und Formen der Kartellvereine. 
Nun ist es aber so, dass jeder Verein und jeder Kartellbruder sein Thema mit dem KV hat: Bänder, Beiträge, Frauen, Protestanten. Fast jeder hat wenigstens einen unumstößlichen Grund, den Verbleib im KV offen infrage zu stellen – als einzelner Aktiver oder Alter Herr, oder gleich als gesamter Verein. Der Verbleib im Verband gerät dabei zum Zugeständnis, für das nicht verhandelbare Bedingungen gestellt werden: 

  • „Wir treten aus, wenn der Beitrag steigt.“ 1
  • „Wir treten aus, wenn der Beitrag nicht stabil bleibt.“ 2
  • „Wir treten aus, wenn der Beitrag nicht sinkt.“
  • „Wir treten aus, wenn Frauen aufgenommen werden dürfen.“
  • „Wir treten aus, wenn Frauen nicht aufgenommen werden dürfen.“
  • „Die Aufnahme von Protestanten ging schon zu weit – unser Verein bleibt katholisch!“

Ich habe mit vielen Kartellbrüdern unterschiedlichster Vereine gesprochen; verstehe die Standpunkte, kann die Sichtweisen nachvollziehen. Aber die Haltung ist: „Mein Haus ist im Verfall und ich stelle es mir wieder her.“ 
Heißt: Der eigene Verein ist niemals das Problem, hier leben wir es doch so gut vor! Der KV muss sich dem Verein anpassen – das ist die Mission. Und wenn die scheitert, dann zieht man sich zurück („wir machen unser eigenes Ding“) oder droht mit Austritt. 
Das ist das Gegenteil von Gemeinschaft – und aus meiner Sicht das Problem: Es fehlt an Gemeinschaft. Denn das ist eigentlich der vielgesuchte Mehrwert, die Antwort auf die Frage „was bringt mir der KV?“. Aber Gemeinschaft muss mühsam geschaffen werden; man muss hingehen, sich kennenlernen, miteinander Erfahrungen machen, nicht übereinander urteilen. Dafür müssen Aktive die Gemeinschaft im KV kennenlernen und brauchen dafür Unterstützung und keine Hürden. 
Es fehlt Kompromissbereitschaft. Was wir aber im Überfluss haben, ist Bereitschaft zu Abkehr und Abriss – vielleicht weil die Zerstörung immer so viel einfacher ist als der Aufbau? Weil wir den Status Quo so gewohnt sind, dass wir die Mühen auf dem Weg dahin nicht mehr kennen? Weil in Krisenzeiten nur das eigene Haus zählt und am Ende sich jeder am nächsten ist? 
Ich kenne den Nährboden für diese Haltung: Seit Jahren drehen wir uns mit großer Motivation im Kreis und haben die Tradition entwickelt, uns gegenseitig und den Verband madig zu machen. Steil sein heißt: dagegen sein, besser sein, niemanden nötig zu haben. Dadurch werden die vielen Beispiele für wunderbare Zusammenarbeit, Freundschaft und Unterstützung so klein und geraten aus dem Fokus. Gemeinsame KV-Erfahrungen auf Versammlungen, Kommersen, Kneipen und Aktivenfahrten bleiben schöne Erinnerungen Einzelner – denn die Stimmung prägen die Skeptiker. 
Es fehlt Kompromissbereitschaft. Aber die ist so wichtig, um gemeinsam weiterzukommen. Und die braucht es bei jedem Einzelnen. Und die kommt auch ganz von allein, wenn es uns das wert ist, weil die Gemeinschaft wertvoll ist. 
Dabei steht die nächste Vertreterversammlung (109. VV) bevor. Schon einmal haben wir 2019 in Freiburg mit dieser Haltung gerungen und doch einen Kompromiss gefunden, Frieden geschlossen und einen Aufbruch erlebt – befreit von jahrelanger Lähmung. Daraus nehme ich ein bisschen Zuversicht. 
Wird das reichen? Ich denke, wir brauchen eine Perspektive jenseits unserer so liebgewonnenen Streit-Themen. Wir brauchen eine Haltung, die Beschlüsse für die Zukunft ermöglicht. Oder wenn die Haltung nicht eintreten mag: Beschlüsse, die eine Haltung für die Zukunft ermöglichen. Und dafür möchte ich werben und mich einbringen: Für Anträge, die unsere Gemeinschaft stärken, die schwachen Vereinen unter die Arme greifen, die motivieren sich einzubringen, Risiken einzugehen und ein bisschen Freundschaft zu wagen!
Lasst uns kreative Anträge stellen! 
Und ich komme nicht mit leeren Händen, sondern habe meine eigenen Ideen mitgebracht – zur Veranschaulichung, damit ihr versteht, was ich meine. Aber mir geht es darum, dass sich jeder von euch seine eigenen Gedanken macht: 

  • Wollen wir den Aktiven Anreise, Übernachtung und Verpflegung zu VVen pauschal bezuschussen oder komplett übernehmen? 
    Das würde finanziell schwachen Vereinen eine enorme Hilfe sein – braucht aber die Solidarität der Starken. 
  • Wollen wir Aktivenvereinen ein Budget geben, Aktiventage selbst und im eigenen Sinne zu planen und zu veranstalten? 
    So können Aktive die Versammlungen so gestalten, wie sie es für richtig halten, können eigene Ideen entwickeln und sich bewerben – birgt aber das Risiko sehr unterschiedlicher Versammlungen. 
  • Wollen wir wieder gemeinsame Fuxentage auf die Beine stellen? 
    So kommen Jung und Alt aus unterschiedlichsten Vereinen zusammen und lernen voneinander – braucht aber Budget und Organisation.

Das sind Ideen, die alle bei der Zukunft des Verbandes ansetzen: bei den Aktiven. Wir haben nur eine Zukunft und darauf müssen wir alles setzen. 
Lasst uns darüber diskutieren, bringt es in die Konvente, oder nach reiflicher und engagierter Diskussion verwerfen und ganz andere Ideen einbringen. Aber lasst uns etwas tun, was Zukunft schafft. 
„Geh also hin und stelle es mir wieder her“
In unserem Haus wird ein generationenübergreifender Lebensbund auf Basis christlicher Werte gelebt. In unserem Haus gibt es Austausch, Zuwendung und gemeinsames Wachstum für selbstbewusste Christen. Jeder ist eingeladen, Teil dieses Hauses zu sein und Verantwortung zu übernehmen – das bedeutet nicht nur Anstrengung und Verzicht, sondern Erfahrungen und Freundschaften für das Leben.
Also Leute! Lasst uns zueinanderkommen, miteinander reden und Ideen in die Konvente tragen. Vielleicht finden wir gemeinsame Vorstellungen, aus denen gemeinsame Anträge werden? Es wäre doch schade, diese Gelegenheit zu verpassen. Vielleicht schaffen wir so schon den ersten Schritt: „Geh also hin!“
Dafür biete ich eine schnelle und unkomplizierte Lösung an: Ein Zoom-Termin am 8.3.2025, 14.00 Uhr – den Link bekommt ihr über das KV-Sekretariat unter Nennung von Namen und KV-Nummer. 
Ich weiß, da ist ein Lebensgefühl in diesem Haus – man muss nur hingehen. Vielleicht machen wir das „Hingehen“ in Zukunft einfacher und schaffen damit einen einfacheren, unkomplizierten Weg für unsere Gemeinschaft.  
 

Anmerkung:

[1] (vgl. Beschluss 108. VV 2022: EUR 85,- für die Jahre 2026-2028, EUR 100,- € für 2029-2032.)
[2] (EUR 75,-)