Heiliges Jahr 2025 im Zeichen der Hoffnung
Thomas Kettel (Nm)
„Peregrinantes in spem” - „Pilger der Hoffnung“ sollen wir sein. So sagt es Papst Franziskus und unter diesem Motto steht das Jubiläum, das Heilige Jahr 2o25, das mit der feierlichen Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom am Heiligen Abend eröffnet wurde. Dieses Motto zeigt die beiden Schwerpunkte, die dieses Jahr haben soll.
Da ist einmal die Hoffnung. „Alle hoffen“ (Spes non confundit, 1); mit dieser einfachen Feststellung macht der Heilige Vater in der Verkündigungsbulle „Spes non confundit“ die Bedeutung dieser Hoffnung klar. Die Hoffnung ist nicht etwas, das nur die Christen betrifft. Es ist kein elitär-esoterisches Konzept, das in theologischen Bibliotheken die Regale füllt, was aber neben einer Hand voll Forschern keinen interessiert. Stattdessen ist die Hoffnung eine menschliche Grunderfahrung. Überall und zu allen Zeiten kann ich Menschen fragen, worauf sie hoffen und selbst, wenn alle Hoffnung verloren wäre, so unterstreicht das doch nur, dass es zumindest etwas gibt, worauf man hoffen könnte.
Unsere Hoffnung als Christen ist Jesus Christus, der Gott, der Mensch geworden ist. Dieser einzigartige Anspruch des christlichen Glaubens steht als Quelle der Hoffnung im Zentrum jeglicher Verkündigung. Somit steht er natürlich auch - mal mehr, mal weniger offen - im Zentrum jeglicher Angriffe auf das Christentum. Der Neu-Arianismus versucht immer wieder durch eine Banalisierung oder Enthumanisierung der Person Jesu diesen Kern des Glaubens - wahrer Gott und wahrer Mensch - auszuhöhlen und damit die Hoffnung zu vernichten. Mit dem biblischen Zeugnis und den bald 2000 Jahren christlicher Glaubenstradition lässt sich das nicht vereinbaren. Denn in Jesus Christus ist Gott aus Liebe zu uns Menschen Mensch geworden. Er bleibt uns nicht fern, sondern tritt ein in unser Leben.
Dabei darf jedoch die Botschaft der Hoffnung keine bloße Durchhalteparole werden. Sie muss sich in unserem Leben konkret erfahrbar machen, indem wir uns erfüllt von der Hoffnung auf den Weg machen zu einem Mehr an Leben.
Dies ist der zweite inhaltliche Schwerpunkt dieses Heiligen Jahres. Pilger sein heißt auch, sich auf den Weg machen. Die Heilige Schrift ist voll von Menschen, die sich auf den Weg machen. Eines der bekanntesten Beispiele dafür sind die Heiligen Drei Könige. Sie machen sich auf den weiten Weg in ein fernes Land, um dort einem unbekannten König zu huldigen.
Dabei leiten sie der Stern und das Wort Gottes. Sie sind getrieben von wissenschaftlicher Redlichkeit und Eifer. Sie erforschen ihrer Aufgabe als Sterndeuter entsprechend dieses ungewöhnliche Phänomen am nächtlichen Himmel und es führt sie schließlich auch zum Jesuskind in der Krippe, doch einmal dort angekommen sehen sie die Worte der Propheten erfüllt.
Sie haben sich auf den Weg gemacht und sind angekommen. Sie, die Pilger, stellen damit auch ein Kontrastbild zu den übrigen Akteuren dieser Erzählung dar: die Schriftgelehrten und Hohenpriester wissen aus den Worten der Heiligen Schrift ganz genau, wo der Messias geboren wird, doch bleibt es für sie ein Objekt reinen intellektuellen Interesses. Sie kennen den Weg, doch schaffen sie es nicht, aufzubrechen und zu ihm zu gehen. Herodes hingegen interessiert sich weder für den Stern, noch für die Verheißung, sondern einzig für seine Macht. Er fühlt sich bedroht von diesem kleinen Kind, denn es stellt seine Macht, die er mit allen Mitteln verteidigt, in Frage. Er sagt zwar, er wolle sich dann, wenn ihm die Sterndeuter sagen, wohin er muss, auch auf den Weg machen zu Jesus, aber dem Leser der Erzählung ist klar, dass es bei dieser leeren Ankündigung bleiben wird. Die Bewohner von Jerusalem schließlich sehen den Stern, sie kennen die Verheißung und erwarten sehnsüchtig den Messias, doch auch sie machen sich nicht auf den Weg.
Zu ihnen aber macht sich Jesus selbst auf den Weg. Er geht selbst nach Jerusalem, um zu sterben und durch seinen Tod und seine Auferstehung den Tod selbst zu vernichten.
Pilger der Hoffnung dürfen wir sein in diesem heiligen Jahr. Wir dürfen uns getragen von der hoffnungsvollen Botschaft des Glaubens auf den Weg machen zu Gott, der Mensch geworden ist. Brechen wir auf mit Gottes Segen!

Thomas Kettel (Nm)
2013 Beginn des Studiums der Politikwissenschaft und Ethnologie in Mainz, seitdem auch Mitglied im K.St.V. Normannia-Greifswald. 2016 Bachelor (B.A. pol) und Eintritt in das Mainzer Priesterseminar. Studium in Mainz und Rom, 2023 zum Diakon geweiht. Derzeit im Pastoralraum Otzberger Land (bei Darmstadt/Dieburg) tätig.