Interview mit dem Geschäftsführer des KV-Sekretariats, Herrn Damian Kaiser
Was bringt mir der KV, Herr Kaiser?
Diese Frage wird mir häufig gestellt: vor einigen Jahren vorwiegend von Aktiven des KV, später zunehmend auch von jungen Alten Herren, und heute sogar von Alten Herren mittleren Alters. Es scheint eine Fragestellung zu sein, die immer mehr Kartellangehörige beschäftigt.
Doch wie können Sie als Nicht-KVer den KV erklären?
Was bedeutet der KV aus Ihrer Sicht für seine Mitglieder und Angehörigen,und wie kann man seinen Wert vermitteln?
Der KV ist keine Ware, kein Produkt und auch keine Finanzanlage, deren Eigenschaften oder Vorzüge man mit Konkurrenzprodukten vergleichen könnte. Seine Vorteile sind nicht in Zahlen messbar und äußern sich nicht in Dividenden oder steigenden Kursen. Vielmehr stellen sich folgende Fragen:
Wie viel sind Freundschaften wert?
Wie viel ist gemeinsam erlebte Zeit wert?
Was bedeutet mir ein Kartellbruder?
Wie wertvoll ist eine Bierfamilie?
Wie bedeutsam sind die Gespräche, die man führt?
Die Bewertung dieser Aspekte wird von jedem Einzelnen unterschiedlich vorgenommen. Doch gerade die Frage „Was bringt mir der KV?“ ist zentral für die individuelle Perspektive auf den Verband und dessen Zukunft.
Als Geschäftsführer des KV-Sekretariats müssten Sie derjenige sein, der die Frage „Was bringt mir der KV?” wohl am besten beantworten kann...
Oft werde ich gebeten, bestimmte Fragen zu kommentieren oder meine Meinung zu äußern. Gleichzeitig wird meine Kompetenz in Zweifel gezogen, da ich kein KVer bin. Dies stellt mich vor die Herausforderung, wie ich solche Fragen beantworten soll. Vielleicht liegt darin aber auch der Grund, warum ich Aspekte wahrnehme, die für viele KVer selbstverständlich erscheinen – gerade diese machen den KV in seiner Vielfalt aus. Nebenbei bemerkt: Sie alle haben über 12.000 Bundes- und Kartellbrüder in den unterschiedlichsten Positionen und mit vielfältigen Fähigkeiten. Diese können Sie unkompliziert um Rat und Hilfe bitten – ein tragfähiges Netzwerk.
Wenn Sie den KV als starkes Netzwerk beschreiben - wo ist der KV mehr wert als Facebook, Xing oder andere Netzwerke und soziale Medien?
Der KV als Netzwerk ist nicht vergleichbar mit Plattformen wie Facebook, die lediglich Ihre Daten sammeln. Der KV ist ein Netzwerk, das Orientierung bietet, eine Quelle des Wissens, lange vor Google oder ChatGPT, und mit Ortszirkeln, die weit vor WhatsApp-Gruppen existierten.
Innerhalb dieses Netzwerks versteht man sich sofort – generationenübergreifend und ohne Berührungsängste. Es ist genau diese Gemeinschaft, die das KV-Haus ausmacht. Sie alle, so unterschiedlich Sie sein mögen, sind durch gemeinsame Werte, moralische Vorstellungen und Ihren Glauben miteinander verbunden. Der KV ist ein generationenübergreifender Lebensbund – geprägt von gegenseitigem Respekt, Erfahrungsaustausch und menschlicher Zuwendung in allen Lebenslagen: Gegenseitiges Vertrauen vermittelt Geborgenheit. Dieser Lebensbund verpflichtet jeden Einzelnen zur Verantwortung in Kirche und Gesellschaft. Der KV ist mehr als eine Interessengemeinschaft: Er ist das verbindende Band zwischen Aktiven, Alten Herren und Ortszirkelmitgliedern. Für die einen sichtbar durch die Akademischen Monatsblätter, für die anderen durch persönliche Begegnungen (korporationsübergreifend) in den Ortszirkeln oder durch den Austausch in Gemeinschaft von Alten Herren und Aktiven.
Aber diese Kultur der gemeinsamen Werte kann doch nur aufblühen, wenn die KVer sie nicht nur für sich, in ihren eigenen Vereinen, leben, sondern auch die anderen KV-Vereine unterstützen, diese Kultur zu leben?
Richtig. Und der KV ist das Band, welches einzelne Aktivitates und Altherrenvereine verbindet. Er bietet ihnen ein Dach, unter dem ein generationenübergreifender Lebensbund auf Basis christlicher Werte gelebt wird. Er ist ein Raum für Austausch, Zuwendung und gemeinsames Wachstum für selbstbewusste Christen. Jeder von Ihnen ist als Kartellbruder eingeladen Teil dieser Gemeinschaft zu sein und Verantwortung zu übernehmen – auch wenn dies persönliche Opfer oder den Verzicht auf andere Aktivitäten bedeuten kann. Gemeinschaft lebt vom Geben und Nehmen. Ohne dieses Gleichgewicht verliert sie ihren Wert und ihre Kraft.
Die Frage ist nicht, was der KV für den Einzelnen tun kann, sondern was jeder Einzelne bereit ist, für den KV zu tun – und damit letztlich für die Gemeinschaft.
In anderen Verbänden gilt Verbandsrecht, im KV Vereinsrecht, das heißt: Vor dem Verband kommt erst einmal der Verein. Und wenn auch sonst der KV als vielfältig und heteronom empfunden wird - woran merken wir eigentlich, dass wir nicht nur beispielweise Alemannen, Arminen, Markomannen oder Normannen sind, sondern eben alle auch KVer?
KVer sein ist ein Lebensgefühl. Diese einfache Aussage ist meine Antwort auf die so oft gestellte Frage nach der Bedeutung dieses Weges. Es ist mehr als eine Zugehörigkeit; es ist ein Ausdruck von Werten, Gemeinschaft und Verantwortung. Wie Sie dieses Lebensgefühl prägen und ausleben, liegt allein in Ihren Händen. Es ist Ihre Entscheidung, Ihre Gestaltung – und das macht es so besonders.
Könnten Sie uns Tipps und Ratschläge für diese Gestaltung geben?
Das Gefühl, KVer zu sein, müssen Sie stärken, erkennbar und erlebbar machen. Hierfür müssen Sie sich öfters treffen, mehr austauschen, mehr gemeinsame Zeit verbringen.
Ihr Aktivenvertreter 2005, Christian J. Papay, setzte im KV-Rat ein inspirierendes Zeichen mit dem Satz: „Der KV muss sich mehr feiern.“ Dieser Gedanke ist heute aktueller denn je! In den letzten Jahren ist leider genau dieser Aspekt zu kurz gekommen, wodurch die Wahrnehmung des KV an Bedeutung verloren hat. Sie sollten gemeinsam daran arbeiten, den KV wieder in den Mittelpunkt zu rücken und die Wertschätzung sowie den Stolz auf Ihre Gemeinschaft neu zu beleben. Es ist an der Zeit, den KV zu feiern und sichtbar zu machen!
Die Fragen stellte das Redaktionsteam der AM

