Zur Erinnerung: Kb Michael Kotulla
*29. August 1941 bis †01. Januar 2025
Ganz still hat er sich davon gemacht - am ersten Tag dieses Jahres. 83 Jahre alt wurde er, doch diese Jahre sah man ihm kaum an. Mit Michael Kotulla ist einer aus der „alten Garde” des KV gegangen, kommt einem unwillkürlich in den Sinn. Garde: das kennzeichnet Michael Kotulla, den alle „Mike” nannten, gar nicht schlecht. Aufrecht und selbstbewusst reihte er sich ganz selbstverständlich in den Verband ein - aber er ging darin nicht unter.
Viel Aufhebens um seine Person machte er nicht, aber wenn Mike das Wort ergriff, hörte jeder zu: Denn was er sagte, hatte Gewicht. Jeder kannte ihn im KV, jeder wusste: Auf Mike können wir uns verlassen. Er stand ein für den KV - ohne wenn und aber und mit viel Geselligkeit und Humor. Für einander einstehen, gerecht und freundlich sein zu jedermann: Sein Wesen und sein Leben stimmten miteinander überein, nichts geringes in Zeiten wie diesen. Auf den folgenden Seiten nehmen Kartellbrüder, die Michael Kotulla besonders nahestanden, in Lebensbildern von ihm Abschied.
Germania trauert um einen besonderen Bundesbruder
Philistersenior a.D., Ehrenfuchs Michael „Mike” Kotulla verstorben
Ein Bundes- und Kartellbruder, der in bester Weise Menschlichkeit ausstrahlte - Germania und der KV in Gänze haben einen herben Verlust erlitten.
Mit Mike Kotulla ist ein ganz besonderer Mensch von uns gegangen. Zu seinen Eigenschaften zählte das schnelle Denken, ebenso wie das schnelle, aber überlegte Sprechen. Ihm war die Fähigkeit zu eigen, zuhören zu können, und gleichzeitig eine intensive menschliche Zugewandtheit zu zeigen. Aber was ihn insbesondere kennzeichnete, war sein unschlagbarer Humor.
Seine menschliche Zugewandtheit hat Mike sowohl als VX des Jubelvorstandes des 100. Stiftungsfestes unserer lieben Germania 1964 eingebracht, als auch als Philistersenior in den Jahren 1976-83. Sein schon fast sprichwörtliches Redetalent stellte Mike nicht nur bei der Damenrede zum 100. Stiftungsfest Germaniae, sondern auch 50 Jahre später beim 150. Stiftungsfest unter Beweis, als er exakt dieselbe Rede noch einmal hielt und nicht nur deutlich machte, dass seine Worte zeitlos sind, sondern auch nach wie vor für Begeisterung sorgen.
Daneben liest sich Mikes Engagement im KV auf ebenso beeindruckende Weise. Pressesprecher, Mitglied des Hauptausschusses, VV-Vertreter seiner Korporation oder seines Ortszirkels, langjähriges Mitglied im Vorstand des Altherrenbundes und dessen Vorsitzender von 2013-16, langjähriges Mitglied des KV-Rats und der KV-Akademie sowie damit einhergehend beliebter Leiter und Organisator von Bildungsreisen von Brandenburg bis Rom.
Unvergessen auch die Stiftungserneuerung von Fenstern für den Kölner Dom durch den Kölner Ortszirkel und die KV-Korporationen im Jahre 2001, die von Mike mit dem damaligen Dompropst
Kb Bernard Henrichs (Flg, Un) maßgeblich organisiert wurde. Folgerichtig erhielt Mike, der bei mehreren Korporationen zum Ehrenphilister ernannt worden war, für sein Engagement im und für den KV, im Rahmen der VV 2017 in Karlsruhe den Ehrenring des KV.
Ein kongeniales Team: Mike und seine Frau Rita
Neben den erfüllenden und ausfüllenden Tätigkeiten für den KV erfüllte Mike auch als Spitzenbeamter verschiedener Kommunen in Nordrhein-Westfalen seine Pflicht. Lange Jahre war er in Bergisch-Gladbach als Kämmerer und stellvertretender Bürgermeister tätig. Zuvor wirkte er in meiner Heimatstadt Telgte, die ohne Mikes Engagement städtebaulich sicher weniger attraktiv wäre. Diese beeindruckenden Leistungen verdanken die Menschen in den genannten Kommunen und wir als KV-Familie auch seiner Frau Rita, mit der Mike ein kongeniales Team bil-dete. Leider verstarb Rita nach kurzer schwerer Krankheit 2012 viel zu früh. Trotz dieses schweren Verlustes hat sich Mike seine oben schon erwähnte herzerwärmende Menschlichkeit bewahrt.
Ich bin mir sicher, dass seine anderen Korporationen genauso viele schöne und begeisternde Momente mit Mike erleben durften wie wir Germanen. Diese alle beschreiben zu wollen, dafür reicht der Platz hier nicht. Stellvertretend dafür möchte ich das Winterfest Germaniae 2023 erwähnen. Auf der Nikolauskneipe steht Mike auf und bedankt sich auf seine unnachahmlich humorvolle Weise bei seinen behandelnden Ärzten, die es ihm noch einmal ermöglichten, auf dem Germanenhaus zu sein. Er schließt seine Rede mit den Worten: „Was soll ich am Ende noch sagen, als ein ganz kurzes Wort: Germanen, ich liebe euch!“ Liebe ist die ultimative Steigerung von Freundschaft, die sich im Wahlspruch der Germania: „Deum cole, litteris stude, amicos fove“ wieder findet.
Lieber Mike, wir werden Dich nicht nur lieben und ehren, sondern auch sehr, sehr vermissen.
Markus Jahn (Gm)
Michael Kotulla: Ein Glücksfall für den KV einem Vorbild und einem der großen Gestalten des Verbands zum Gedächtnis
Dr. phil. Wolfgang Löhr
Meine ersten Erinnerungen an Mike Kotulla liegen ein halbes Jahrhundert zurück. Ich lernte ihn in Würzburg 1973 auf einer der Synodentagungen des Verbandes kennen, aus denen die heutigen KV-Tage hervorgegangen sind. Außerdem sah ich ihn und sprach mit ihm immer wieder während der Vertreterversammlungen und anderer KV-Veranstaltungen. Dabei fiel er mir als ein sensibler Mensch besonders auf, und seine Zuversicht wirkte auf mich geradezu ansteckend. Als ich von ihm erfuhr, dass er sich, obgleich in Westfalen aufgewachsen, als er im Rheinland ansässig geworden war, Jahr für Jahr in den Kölner Karneval stürzte, passte auch dies in das Bild, das ich mir von ihm als fröhlichem Menschen gemacht hatte.
Eine andere Fähigkeit sei noch am Rande erwähnt: Er konnte eine Atmosphäre der Entspannung schaffen. Wenn er sich nach getaner Arbeit der KV-Gremien eine Pfeife stopfte und den Tabak anzündete, wusste jeder: jetzt hat das, was man so schön Feierabend nennt, begonnen, und es galt das vorläufige Ende der Debatte.
Nicht auf liebgewonnenen Ritualen ausruhen
Doch durfte man sich von seiner legeren Art nicht täuschen lassen. Wenn einer fest auf seinen christlichen Grundüberzeugungen stand, dann war er es. Allerdings unterstützte er ähnlich wie ich das seit der Zeiten der Kirchenväter gültige Gebot „ecclesia semper reformanda“ und teilte mit mir die Gewissheit, dass auch der KV auf den universitären Wandel und ganz besonders auf die sich verändernden religiösen und gesellschaftlichen Gegebenheiten ohne längeres Zögern reagieren musste, dass der Verband es nicht bei der Pflege liebgewonnener Rituale belassen durfte und schon gar nicht neue einführen sollte.
Für mich stellte es einen außergewöhnlichen Glücksfall dar, dass er während meiner Zeit als KV-Ratsvorsitzender zunächst als Beisitzer und zuletzt als Vorsitzender des Altherrenbunds dem KV-Rat angehörte. Wir waren in diesem Leitungsorgan gelegentlich nicht einer Meinung, fanden aber stets zu einem gemeinsamen Modus procedendi.
Mit den Aktiven haben wir öfters um eine einvernehmliche Lösung gerungen und uns mit dem Konsens manches Mal schwergetan. Wenn einer die Gemüter beruhigen konnte, dann war es Mike Kotulla. Ich erinnere mich noch gut an Situationen, als ich schon resignieren wollte und Mike quasi zur Hilfe gerufen habe. Er schaffte es auf Grund seiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit politischen Gremien, Missverständnisse zu beseitigen und einen für alle annehmbaren Kompromiss zu finden.
Über seine berufliche Tätigkeit hat er im Übrigen kaum einmal berichtet und schon gar nicht erwähnt, wie erfolgreich er hier war.
Nicht vergessen habe ich ferner, wie stark er als Mitglied des Redaktionsteams der „Akademischen Monatsblätter“ unsere Verbandszeitschrift mitgeprägt, sie durch bemerkenswerte Interviews lebendig gehalten und lesenswert gemacht hat. Von der Notwendigkeit eines regelmäßig erscheinenden Verbandsorgans war er mit mir als damaligem Chefredakteur völlig überzeugt, wusste er doch von dessen Wirkung bei vielen KVern, die fast nur noch über die AM im Kontakt mit dem Kartellverband standen.
Stets über das Geschehen im KV im Bilde
Über die Gespräche in den KV-Zirkeln in Köln und Bergisch Gladbach, die er zeitweise leitete, sowie durch die Teilnahme an den Veranstaltungen der aktiven Vereine – zeitweise war er Philistersenior der Germania in Münster – wusste er nur zu gut Bescheid, wofür sich unsere Mitglieder interessierten und was sie über das Geschehen im KV wissen wollten. Da stellte er im KV-Rat so etwas wie ein Seismografen dar.
Ich schulde Mike Kotulla als ehemaliger KV-Ratsvorsitzender und einstiger Chefredakteur der „Akademischen Monatsblätter“ unendlich vielen Dank. Sein Tod geht mir sehr nah. R.i.p.
Kartellbruder aus Leidenschaft
Ein langer gemeinsamer Weg ist beendet - Nachruf auf Michael („Mike”) Kotulla
Es gilt, Abschied zu nehmen, von einem Bundesbruder, mit dem ich 21 Jahre von 1995 bis 2016 in KV-Gremien zusammenarbeiten durfte. Es war eine Zeit, die eine Freundschaft zwischen Mike und mir hat entstehen lassen, die ich sehr geschätzt habe.
2017 durfte ich dieses Engagement für den KV mit dem KV-Ehrenring bei der VV in Karlsruhe auszeichnen. Der KV-Ehrenring ist die höchste Auszeichnung des KV für ehrenamtliches Engagement. Dass es maximal sieben lebende Träger geben darf, zeigt die Besonderheit dieser Auszeichnung.
Bb Michael Kotulla ist Jahrgang 1941, studierte in Münster und Freiburg Rechtswissenschaft. Beruflich war er zunächst Rechtsanwalt in Münster und Verwaltungsbeamter und später bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2006 Erster Beigeordneter und Kämmerer in Telgte, Ennepetal und Bergisch Gladbach. Er war Landesvorsitzender der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker und stellv. Landesvorsitzender im Kämmererverband NRW. Im Jahre 1962 trat er in die Germania Münster ein und später auch in die Germania-Hohentwiel Freiburg. Er gehörte in den 1970er Jahren als AH dem Vorort an und wurde 1973 Pressesprecher des KV. Lange Jahre war er Philistersenior seiner Germania Münster, die ihn wegen seines guten Verhältnisses zur Aktivitas und seiner intensiven Mühen um die Aktiven zum Ehren-Fuchsen ernannte.
Er war ab 1995 Mitglied und ab 2001 Vorsitzender des Altherrenbundes bis 2005 und in dieser Funktion ebenfalls im KV-Rat. Von 2005 bis 2013 war er vom AH-Tag gewählter AH im KV-Rat. Nach der Reform der KV-Gremien hat er dann noch einmal eine Amtsperiode bis 2016 als Vorsitzender des AHB-Vorstandes angehängt, damit er 2016 sich in den KV-Ruhestand verabschieden konnte. Neben den Führungsgremien unseres Verbandes hat er unermüdlich in der Redaktion der Akademischen Monatsblätter (seit 2003), in der KV-Akademie, im Stiftungsrat der Kultur- und Sozialstiftung (2004-2009) mitgewirkt.
Die Identität mit dem KV zeigen seine Zugehörigkeiten zu den Kölner Korporationen, Borussia-Königsberg-Köln (B-Philister), Unitas-Breslau-Köln (Ehrenphilister), Suevia-Köln (Ehrenphilister) und Nibelung-Köln (Ehrenphilister) sowie die lange Zeit als Vorsitzender der KV-Ortszirkel Bergisch Hüs‘chen und dem Kölner KV-Ortszirkel Häuschen. Als wir 2010 in Rom den K.St.V. Urbano gründeten, war er sofort dabei.
Ihm ging es um den KV als Ganzen
Seine Identifikation mit dem KV und seine Erwartung an den KV geht aus einem Beitrag zu seiner Tätigkeit als KV-Pressesprecher (Zitat AM Nr. 3 1973) hervor: „Die Pluralität unserer Gesellschaft findet sich wieder in dem Meinungsspiegel unseres Verbandes. Die von Achtung und Toleranz bewegte Diskussionsskala muss – will unser Verband praktische Arbeit leisten - letztlich zu einer Meinungsbildung des KV führen. So gesehen, verstehe ich meine Aufgabe als Pressesprecher darin, den KV nach innen wie nach außen als Ganzes zu vertreten und nicht – je nach Standort – der Sprecher bestimmter Gruppierungen zu sein.
In der praktischen Arbeit werde ich mich nach Kräften bemühen, sowohl „interne“ wie „externe Pressearbeit“ zu betreiben. Dabei verstehe ich unter „interner Pressearbeit“ den notwendigen Versuch, unsere AM verstärkt zum Forum innerverbandlicher Information und Argumentation zu entwickeln, um allen Kartellbrüdern den KV als ihren Dachverband erinnerlich zu machen, die Willensbildung des Verbandes von unten nach oben sich entwickeln zu lassen und durch Betonung der personalen Klammer unseres Verbandes zu einer richtig dosierten und verstandenen Entsachlichung beizutragen.
In der „externen Pressearbeit“ wird es darauf ankommen, den KV als einen aufgeschlossenen Studentenverband in der Öffentlichkeit darzustellen, um Vorurteile abzubauen, die in dem KV eine in sich zurückgezogene akademische „Elitetruppe“ vermuten. Dies wird uns gelingen, wenn wir nach außen hin zu erkennen geben, dass wir praktische Arbeit leisten zur Lösung der durch unsere Grundsätze vorgegebenen Probleme unserer Zeit und dass wir bei dieser Arbeit nicht etwa falsch verstandene Anpassung betreiben, sondern uns auf unseren festen Standort fortentwickeln, wo es nötig ist. Bei allen Versuchen, unseren Verband ins Gespräch zu bringen und im Gespräch zu halten, soll jedoch vermieden werden, falsch verstandene Profilneurose zu betreiben und zu sprechen, wenn nichts zu sagen ist. Also Pressearbeit mit Augenmaß.”
Für ihn ist das Verhältnis zu den Aktivitates stets ein sehr wichtiges Anliegen gewesen und daher stehen sie bei allen Überlegungen auch immer im Vordergrund. Ausdruck des Kartellgedankens ist das Germanentreffen, bei dem seine Bundesbrüder der Germania und der Germania-Hohentwiel mit ihm gemeinsam Zeit verbringen durften. Als passioniertem Biertrinker war es oft ein Vergnügen für den Ortszirkel an verschiedenen Orten Deutschlands ein Bierseminar zu organisieren.
In eine lange Zeit des gemeinsamen Weges gehören auch gemeinsame Erlebnisse. Hier fallen mir die Begegnung mit unserem Kb Seine Heiligkeit Papst em. Benedikt XVI, die Wochenenden mit unseren Gremiensitzungen, sei es in Marl, Köln, Hinterzarten, Nürnberg oder Langlau, das Treffen mit unserem Stipendiaten, Bb Josh Alesseril oder die Veranstaltungen und Reisen mit der KV-Akademie ein.
Aber Mike war nicht nur ein sehr aktiver KVer, auch in zahlreichen Ehrenämtern im beruflichen, gesellschaftlichen, sozialen und politischen Umfeld fand sich immer noch Zeit für ein Engagement und er wurde gern als Berater hinzugezogen.
Mike hat sich um den KV hoch verdient gemacht, so ein ehrenamtliches Engagement kann man nicht entlohnen, aber das erwarten wir KVer ja auch nicht. Engagement kann aber anerkannt werden und diese Anerkennung haben wir mit dieser Auszeichnung ausgesprochen.
Karl Kautzsch
(Cher, Bf, AR, NC, Ma, Urb, Bon, Arn), AHx Urb
„KVer sein ist ein Lebensgefühl!”
Diesen Wahlspruch hat Michael Kotulla Jahrzehnte lang aktiv gelebt
Im Alter von 83 Jahren ist unser Kartellbruder Mike Kotulla nach längerer Krankheit, letztlich aber doch unerwartet verstorben. Mike war ein KVer mit Herz und Seele. Sein Wahlspruch war: „KVer sein ist ein Lebensgefühl!” Diesen Wahlspruch hat er über Jahrzehnte aktiv gelebt und sich für seine Korporation, seine Ortszirkel und den Gesamtverband engagiert.
Wer ihn kannte, weiß, dass Mike ein Mann der Tat war, der einmal erkannte und für gut befundene Ziele aktiv und zügig anging und stets rasche, zugleich aber auch nachhaltige Ergebnisse erzielen wollte. Diskussionen ging er nicht aus dem Weg, hatte dafür aber meist gute und stichhaltige Argumente parat, konnte diese gut artikulieren und so andere überzeugen.
Stets präsent und ansprechbar
In seiner Germania in Münster war Mike viele Jahre Philistersenior, aber auch sonst immer präsent und ansprechbar. Die räumliche Entfernung zu seinen Wohnorten wurde angesichts wechselnder beruflicher Tätigkeiten mit der Zeit größer. Dennoch war es bis in die letzten Jahre hinein ein Ritual für ihn, jährlich zur Nikolauskneipe der Germania nach Münster zu fahren, um den Kontakt auch zu den jungen Bundesbrüdern zu halten.
Seine berufliche Laufbahn als Jurist führte ihn über Stationen im Münsterland schließlich nach Bergisch Gladbach, wo er als Kämmerer die Finanzen dieser Großstadt zu verantworten hatte und als Erster Beigeordneter zugleich Stellvertreter des Bürgermeisters als Chef der Verwaltung war.
In Bergisch Gladbach hat er im Januar 1994 den Vorsitz des KV-Ortszirkels „Bergisch Hüs’chen“ übernommen. Fortan waren die monatlichen Stammtische mit Programm ausgestattet, seien es Vor-träge, Besichtigungen oder Ausflüge. Er hat den Zirkel dadurch wieder zu einem lebendigen Mittelpunkt des KV-Lebens gemacht. Im März 1997 ereilte ihn
dann der Ruf des Kölner KV-Ortszirkels „Häus’chen“, den dort vakant gewordenen Vorsitz zu übernehmen. Diesem Ruf folgte er, nachdem er für den Zirkel in Bergisch Gladbach einen geeigneten Nachfolger gefunden hatte.
Dem Kölner „Häus’chen“ drückte Mike Kotulla ebenfalls seinen Stempel auf. Es gelang ihm, die Motivation der Kartellbrüder und ihrer Damen, an Veranstaltungen teilzunehmen, zu fördern. Traditionsveranstaltungen wurden neu verankert und die Kooperation der Kölner KV-Vereine wurde durch regelmäßige Treffen und Absprachen mit den Senioren und den Philistersenioren vertieft und gestärkt.
Mit-Initiator der KV-Fenster im Kölner Dom
Ein besonderes Highlight dieser Zeit war ohne Zweifel die Stiftung von Domfenstern im Jahr 2001 durch den Kölner Ortszirkel und die Kölner KV-Korporationen als Erneuerung einer Stiftung von 1921. Mike Kotulla hat dies mit dem damaligen Kölner Dompropst Kb Henrichs (Flg, Un) ins Werk gesetzt. Die Fenster tragen die Wappen des KV und aller Kölner KV-Vereine sowie das Logo des Kölner Ortszirkels. Sie sind zu finden im Erdgeschoss des Nordturms auf der Westseite, quasi als Fuß der hohen gotischen Fenster.
2005 gab Mike den Staffelstab des „Häus’chen-Vaters“ in jüngere Hände, da er beruflich stärker in die Pflicht genommen wurde. Dennoch blieb er dem Verband erhalten, zunächst als ‚einfaches‘ Mitglied im KV-Rat, dem geschäftsführenden Vorstand des KV, und nach Eintritt in den beruflichen Ruhestand von 2013 bis 2016 sogar erneut als Vorsitzender des Altherrenbund-Vorstands des KV und in dieser Funktion zugleich stellvertretender Vorsitzender des KV-Rats.
Dieses wahrlich außerordentliche Engagement, motiviert durch eine tiefe innere Überzeugung für die Sache des KV, hat der Verband 2017 anlässlich der Vertreterversammlung in Karlsruhe mit der Verleihung des Ehrenrings des KV in ganz besonderer und herausragender Weise gewürdigt. Stehende Ovationen über lange Minuten waren die Ehrbezeugung der Delegierten. Mike, der sich selbst nie in den Mittelpunkt stellen lassen wollte, war sichtlich gerührt und dankbar.
Auch in den folgenden Jahren hat Mike nie in seinem Interesse an der Entwicklung des Verbandes nachgelassen. Er war - nun ohne Ämter - ein aufmerksamer Beobachter und ein gerne gesehener und gehörter Freund. Dieses Interesse hat er sich bis zuletzt erhalten, wie ich noch bei einem Besuch kurz vor Weihnachten 2024 feststellen konnte.
Im Ortszirkel wie auf Bundesebene Vertrauter und Freund
Mike war mir über Jahrzehnte ein sehr lieber und vertrauter Kartellbruder und Freund. Im Bergisch Gladbacher wie im Kölner KV-Zirkel und auch auf Bundesebene im Kartellverband haben wir gerne und stets einvernehmlich zusammengewirkt - er damals als Zirkel-Vorsitzender in Bergisch Gladbach und später in Köln, ich als Philistersenior der Rheinpfalz (1995-2021) und seit 2006 als Zirkel-Vorsitzender in Bergisch Gladbach, er dann weiterhin im KV-Rat und als Vorsitzender des Altherrenbundes, ich parallel dazu als langjähriger Präsident der Vertreterversammlungen und des Hauptausschusses des KV. Mike hat mich immer wieder zusätzlich motiviert und auch gefördert und so manches Mal konnte ich ihm mit meiner Unterstützung dann bei seinen Entscheidungen helfen und seine Initiativen erleichtern.
Zu seinem 80. Geburtstag war ich gebeten worden, für die KV-Verbandszeitschrift „Akademische Monatsblätter“ (AM) eine Laudatio auf ihn zu schreiben. Das habe ich gerne getan; sie ist abgedruckt in den AM von Oktober 2021, Seiten 248-249. Darin enthalten sind Hinweise auf Mikes weiteres Wirken.
So gilt es nun Abschied von einem lieben Freund und einem verdienten Kartellbruder zu nehmen. Die Beschwernisse seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen hat er jetzt hinter sich lassen und sein Leben in die Hände unseres Schöpfers zurücklegen dürfen.
Wir wollen ihn gerne in bester Erinnerung behalten und sein Andenken in Ehren halten. Darin beziehen wir gerne auch seine 2012 verstorbene Frau Rita ein, der wir alle ebenfalls viel zu verdanken haben. Unser Mitgefühl gilt seinen Töchtern und der ganzen Familie.
Reinhard Elzer
(Rhein), Vorsitzender KV-Zirkel „Bergisch Hüs’chen“ Bergisch Gladbach
Wir haben einen Freund verloren
Erinnerungen an Michael Kotulla und seinen Einsatz für den KV
Mich erfüllt große Dankbarkeit, Mike Kotulla so lange – fast 50 Jahre – erlebt zu haben.
Meine erste Erinnerung: Festball im Schwetzinger Schloss anlässlich der Vertreterversammlung 1975 in Heidelberg: Mike hielt die Damenrede. Mich beeindruckte damals wie heute das atemberaubende Vortragstempo und die humorvoll-hintergründige Rhetorik.
In dieser Zeit war Mike Pressesprecher unseres Kartellverbandes. Auch hier erinnere ich mich an manches Interview, das er geführt hat oder an einige engagierte und offensive Leserbriefe in Zeitungen bzw. Zeitschriften, die nicht sehr positiv über unseren KV berichtet hatten.
Viele Jahre später – Mike engagierte sich in der Zwischenzeit in verschiedenen anderen Bereichen des KV – in Münster während der VV 1995: Mike sagte spontan „Ja“, als ich ihn für die Mitarbeit im Vorstand des Altherrenbundes gewinnen wollte.
Es entwickelte sich eine sehr vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit in den Gremien unseres Verbandes. Sein Gespür für das Machbare, seine Loyalität, sein rhetorisches Geschick und sein manchmal recht hintergründiger Humor haben mir die Arbeit als Vorsitzender des Altherrenbundes sehr erleichtert. Dass er schließlich zu meinem Nachfolger gewählt wurde, hat mich besonders gefreut.
Mikes leidenschaftlicher Einsatz für den KV endete nie mit der Abgabe eines Amtes. Auch in den folgenden Jahren begegneten wir uns nicht nur KV-dienstlich, sondern auch z.B. im Altmühltal bei der Vorbereitung einer Fahrrad-Tour, die Mike für Kartell- und Bundesbrüder aus seinem Ortszirkel plante.
Mikes vielfältiges Engagement wurde und wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt. Hervorzuheben ist hier sicherlich die Verleihung des KV-Ehrenringes 2017 in Karlsruhe.
Die gemeinsame KV-Zeit mit Mike führte zu einer gegenseitigen Freundschaft, die weit über die kartellbrüderliche Verbundenheit hinausging und auch unsere Ehepartnerinnen einschloss. Wir haben einen wahren Freund verloren – wir werden ihn sehr vermissen.
Klaus Gierse (Rh-E, Nm-W, Urb)