Am 6. November 1863 wurde die Bonner Arminia in einem Weinlokal in Königswinter gegründet. Wie bei anderen Verbindungen ist dieser Gründungstag immer wieder auf unterschiedliche Weise gefeiert worden. Diese Feier unterschied sich vom Stiftungsfest im Sommersemester, was die Festfolge und auch die Dauer betraf. 
Es war immer schön, jährlich zwei größere Veranstaltungen bei Arminia zu haben, die eine im Sommer mit Ball oder Gesellschaftsabend, mit einer Schiffstour auf dem Rhein, mit einem Kommers und mit der Stiftungsfestmesse, die andere im Wintersemester. 

Da der Zuspruch im November schwankend war und der Vorstand befürchten musste, dass die Akzeptanz bei den Bundesbrüdern weiter nachließ, hatte man sich für dieses Mal entschieden, zuvor ein Meinungsbild über die Gestaltung des Gründungstags im November 2024 zu erstellen und startete eine Umfrage. Ich weiß den Fachausdruck für solche internetgestützten Initiativen nicht, aber manchmal ist so etwas eine ganz nette Hilfe über weite Distanzen hinweg.         
Bundesbrüder aus nah und fern beteiligten sich an dieser Umfrage und wurden durch sie einmal mehr darauf hingewiesen, dass sich da etwas ereignet, an dessen Gestaltung man sogar eingeladen wurde mitzuwirken. Kurz und gut, das Ergebnis konnte sich sehen lassen. 

Als passender Veranstaltungstag kam Samstag, der 16. November 2024, in Frage. Um 10.00 Uhr waren wir zu einem Vortrag in unseren schönen großen Kneipsaal geladen, den man „Akademischer Empfang“ tituliert hatte. Der Referent Prof. Dr. med. Hendrik Streeck konnte zu Fuß aufs Haus kommen, so nah wohnt er. Im lockeren Anzug mit offenem Hemd, sann er mit der Corona über das aktuelle Thema: „Zwei Jahre nach der Pandemie – was haben wir gelernt?“ nach.

Lehrreich und unterhaltend zugleich

Rückfragen und Austausch waren ausdrücklich erwünscht, und so gestaltete sich der Vormittag kurzweilig. Jeder hatte über das Thema bestimmt schon einmal nachgedacht, und die Atmosphäre war unterhaltsam und lehrreich zugleich. Der Referent sprach frei und zeigte uns einige Schaubilder zur Verdeutlichung der Situation. Prof. Streeck, mittlerweile CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, versteht sein Handwerk der freien Rede, bei der auch der Humor nicht zu kurz kam. (Auf meinen Einwurf, ich hätte deswegen wahrscheinlich so wenig Corona gehabt, weil ich mich höchst selten zu einem Test hätte bewegen lassen, schwieg er schmunzelnd.)
Behalten habe ich zu dem Thema, dass die Gesellschaft und vor allem die Kirche zukünftig nicht so aufgeregt und wirr auf Meldungen reagieren sollte, wie dies bei Corona in der Vergangenheit noch geschehen war. Prof. Streeck mahnte eine effizientere Verknüpfung von Informations- und Entscheidungsträgern in solchen Fällen an. Da habe man aus der Corona-Pandemie hoffentlich gelernt. Im Bundestag hat er wohl jetzt schon ein wichtiges Thema, bei dem er sich kompetent einbringen kann.
Nach so einem gelungenen Vormittag ging es in kleineren Gruppen zum Mittagessen. Der Vorstand hatte in einer Lokalität einen Tisch reserviert, aber das verpflichtete niemanden.

So trafen sich die Bundesbrüder um 15 Uhr wieder auf dem Arminenhaus für den Cumulativconvent sowie die Mitgliederversammlung des Vereins Arminenhaus e. V. Das ging erstaunlich unkompliziert über die Bühne, was ich aus meiner Aktivenzeit bei Arminia durchaus anders gewohnt war. Etwas überrascht war die Corona angesichts der Mitteilung des Philisterseniors Bb Fabian Apel, dass er ja nicht mehr zur Wahl stehe; „bekanntlich“ zumindest war es den meisten nicht. Aber er hatte seine Sache in seinen sieben Amtsjahren gut gemacht, und vor allem hatte er auch einen Kandidaten für die Nachfolge im Zylinder. So löste nach reibungsloser Wahl Bb Martin Wan, der viel Erfahrung als Philisterconsenior gesammelt hatte, Bb Fabian Apel ab. Die letzten Jahre waren für Arminia angesichts der Renovierungen, die eng mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden mussten, herausfordernd und natürlich für die Verantwortlichen belastend. Heikle Vorhaben im Bauwesen brauchen zuverlässige Handwerker. Die zu suchen und zu motivieren war bei Arminia eine der wichtigsten Aufgaben und wird es weiter bleiben. Die denkmalgeschützte Eingangstür – man darf sie ruhig „Portal“ nennen – war gerade fertig geworden und schon wieder von randalierenden Corpsstudenten beschädigt worden. Die Isolierung der Kneipsaalverglasung steht noch aus… Dank also den scheidenden und ermutigende Worte für die neuverantwortlichen Vorstandsmitglieder!!!

Nun zum Auslöser dieser an den Gründungstag der Arminia erinnernden Zeilen. Das war der Kommers. Wer denkt bei Kommers nicht an manche bedauernswerte Veranstaltung im KV und darüber hinaus? Herumgebrülle, leere Bierkrüge, die auf die Schläger gesteckt, rappelnd und klirrend, Biernachschub verlangten, Gesänge, die nicht mehr dem gemeinsamen Frohsinn entsprangen und dienten, stattdessen endlose Eigenstrophen und nach Stil und Inhalt fragwürdige Anhänge, Gequatsche und Gemurmel auch gegen die eindeutigen Anweisungen des Präsiden (Anmerkung: der darf Kommandos geben, dafür ist er da, und damit die akademische Feier eine klare Form behält). Ehrlich gesagt, waren wohl nicht nur meine Erfahrungen in den letzten Jahren erschreckend, und ich war bereits soweit, dass diese „Form“ des studentischen Feierns mir keinen Spaß mehr bereitete. Auch wenn ich zugebe, als Aktiver selbst nicht der bravste gewesen zu sein, Erlebnisse in den vergangenen Jahren übertrafen meine krassesten Befürchtungen. Da hatte ich zu viele Kneipen und Kommerse erleben müssen, die keine Feste mehr waren und damit auch nicht mehr für Verbindungen warben. Nichts gegen feuchtfröhlich, aber mit Form, Anstand oder Niveau hatte das oft nichts mehr zu tun.         
Im erfrischenden Gegensatz dazu war nun der Festkommers bei Arminia zum Gründungstag ein wirklich ermutigendes Erlebnis. Der vom Kerzenschein erleuchtete Saal, der fähige Biermusikus (den frischgebackenen Philistersenior hätten wir sogar noch auf der Reservebank gehabt), die Wiedersehensfreude Alter Herren, gepflegte Gäste, Chargenabordnungen befreundeter Verbindungen: all das machte es dem Aktivensenior Fabian Bartel auch leichter, einen wirklich feierlich-schönen, eindrucksvollen Kommers zu schlagen, der mir wieder richtig Freude an dieser Form des Feierns schenkte.

Endlich wieder ein gelungener Kommers!

Die Rede beim Kommers hatte Bb Markus Bangen übernommen. Als CEO (Gott sei’s geklagt – ein überflüssiger Anglizismus mehr! –, aber die Berufsbezeichnung „Vorstandsvorsitzender“ oder „Geschäftsführender Vorstand“ klingen heute wohl nicht interessant genug) des Duisburger Hafens gewährte er uns tiefe Einblicke in das Wirtschaftsgeschehen am größten Binnenhafen Europas. Da geht es um weit mehr als um die Anzahl der Schiffe, die kommen und fahren. Prickelnd auch die Einschätzungen des Festredners zum bisherigen Wirtschaftsminister Habeck, zu dessen Managertross Bb Bangen gelegentlich gehört hatte. Die dort erlebte Inkompetenz und Blau- (oder besser: Grün-)Äugigkeit erkläre vieles zum Abwärtstrend der deutschen Wirtschaft. Was Bb Bangen da im Plauderton zum Besten gab, war hochbrisant und keinesfalls für Pressekonferenzen geeignet. Die Festrede war ein echtes Zuckerl, würde ein Österreicher kommentieren.

Von der Totenehrung bis zum Salamander, von der Rezeption, die in korrektem Latein zelebriert wurde, bis zur Nationalhymne: Es stimmte alles. Danke den Aktiven und allen, die so stimmig mitgefeiert haben! Diese Feier bleibt im positiven Sinne unvergesslich.

Am nächsten Morgen nahmen die Arminen mit ihren Damen am Festhochamt in der Bonner Münsterbasilika St. Martin teil. Der kommissarische Stadtdechant Bernd Kemmerling zelebrierte und predigte. Wir hatten uns dereinst in Euskirchen kennengelernt; er war damals Kaplan und ich Guardian des Franziskanerklosters St. Matthias. Also ein frohes Wiedersehen nach Jahren. Arminia war vor allem mit einer rechtzeitig eingetroffenen (leider andernorts nicht selbstverständlich!) Chargenabordnung beim Hochamt vertreten und wurde von Pfarrer Kemmerling begrüßt und vorgestellt. Wo heutzutage eigene Festmessen nicht mehr möglich sind, ist die Beteiligung an Pfarrmessen eine gute Gelegenheit, den Kontakt zur zuständigen Pfarrkirche zu pflegen und sich in der Gemeindeöffentlichkeit zu zeigen. Eine echte Chance!

Der Gründungstag der Bonner Arminia am 16. November 2024 war somit ein rundherum gelungenes Fest. Mich hat es ermutigt, wieder einmal auf meine Verbindung und den Kartellverband ausgesprochen stolz zu sein. Anfragen an und Umwege um unser Katholizitätsprinzip und Diskussionen über die Aufnahme von Frauen in unsere Verbindungen trüben meine Freude an Verbindung und Verband seit einiger Zeit. Aber ich werde mich vor niemandem verstecken und mich gar dafür entschuldigen, dass ich gerne einem katholischen Studentenverein als Männerbund angehöre. Seit dem Gründungstag der Arminia klebt auch ein frischer Verbindungsaufkleber auf der Heckscheibe des Autos, das mir mein Orden zu fahren ermöglicht.
(Weitere Informationen: www.kstv-arminia.de)    

P. Robert Jauch OFM, Arminia-Bonn u. a.