Eine neue Debatte: Historische Fakten werden verdreht
In einem Live-Gespräch mit dem Milliardär Elon Musk auf dessen Plattform X äußerte sich die Vorsitzende der AfD, Alice Weidel, im Januar 2025 zum Nationalsozialismus und zu Adolf Hitler. Unter anderem behauptete sie: „Der größte Erfolg nach dieser schrecklichen Ära unserer Geschichte war es, Adolf Hitler als rechts und konservativ zu bezeichnen. Er war das genaue Gegenteil. Er war nicht konservativ. Er war dieser sozialistisch-kommunistische Typ.”
Hitler als linken Sozialisten oder Kommunisten einzuordnen, muss aus Historikersicht widersprochen werden. Denn die Nationalsozialisten haben immer klar gemacht, dass sie keinen marxistisch-internationalen, sondern einen „deutschen”, bzw. „nationalen Sozialismus” meinten und dass sie Todfeinde der Kommunisten seien, wie diese in Bezug auf die Nationalsozialisten.
Auch war der Milliardär Elon Musk im Irrtum, wenn er behauptete, Hitler hätte die deutsche Wirtschaft „verstaatlicht”. Hitler hat sie allerdings einer Planwirtschaft für seine Aufrüstung unterworfen (Vierjahresplan 1935: Deutschland muss in vier Jahren kriegsbereit sein).
Hitler hat hingegen die Strasser-Brüder in der NSDAP, die den Sozialismus ernst nahmen, entmachtet und entfernt.
Auch die Entmachtung der SA nach dem sogenannten Röhm-Putsch 1934, der Hitler veranlasste, Ernst Röhm und Gregor Strasser ermorden zu lassen, geht in diese Richtung.
Alice Weidel argumentiert wie rechtsliberale und antidemokratisch-konservative Weimarer Kritiker der Nationalsozialisten, die den Nationalsozialismus fälschlicherweise auf die Ideen von 1789, auf Sozialismus und die liberale Demokratie, den
Liberalismus zurückführten, also auf politische Strömungen, die von der NSDAP ja selber entschieden bekämpft wurden. Ein Beispiel für diese Argumentation: Friedrich August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft” (Erlenbach - Zürich, 1945): „Der Nationalsozialismus ist die extremste rechtsrevolutionäre Erscheinung der Geschichte, die auch linke Elemente in sich barg”.
P.S. Näheres dazu in meiner Freiburger Dissertation „Konservative und rechtsliberale Deuter des Nationalsozialismus 1930 -1945. Eine historisch-politische Kritik.” (Prof. G. Schramm, Prof. H. A. Winkler; Verlag Peter Lang), in der ich wichtige
Autoren wie Hermann Rauschning, (1933/34 Senatspräsident von Danzig, „Die Geschichte des Nihilismus” 1938, „Gespräche mit Hitler” 1939), Eric Voegeling, Ludwig Freund, Helmuth Plessner, Hans-Joachim Schoeps, Ludwig Mises, F. A. von Hayek, Alexander Rüstow, Wilhelm Röpke, Peter F. Drucker analysiere.
Dr. Wolfram Ender (Bsg)