Kartellbrüder chargieren beim Trauergottesdienst für Pafpt Franziskus - ein Erlebnisbericht
Am frühen Morgen des 21. April 2025, noch verschlafen am Küchentisch, erreichte mich die Nachricht des Tages: Papst Franziskus ist tot.
Ein dringender Ruf des AHV der Urbano ließ Lorenz (Ur-Rheno-Franke), Luca (Ur-Mainfranke) und mich (Ur-Moenane) den Urbanowichs in den Chargenkoffer packen, den Kartellgedanken fest spüren und, was mich betrifft, im Geist Moenania-Starkenburgs Fahne hissen.
Auf dem Weg nach Roma aeterna
Als Urbanen vereint, saßen wir alsbald zu dritt im Mietwagen, um dem verstorbenen Papst in Rom die letzte Ehre zu erweisen. Dabei mischte sich in Ehrfurcht und Respekt auch die Erwartung auf das, was wir auf unserer Reise erleben würden.
Bisher waren Lorenz, Luca und ich uns nur als Bundesbrüder der Urbano bekannt gewesen. Doch schon auf den ersten Autobahnkilometern zeigte sich: Trotz verschiedener Ur-Korporationen verband uns mehr als uns trennte. Kilometer flogen vorbei, der Wagen schnurrte, nur unterbrochen von „Abenteuern” auf holprigen italienischen Landstraßen: hupende Fiat 500, enge Kurven, plötzliches Quietschen der Bremsen und unser kollektives Kichern im Rückspiegel. Wir jagten durch die Nacht, schluckten Espresso-Shots, um munter zu bleiben und erreichten Rom in den frühen Morgenstunden: müde, ehrfürchtig und gespannt auf die Ewige Stadt.
Zwischen Kolosseum und Petersdom
Schon beim ersten Blick auf Kolosseum und Petersdom war zu spüren, in welchem Ausnahmezustand sich die Stadt befand: Gläubige aus allen Kontinenten waren gekommen, wir sahen Staatsgäste, ernst und gefasst: Eine ungewöhnliche, fast greifbare Atmosphäre jenseits unseres Alltags. Die Erschütterung über den plötzlichen Tod des Papstes, vielleicht sogar der Heilige Geist schien die Menschen zusammenzuführen und schenkte zugleich ein Gefühl von Hoffnung und Glaube. Und gestärkt mit einer ehrlichen Portion „Amatriciana & Co.“ übernahm Vorortspräsident Robert Groch e.s.v. KStV Askania-Burgundia zu Berlin die Einsatzplanung fürs morgige Chargieren, dann trennten uns nur noch ein Cappuccino und kurze Nachruhe von der Weckerklingel um vier Uhr morgens.
Frühes Antreten vor dem Petersplatz
Um 5.30 Uhr warteten wir – Lorenz, Luca und ich in Urbanowichs – vor den Mauern des Vatikans. Wie Pilger auf einer Mission fühlten wir uns, ganz ohne Sonderregelung von Markus Söder oder Dominikus. Denn sie hatten wir versucht zu erreichen, um der Urbano zu einem offiziellen Auftritt zu verhelfen. Überraschenderweise erhielten wir als einzige katholische Verbindung, neben unserem Vorort, einen der vordersten Plätze (leer ging der Vorort des CV aus, auch entdeckten wir keine Vertreter von Bünden des CV oder UV). Bereits gegen 6.00 Uhr war der Petersplatz unser, die Menschenmengen wuchsen um uns herum und dabei wurden wir selbst, als Chargierte, zur kleinen Sensation: Pilger baten um Fotos, wir lächelten andächtig und plötzlich wirkte das wartende Schweigen weniger feierlich, mehr erwartungsfroh.
Trauerfeierlichkeiten im Vatikan
Die Liturgie wirkte so bewegend, dass sie uns fast den Boden unter den Füßen nahm: ehrfürchtige Stille, ergreifende Chöre, jedes Halleluja ließ das Herz höher schlagen. Die Predigt von Kardinal Giovanni Battista Re gab Mut und hatte eine klare Intention: Der 91 Jahre alte Kardinal hob den Einsatz von Papst Franziskus für Arme und Schwache hervor, seine Engagement für Frieden, gegen Ungerechtigkeit und Krieg und erinnerte dabei an Franziskus' Aufforderung, „Brücken zu bauen und keine Mauern“. Dies ließ sich als subtiler Aufruf an die Mächtigen der Welt verstehen, von denen viele anwesend waren, etwa US-Präsident Trump oder Italiens Ministerpräsidentin Meloni. Man spürte: Zwischen Weltpolitik und Gottesdienst klafft eine Lücke, die nur Demut und Nächstenliebe schließen können. Die fehlende Trauerprozession – zu riskant angesichts der Fülle prominenter Persönlichkeiten – bewirkte, dass der abschließende Choral im Petersdom bei uns umso inniger nachklang.
Heimkehr und Nachklang
Nach einem letzten Mahl in Rom und einigen Spontan-Interviews mit italienischen und französischen Fernsehsendern (wohlgemerkt, immer noch in Urbanowichs) traten wir die Rückfahrt an, als stumme Pilger, die die Schwere des Erlebten teilten. Am Sonntagmorgen erreichten wir, müde aber selig, das Mainfranken-Haus in Bamberg. Wir hielten inne, blickten auf unsere Reise und dachten: So sehr der Tod des Papstes berührt hat, so sehr hat er uns Lebenskraft geschenkt. Möge Franziskus’ Vermächtnis uns auch in dunklen Augenblicken den Weg weisen.
Nikita Desch (Moe-Stg, Arn, Urb)

