Mitteilungen Von Aktivitas und Altherrenschaft des K.St.V. Germania im KV zu Münster.
171. Ausgabe. Februar 2025
Stolze 321 Seiten weist dieser „Brief“ der Germanen aus Münster auf. Das scheint für ein „normales“ Vereinsorgan im KV und darüber hinaus sicher rekordverdächtig zu sein. Das 160. Stiftungsfest im Sommersemester 2024 wird den Anlass geboten haben, den „Brief“ nach fast dreijähriger Pause wiederzubeleben. Kein Wunder, dass daraus so etwas wie eine veritable Festschriftgeworden ist.
Ein herzlicher Dank für die geleistete Mammutarbeit vor allem seitens eines Bundesbruders, der es in dieser langen Zeit selbst leider nicht nach Münster und auf das Germanenhaus zu kommen geschafft hat; denn hier ist alles mit Semesterberichten, Konventsprotokollen und entsprechenden Fotodokumentationen nachzulesen, was sich seit dem Sommersemester 2022 in und um das Germanenhaus und unter Beteiligung von Germanen rund um die Welt (bis nach Ghana immerhin) ereignet hat. Große Kommerse haben die Germanen in Heidelberg oder auf der Rudelsburg besucht und mitgestaltet. Mehrfach enden die Sitzungen und sonstigen Veranstaltungen im „Schubu“, dem anheimelnden Keller der Gertrudenstraße 45 in Münster.
Einträchtig beisammen im "Schubu"
Hier wird Freundschaft gepflegt, werden Sitzungen nachbesprochen, Abstimmungsergebnisse gefeiert, sich über Persönliches ausgetauscht usw. Wissenschaft leuchtet auf in den abgedruckten Festreden der Festkommerse oder in Berichten von entsprechenden Veranstaltungen. Unser erstes Prinzip, Religion, findet Niederschlag in den erwähnten und fotodokumentierten Heiligen Messen zu den Stiftungsfesten und bei einer Hochzeitsgratulation für einen Bundesbruder mit seiner Frau in der Kirche sowie bei der Teilnahme der Verbindung an offiziellen Prozessionen in Münster. Germania hat eine neue Tradition eröffnet, denn es fand – sicher nicht zum letzten Mal – ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des 159. Stiftungsfestes 2023 im Garten des Vereinshauses statt. Die nicht katholischen Bundesbrüder hatten die Einbeziehung dieser Feier ins Programm angestrebt, und ein Bundesbruder, Patrick Papenbrock, der nach dem Studium der evangelischen Theologie inzwischen selbst Pfarrer ist, wirkte daran aktiv mit. In seiner Vorstellung zur Philistrierung (S. 271) fällt seine Wortmeldung zu Religion und Glaube angenehm auf, denn weder die neuen Aktiven (s. 229f.) noch die anderen Neuphilister (S. 266-272) erwähnen ihre kirchliche Bindung, und das hätte mich als Bundesbruder in der Ferne schon interessiert, nicht nur, weil ich selbst „Berufskatholik“ und dadurch „vorbelastet“ wäre.
Der KV hat sich für Mitglieder anderer christlicher Konfessionen vor über 50 Jahren geöffnet. Damit verbanden sich seinerzeit auch Hoffnungen auf den intensiveren Austausch unter uns Christen, mit der Hoffnung auf gegenseitige Annäherung. Wenn dann bestimmte Gruppen der Germania traditionell herrliche Wochenendausflüge unternehmen, ohne dass uns Lesern mitgeteilt wird, wo sie denn am Sonntag zur Heiligen Messe „eingekehrt“ sind,… Was wäre das für ein Vorbild für junge Bundesbrüder und Interessenten am Verein, wenn sie – beiläufig – erführen, dass die Alten Herren mit ihren Frauen eben nicht nur die örtliche Gastronomie, sondern auch die Kirchengemeinden kennengelernt hätten!
Sehr hilfreich in den Germanenbriefen ist, dass die reichlich gezeigten Fotos allermeist auch die Namen der Abgebildeten aufweisen. So lernt der seltenere Besucher der Veranstaltungen seine Bundesbrüder wenigstens namentlich kennen. Ernste Mahnung, die Namen für die Nachwelt festzuhalten, liefert das vom Archivar im Internet aufgestöberte Fotoalbum für die Zeit 1904-1906 (S. 295-297). Seitenweise herrliche Fotogalerien sind dort zu bestaunen, aber die Namen fehlen leider.
Dieser Germanenbrief hat meine Aufmerksamkeit für Stunden gefesselt, mich tief eintauchen lassen in den Verein, der mich vor Jahren zum Ehrenphilister gemacht hat und an dessen Wohl und Weh ich stets versuche, regen Anteil zu nehmen, auch wenn mich meine berufliche Einbindung und die Entfernung daran hindern, regelmäßiger auf dem Haus in Münster zu erscheinen. Im „Schubu“ Bundesbrüdern leibhaft zu begegnen und mit ihnen ein „kühles Blondes“ zu genießen, vermisse ich schon.
Kb P. Robert Jauch, OFM
(Arm, Rh-I, Rh-F, Ta, E Gm, E Gro-Lu)
