Frankenlandkommers der Fränkischen KV-Vereine

Die Sonne lachte, über Nürnberg strahlte blauer Himmel, im Pfarrgarten sang die Nachtigall: allenthalben Harmonie und Optimismus, damit am 26. April nach langer Pause ein Fest aufleben konnte, auf dem sich Frankens Kartellvereine begegnen, vernetzen und miteinander Freude und Kartellbrüderlichkeit teilen konnten: der Frankenlandkommers. Mit dem Gemeindesaal von St. Peter stand eine ansprechende Veranstaltungsstätte bereit und so waren an diesem Samstagabend viele fränkische Kartellbrüder und Vertreter anderer Bünde in die Nürnberger Südstadt gekommen, darunter mit Kb Karl Kautzsch (Cher, Bf, AR, NC, Ma, Urb, Win) auch eine „Säule des KV“. Denn der langjährige frühere Vorsitzende des KV-Rats und jetzige Vorsitzende der KV-Akademie, ist seit 1986 B-Philister des K.St.V. Burggraf, Nürnberg: In den 1980er Jahren wechselte er als A-Philister Cherusciae beruflich von Braunschweig nach Nürnberg. Später übernahm er für vierzehn Jahre den Vorsitz des OZ Nürnberger Trichter und fühlt sich augenscheinlich wohl im Frankenland. Auch sein aktueller Nachfolger, Kb Dr. Markus Wittenberg (Mk, Li, AR, Smn, Urb, E-Wk, E- Eck), nicht bloß qua Amt bestrebt, Freundschaft und Verbundenheit unter den Kartellbrüdern und -vereinen zu stärken, war trotz der beschwerlichen Wegstrecken von und nach Nordrhein-Westfalen nach Nürnberg gekommen. Zumal sein Sohn Andreas Wittenberg (Wk, Bf), der mit dabei war, sich in den zurückliegenden Jahren große Verdienste erworben hatte, um den K.St.V. Burggraf-Nürnberg vor der Sistierung zu bewahren und am Leben zu erhalten.

Gegen 20 Uhr c.t. war es soweit: Unter donnernden Klavierakkorden zogen die Chargenabordnungen ein: Stud. inf. David Spies, der Aktivensenior des K.St.V. Burggraf, Nürnberg, eröffnete den Festkommers und begrüßte die Corona. Eines war rasch klar: Trotz der schwierigen Zeiten, die der K.St.V. Burggraf, Nürnberg erlebt hat, hat man dort den Comment nicht verlernt - im Gegenteil: Souverän bestimmte der Aktivensenior das Geschehen, leitete gekonnt zwischen Redebeiträgen, Silentien, Liedern, bis hin zu Grußworten und dem Salamander, so dass hier ein wirklich eindrucksvolles, fröhliches Wiedersehenstreffen gelang, auf das die fränkischen Kartellvereine vielleicht schon lange gehofft hatten. Auch der Festvortrag, dessen Zusammenfassung auf den folgenden Seiten nachzulesen ist, hatte es in sich. Denn er befasste sich mit einer realistischen europäischen Sicherheitspolitik angesichts des russischen Aggressionskrieges gegenüber der Ukraine, der sich letztlich gegen den ganzen Westen richtet. Kb Dr. Wolfram Hoppenstedt (Ma) hat als Geschäftsführer die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung aufgebaut und ist Experte für die Entspannungspolitik des Nobelpreisträgers und ersten SPD-Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland. Was ist geboten? Auf Aggression mit Aggression antworten oder ,,um des lieben Friedens willen" nachgeben? Willy Brandt jedenfalls beschrieb den Verteidigungsauftrag der Bundeswehr einmal so, dass sie ,,Russland Respekt einflößen und Luxemburg keine Angst machen" sollte. Neben Stärke sollte Sicherheitspolitik also stets auch Berechenbarkeit vermitteln. Für die jetzige Situation folgerte Kb Dr. Hoppenstedt daraus: Nur eine glaubwürdige Abschreckungskapazität der europäischen Staaten wird Moskau von weiteren Aggressionen, auch gegen Natoterritorium, abhalten. Europa muss seine eigene Verteidigungsfähigkeit entscheidend ausbauen - zumal die US-Regierung unter Donald Trump andere sicherheitspolitische Prioritäten setzt als Europa. Das bisherige Erfolgsrezept der Bundesrepublik - Verteidigung durch die USA, billige Energie von Russland und offene Weltmärkte - funktioniere nicht mehr.

Traditionsreich und vielgestaltig ist Frankens akademische Landschaft. Zu solchen jahrhundertealten Almae matres wie Würzburg und Erlangen-Nürnberg gesellten sich in den vergangenen Jahrzehnten Bayreuth, die weiter entwickelte Otto-Friedrich-Universität Bamberg und viele Fachhochschulen. Ein wenig spiegelt diese akademische Vielfalt sich in der Vielfalt der KV-Vereine in Würzburg, Erlangen und Nürnberg wider - wobei der 1954 gegründete K.St.V. Burggraf relativ jung ist und damit für den Aufschwung des KV in der Nachkriegszeit steht: Neben dem K.St.V. Burggraf wurden bis 1960 in Deutschland neunzehn KV-Verbindungen neu gegründet. Bei seiner Gründung konnte sich der K.St.V. Burggraf auf viele ortsansässige Kartellbrüder aus verschiedenen KV-Vereinen stützen, schon im SS 1955 hatte er fünfzehn Aktive. Doch der Elan der Gründungsjahre mündete in ein ,,Auf und Ab" mit einer Inaktivierung infolge des Jahres 1968, aber auch einer Reaktivierung 1986, mit schleppendem Aktivenleben ohne eigenes Haus, aber auch immer wieder neuen Aufbrüchen. 

Denn trotz aller Rückschläge gab es im K.St.V. Burggraf genug Alte Herren und Aktive, die nicht aufgaben, sondern durchhielten und sich engagierten - und das wurde beim Frankenlandkommers einmal mehr deutlich. In ihren Grußworten hoben nicht nur die Vertreter der KV-Vereine die Vielfalt der couleurstudentischen Kultur hervor. Sie sei eine Bereicherung für alle; es gelte, sie weiter zu tragen und andere dafür zu begeistern. Das sprach auch der KV-Ratsvorsitzende Dr. Markus Wittenberg an. Dieses Treffen habe alle bereichert, er freue sich auf ein Wiedersehen beim nächsten Frankenlandkommers, sagte er - deshalb solle jeder beim nächsten Mal noch einen weiteren Gast mitbringen.

R.N.