Papst Leo XIV.

Ein Sohn des hl. Augustinus

Papst Leo XIV. - viel konnten wir seit seiner Wahl zum Papst über ihn sehen, hören und lesen. Leo XIV. ist Ordensmann, ein Sohn des heiligen Augustinus, ein Augustiner. Das hat er selbst auf der Segensloggia des Petersdoms bei seiner ersten Ansprache unmittelbar nach seiner Wahl gesagt. Sollte diese Aussage über sich selbst von Bedeutung sein für sein Pontifikat?

Der hl. Augustinus ist den meisten von uns als einer der Kirchenväter bekannt. Weniger bekannt aber ist in unseren Längen und Breiten der Augustiner-Orden, bis 1963 Orden der Augustiner-Eremiten genannt, zumal in ganz Österreich darüber hinaus derzeit auch nur ein Augustinerkloster mit drei Augustinern und einem Novizen existiert. Diesem Orden gehört Leo XIV. an. Vielleicht bringt der eine oder die andere noch bekannte historische Persönlichkeiten mit dem Orden in Verbindung: den Reformator Martin Luther zum Beispiel oder auch den Vater der Genetik, Abt Johann Gregor Mendel. Oder man kennt den Augustinerorden, weil man sich der Gemeinde der Wiener Augustinerkirche und der dort lebenden und wirkenden Gemeinschaft der Augustiner verbunden weiß. Die Grenzen dieser Gemeinde der Augustinerkirche überschreiten Pfarr-, Dekanats-, Stadt-, Diözesan-, Landes-, ja gar Kontinentalgrenzen. Menschen fühlen sich angezogen von der Augustinerkirche und ihrer augustinischen Gemeinde und finden sich immer wieder ein, wenn sie nach Wien zurückkommen: Wegen der Schönheit der Liturgie mit ihrer wunderbaren Kirchenmusik, den Predigten und – ja – wegen der darin erlebbaren augustinischen Spiritualität, die sich darin widerspiegelt und Mensch und Gott und Mensch und Mensch und den Menschen mit sich selbst in Berührung zu bringen trachtet.

Augustinische Spiritualität – davon ist Papst Leo XIV. durch und durch geprägt und durchdrungen. Den Weg zu Gott finden, das war das große Ziel des Ordensvaters der Augustiner, des hl. Augustinus. Und diesen Weg gemeinsam zu suchen und zu gehen – über alle Höhen und Tiefen des Lebens hinweg. „Euch, die ihr eine Klostergemeinschaft bildet, tragen wir auf, Folgendes in eurem Leben zu verwirklichen: Zuallererst sollt ihr einmütig zusammenwohnen (Psalm 133,1), wie ein Herz und eine Seele (Apg 4,32) auf dem Weg zu Gott. Denn war das nicht der entscheidende Grund, weshalb ihr euch zum gemeinsamen Leben entschlossen habt?“ Mit diesem Wort beginnt die Ordensregel des hl. Augustinus. Dort, wo der Mensch sich auf die Suche nach Gott macht, bewusst oder (noch) unbewusst, dort beginnt bereits Leben zu gelingen, heil zu werden. Nichts anderes wollte Jesus für die Seinen: dass deren Leben gelinge, dass es heil werde. Augustinus hat sich auf die Suche nach Gott gemacht, hat sich von seinem Wort ansprechen lassen und begann ihn zu lieben. „Durchbohrt hast Du mein Herz mit Deinem Wort, da habe ich Dich geliebt“, schreibt er im 10. Buch seiner berühmten Confessiones (Bekenntnisse). Diese Erfahrung des hl. Augustinus teilt unser neuer Papst offenbar so sehr, dass sie Eingang in sein Wappen fand: das brennende Herz, durchbohrt von einem Pfeil auf der Heiligen Schrift.

Damit Leben gelingen kann, ist für den Menschen in seiner Individualität Gemeinschaft wichtig, in der er sich selbst kennenlernen und entfalten, mit der er auf dem Weg sein kann, im besten Fall eine Gemeinschaft, deren einzelne Mitglieder sich ebenfalls von Gottes Wort, von Christus treffen ließen, die Gemeinschaft der Kirche, in die hinein wir getauft und so in einen einzigen Leib aufgenommen wurden (1 Korinther 12,13). In seiner Predigt zu Psalm 127 sagt Augustinus: „Christus ist einer: nicht dass er einer ist und wir viele sind, sondern dass wir, viele, eins sind in ihm.“

Der letzte Teil dieses Satzes fand in Latein ebenfalls Eingang in das neue päpstliche Wappen: „In Illo uno unum“ – „In dem einen (Christus) eins (sein)“. Individuum/Individualität und Gemeinschaft gehören zusammen ebenso wie das Vertrauen auf Gottes Gnade und eigene Verantwortung oder Spiritualität und Strukturen einer Gemeinschaft.

Gott liebt jede und jeden von uns in aller Verschiedenheit, doch lässt er uns in Christus zur Einheit finden, zu seiner Familie. Der Weg dorthin führt nicht über ein „entweder - oder“, sondern über ein „und“; er ist ein Weg der Innerlichkeit. Diesen Weg nach innen beschreibt Augustinus im 10. Buch seiner Confessiones berührend: „Spät habe ich Dich geliebt, Du Schönheit, ewig alt und ewig neu, spät habe ich Dich geliebt! Siehe, Du warst innen, ich war außen. Dort draußen habe ich Dich gesucht und mich, Missgestalt, die ich war, auf die schönen Gestalten geworfen, die Du geschaffen hast. Du warst bei mir, ich aber war nicht bei Dir. Die Dinge, die gar nicht wären, wären sie nicht in Dir, sie hielten mich fern von Dir. Du hast gerufen, Du hast geschrien, Du hast meine Taubheit zerrissen, Du hast geleuchtet, geblitzt und meine Blindheit verscheucht, Du hast geduftet, und ich habe Dich eingeatmet, da verlangte ich nach Dir. Ich habe gekostet, nun hungere und dürste ich. Du hast mich berührt, da bin ich entbrannt nach Deinem Frieden.“ Gott nahe zu kommen als Individuum und Gemeinschaft, darauf kommt es an, damit Leben gelingen kann. Und dabei auf Gottes Gnade vertrauen und in (Eigen)Verantwortung denken, reden und handeln. Dann werden Spiritualität und Strukturen nicht zu (unvereinbaren) Gegensätzen, sondern fördern Leben, Gemeinschaft und Individuum mehr und mehr auf allen Ebenen. Gewiss – der Weg der Innerlichkeit braucht Zeit, braucht Geduld, braucht Wohlwollen, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Aber er lohnt sich gerade deswegen.

P. Robert Francis Prevost lebte als Augustiner diesen Weg augustinischer Innerlichkeit und ließ sich daraus in der Ausführung seiner Aufgaben und der Ausübung seiner Amtsführung inspirieren: als Ausbildender, als Provinzial, als Generalprior des Augustinerordens, als Bischof von Chiclayo (Peru), als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe. Sollte es nun für Papst Leos Pontifikat von Bedeutung sein, dass er selbst hervorhob, ein Sohn des hl. Augustinus, ein Augustiner zu sein? Papst Leo XIV., Gottes reichen Segen für Ihren Dienst, die Kirche zu lehren, zu leiten und die Gemeinschaft der Schwestern und Brüder im Glauben zu stärken!

P. Dominic OSA (Agg)

P. Dominic Sadrawetz OSA

Pater Dominic Sadrawetz wurde 1966 in Wasserburg am Inn geboren. Nach Eintritt in den Augustinerorden 1985 und Noviziat legte er 1988 seine Profess ab, 2000 wurde er zum Priester geweiht. Seit 2002 leitet er als Moderator die Pfarre St. Georg im niederösterreichischen Aspersdorf. Seit 2006 leitet er als Prior das Wiener Augustinerkloster, von 2007 bis 2017 war er Regionalvikar des Augustinervikariates Wien, seit 2017 ist er Vikariatsrat und Sekretär des Augustinervikariates Wien.

2011 übernahm er als Prior die Leitung des Zwieseler Augustinerklosters. Für das Augustinervikariat Wien ist er außerdem als Ausbildungsleiter für die Kandidaten, Postulanten und Studenten sowie für die Berufungspastoral verantwortlich. Pater Dominic arbeitet auch in der Stadtseelsorge an der Augustinerkirche Wien mit. Seit 2006 begleitet er als Seelsorger die Mitglieder der AKV Aggstein zu Wien.

Prominenter Besuch bei Wiens Augustinern

Noch im November stattet Robert Prevost, nunmehr Papst Leo XIV., seinen Wiener Mitbrüder einen Besuch ab