Rückblick auf die Priesterweihe von Thomas Kettel /Nm)
Am 28. Juni wurde Kb Thomas Kettel (Nm) von Bischof Dr. Peter Kohlgraf im Hohen Dom zu Mainz zum Priester geweiht. Nicht nur für ihn, sondern für all seine Wegbegleiter war es ein besonderes und eindrückliches Erlebnis.
Thomas Kettel strahlt eine glückselige Freude aus, als er am Sonntag, 29. Juni, im Anschluss an seine Primiz im idyllischen Rümmelsheim zu ein paar kurzen Dankesworten ansetzt und die Feierlichkeiten im Kreise seiner zahlreichen Wegbegleiter eröffnet. Man könnte meinen, ein besonderer Glanz gehe von ihm aus, aber vielleicht sind das auch nur die Schweißperlen auf seiner Stirn, denn an diesem besonderen Wochenende hat der Himmel nicht an Sonne gespart.
Schon einen Tag zuvor, am Samstagmorgen, beginnt im Hohen Dom zu Mainz ein Wochenende, das Thomas, seiner Familie, seinen Freunden und seiner lieben Normannia noch lange in schöner Erinnerung bleiben wird.
Denn dieses Wochenende stand nicht nur im Zeichen der Weihe und der Freude, es stand auch im Zeichen des Wiedersehens alter Freunde und im Zeichen der Hoffnung – so jedenfalls gab es Thomas‘ Weihespruch vor: „Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen.“ (Römerbrief 5, 5)
Thomas Kettel trat 2013 als erster Fux der gerade erst wiederbelebten K.St.V Normannia-Greifswald zu Mainz im KV bei und prägte seitdem vor allem die Verwirklichung des Religioprinzips bei Normannia.
Zugleich setzt er eine kleine familiäre Normannendynastie fort. Sein Vater Werner ist ebenfalls Mitglied der Normannia und prägte bis 2023 als Vorstandsmitglied den Altherrenverein mit. Thomas‘ Mutter Elisabeth ist seit einigen Jahren Vorsitzende des Hohe Damenvereins der Schwesterverbindung AV Normannia und engagiert sich an der Seite ihres Mannes im Ortszirkel Mäuseturm Bingen. Auch Elisabeths beide Brüder sind Mitglied der Normannia-Greifswald zu Mainz.
Selbstverständlich wurde daher der große Einzug im Dom von zwei normannischen Chargenabordnungen angeführt. Neben fünf Chargierten der K.St.V. Normannia-Greifswald zu Mainz im KV – darunter auch Thomas‘ Leibfux Leon Wambold als Mittelchargierter sowie Thomas‘ Leibbursch Jan Rübsam – beehrte auch der AV Normannia zu Mainz den Neupriester mit drei Chargierten.
Bischof Kohlgraf: „Priester soll Menschen zur aktiven Teilnahme befähigen”Bischof Kohlgraf: „Priester soll Menschen zur aktiven Teilnahme befähigen”
In seiner Predigt sprach der Mainzer Bischof, Fb Dr. Peter Kohlgraf, über die Rolle, die der Priester in der Kirche einnimmt. „Der Priester ist nicht Christus, er ist nicht der Retter, er ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als Vermittler der Gegenwart des Auferstandenen.“ Er solle Menschen zur aktiven Teilnahme befähigen, „so dass sie nicht unbeteiligte Zuschauer sind, sondern selbst eintreten können in die Feier von Tod und Auferstehung des Herrn.“
Der Predigt des Bischofs folgte der Weiheakt. Durch Handauflegung des Bischofs, der sich alle anwesenden Priester sukzessiv anschlossen – für die Gemeinde ein eindrucksvolles Bild – wurde Thomas Kettel zum Priester geweiht. Während ihm das Messgewand angelegt wurde, sang die Gemeinde den Taizé-Gesang „Meine Hoffnung und meine Freude“. Nach der Salbung und dem Überreichen von Kelch und Hostienschale bekräftigten der Bischof und die Konzelebranten die Weihehandlung mit einer Umarmung des Neupriesters.
Am Nachmittag hielt Thomas Kettel eine Dankandacht in der Mainzer Augustinerkirche und erteilte den Anwesenden den Einzelprimizsegen. Zuvor standen bistumsinterne Feierlichkeiten an, die die Normannenfamilie jedoch nicht davon abhielten, auch ohne Thomas in einem Mainzer Restaurant zu feiern.
Auch der Weg zur Primiz in Thomas Kettels Heimatkirche St. Laurentius in Rümmelsheim am nächsten Tag – traditionell ausgehend vom Elternhaus des Neupriesters – wurde von einer Chargenabordnung der Normannia um Leon Wambold angeführt.
Kb Christoph Bergmann OP (Nm): „Sei ein Mensch”
Höhepunkt der Messe am Sonntag sollte die Primizpredigt sein. Um diese hatte Thomas seinen anderen Leibfuxen Pater Christoph Bergmann OP, Prior des Dominikanerkonvents in Düsseldorf, gebeten.
Pater Christoph wollte nicht über die Würde und die Vollmacht des Priestertums, oder „den damit oft verbundenen, geglaubten und erhofften Glanz“ sprechen. „Das wirst Du an anderen Orten, von anderen frommen Institutionen und von sehr viel frömmeren Priestern noch zu Genüge zu hören bekommen.“ Stattdessen widmete er sich der Kant‘schen Kernfrage: Die Weihe, erklärte Bergmann, mache den Priester nicht automatisch zu einem besseren Menschen, stattdessen müsse man immer an sich arbeiten. Auch zitierte er Thomas Kettels Namenspatron Thomas von Aquin: „Die Priesterweihe wird nicht gespendet als Heilmittel für einen einzelnen Menschen, sondern für die ganze Kirche.“
Daraus leitete Pater Christoph Bergmann einen Appell an den Neupriester ab: „Sei ein Mensch! Sei nicht der Türsteher oder der Zollbeamte, der verweigert oder gleich normativ (be-)wertet, sondern ein Priester, der öffnet, der zuhört, der ermöglicht und der liebt, der ein Herz hat.“ Für seine Predigt erhielt er langanhaltenden Applaus.
Im Anschluss an die Primiz wurde im Vorgarten der Rümmelsheimer Kirche noch lange mit dem Neupriester gefeiert – unter anderem mit Wein vom heimischen Winzer. Normannia überreichte Thomas Kettel als Geschenk eine rot-goldene Stola.
Thomas Kettel: „Wir müssen uns nicht verstecken!”
In seinen Dankesworten an die Normannenfamilie betonte Kettel dabei: „Wir müssen uns vor den anderen katholischen Bünden in Mainz nicht verstecken! Wir wurden im Wintersemester 2012/13 erst wiederbelebt und sind seitdem nicht nur als Verbindung gewachsen, sondern haben auch mehr Priester hervorgebracht als die anderen.“
Lieber Thomas, das Wochenende deiner Priesterweihe und Primiz bleibt hoffentlich nicht nur Dir lange in schöner Erinnerung. Auch für uns, deine Normannia, war es im wahrsten Sinne des Wortes ein Fest und zugleich eine große Ehre.
Für deinen weiteren Weg wünschen wir Dir alles Gute, Gottes Segen und dass die Hoffnung nie zugrunde geht!
Nikolas Hermeling (Nm)


Interview: Neupriester Thomas Kettel: "Die Welt braucht Christus mehr denn je!"
Thomas Kettel (Nm!) wurde am 28. Juni zum Priester geweiht. Im Interview mit seinen Bundesbrüdern Nikolas Hermeling und Peter Weis spricht er über seine Motivation, Priester zu werden und seine Beziehung zum Kartellverband.
Thomas, vor dem Eintritt ins Priesterseminar hast Du Politikwissenschaft studiert. Wieso?
Da hat tatsächlich die Idee mitgespielt, nach Mainz zu gehen und, der ein Semester zuvor, neu belebten Normannia beizutreten.
Wie kam es dann zum Eintritt ins Priesterseminar?
Nach meinem zweiten Semester war ich über Ostern in Rom und hatte dort über die Farbenbrüder der Capitolina erstmals Kontakt zu Seminaristen.
Am Ostersonntag habe ich mich gefragt: Warum nicht ich? Warum ist das kein Lebensentwurf für mich? Warum kann ich die Personalsorgen der Kirche bejammern, aber nicht selbst was dagegen tun? All diese Gedanken waren ummantelt von der Freude, die Christus uns geschenkt hat. Eine Freude, die nicht bei mir bleiben kann, sondern die mitgeteilt werden möchte.
Woran hast du gemerkt, dass das wirklich der richtige Weg für dich sein kann?
Auf die negative Frage „warum nicht?“ habe ich nie eine Antwort gefunden. Und wenn auf die positive, umgekehrte Frage „warum?“ die Antwort „Christus ist – was braucht es dann mehr?”
Du hast das Politikstudium aber trotzdem abgeschlossen – wieso?
Ich wollte dieses Kapitel nicht offen stehen lassen, sondern gut und erfolgreich abgeschlossen haben. Gleichzeitig habe ich mir gesagt, wenn nach dem Bachelor die Frage weiterhin präsent ist, dann gehe ich ins Priesterseminar. Und die Frage ist präsent geblieben
Kamen in dieser Zeit nochmal Zweifel auf?
Weniger als im Seminar. Das liegt aber daran, dass man sich im Seminar knallhart mit dieser Entscheidung und deren Folgen auseinandersetzt. Man dringt viel tiefer ein in die Kirche – mit all ihrer Schönheit und Großartigkeit, aber auch den unschönen Seiten. Man kommt in Verbindung mit sich selbst, ebenfalls mit den großartigen Dingen, Erfolgserlebnissen, aber auch mit den Facetten, die man an sich selbst nicht gerne sieht und die man ungern nach außen zeigt. Du bist in einer ständigen Prüfung von allen Seiten. Du wirst wissenschaftlich geprüft, menschlich geprüft und du prüfst dich selbst.
Welche Rolle hat der KV in deinem Leben gespielt?
Der KV war irgendwie immer dabei, da mein Vater ja auch Normanne ist und meine Eltern diesen Lebensbund gepflegt haben. Das war immer schon ein Teil unserer Familie und wie ich aufgewachsen bin. Ich war zum Beispiel immer gerne beim Ortszirkel in Bingen dabei und die haben sich, glaube ich, auch immer über ein junges Gesicht gefreut, das sie beim Aufwachsen begleiten konnten.
Was ist deine schönste Erinnerung im Kartellverband?
Die Vertreterversammlung in Bochum. Da habe ich gemerkt, da sind Leute, die Lust haben, den KV zu gestalten und auch gemeinsam Spaß zu haben.
Wie ist deine aktuelle Beziehung zum Verband?
Ich bin im KV-Seelsorgeteam. Außerdem trifft man immer wieder Kartellbrüder, wo man gar nicht damit rechnet und das ist einfach eine schöne Sache. Gerade in der Gemeinde, wo ich als Diakon eingesetzt war: Ich habe Anfang des Jahres für die AM ein geistliches Wort geschrieben. Dann haben mich plötzlich Leute aus der Gemeinde angesprochen „Du, ich hab dich in den AM gesehen.“
Zum Abschluss: Wieso wird man Priester in einer Gesellschaft, in der Kirche und Glaube an Bedeutung verlieren und die Kirche mit Krisen und Skandalen kämpft?
Genau deswegen. Es braucht das Zeugnis des Priesteramts. Der Priester gibt sich selbst auf für Christus und die Welt. Er lebt dafür, Christus in die Welt zu bringen, denn Christus ist der Frieden und die Hoffnung und das Heil. Und das braucht die Welt, glaube ich, mehr denn je!
Mit Blick auf deinen Weihespruch aus dem Römerbrief „Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen”: Was gibt dir Hoffnung in diesen für die Kirche schwierigen Zeiten?
Christus. Es gilt seine Zusage, dass die Kirche bis ans Ende der Zeit besteht. Die Kirche ist mal mächtiger, mal ist sie wie jetzt eine Randnotiz. Aber trotzdem sieht man immer wieder das kleine Aufflackern des Heiligen Geistes. Und bei Normannia haben wir schon erlebt, wie aus ein wenig glimmender Glut eine große Flamme entstehen kann. So lange jemand diese Glut erhält, können wir die Welt mit dem Feuer des Heiligen Geistes erfüllen.

