Stellungnahme Kölner KV-Vereine zu den Beschlüssen der 109. VV in Bautzen / Gut Schmochtitz

Die Vertreterversammlung in Bautzen / Gut Schmochtitz hat erneut gezeigt, dass wir uns im KV zu oft mit Symptomen beschäftigen statt die eigentlichen Ursachen anzugehen.

Natürlich ist es wichtig, über Finanzen zu sprechen. Doch blinde Kürzungen und der Rückgriff auf das „Tafelsilber“ unserer Rücklagen lösen das Kernproblem nicht: Der KV wird in den Augen vieler als unattraktiv wahrgenommen – und attraktiver wird er nicht dadurch, dass er Leistungen zurückschraubt.

Naiver Sparglaube

Die Hoffnung, dass sich unter Spardruck plötzlich Dinge verbessern, die vorher nicht funktioniert haben, halten wir für bestenfalls naiv. Der Unterschied von acht oder fünfzehn Euro im Beitrag wird kaum dazu führen, dass Altherrenschaften auf einmal effizienter arbeiten. Auf der VV waren es vor allem die starken Vereine, die ohnehin gut aufgestellt sind. Dass insbesondere die großen Vereine aus dem Süden, die naturgemäß präsenter waren, den Ton angeben, verstärkt das Ungleichgewicht. Viele kleinere und entferntere Vereine, die auf Solidarität angewiesen sind, blieben außen vor. Eine VV muss aber den gesamten Verband im Blick haben – nicht nur die größten und stärksten Vereine.

Mehr Respekt für das KV-Sekretariat

Wir haben uns als Verband bewusst entschieden, ein Sekretariat zu unterhalten, um professionell, verlässlich und effizient arbeiten zu können. Dieses Team verdient unseren Respekt und Dank – auch und gerade, weil es sich ohne Mitgliedschaft stark mit unserem Verband identifiziert. In christlicher Verantwortung sind wir es unseren Angestellten schuldig, ihnen Anerkennung und Wertschätzung entgegenzubringen.

Gefährliche Symbolpolitik und schlecht vorbereitete Anträge

Für blankes Entsetzen sorgte ein Antrag, der unserem Verband die Farben „schwarz-weiß-rot“ und den Wahlspruch „Mit Gott für Deutsche Ehre“ geben wollte. Ein solcher Vorschlag ist historisch naiv, politisch brandgefährlich und zudem erschreckend schlecht vorbereitet. Wer über Symbole sprechen will, muss zunächst fragen, ob es überhaupt gemeinsame Symbole braucht, und dann verantwortungsvoll Alternativen entwickeln – vielleicht in Form eines Wettbewerbs. Aber deutschtümelnde Anbiederung an rechte Bewegungen braucht niemand.
Darüber hinaus lagen weitere Anträge zu Grundsatzfragen wie Farbentragen und Religio vor. Gerade hier haben wir in den letzten Jahren hart erkämpfte Kompromisse gefunden, die nicht leichtfertig in Frage gestellt werden dürfen. Natürlich kann man über alles reden – aber nicht ohne saubere Vorbereitung und einen echten innerverbandlichen Dialog.

Symptombekämpfung statt Strategie

Für nahezu jede Debatte wird im KV inzwischen eine „Task Force“ eingerichtet – sei es für Finanzen, Frauen, Farben oder die EDV-Ausstattung des KV-Sekretariats. Doch all das ist Symptombekämpfung. Der eigentliche Grund ist: Uns fehlen Mitglieder. Wir schrumpfen! Ortszirkel, AH-Vereine und Aktivitates brechen weg. Starke Vereine gibt es, ja – doch sie wirken zunehmend wie Inseln im Verband.

Mitgliedergewinnung als Kernaufgabe

Wir brauchen einen viel intensiveren Austausch darüber, was funktioniert: Welche Keilmethoden bringen Erfolg? Welche Veranstaltungen wirken nach außen? 
Welche Strukturen fördern nachhaltiges Wachstum? Jeder Verein kann hier von den anderen lernen. Mitgliedergewinnung muss endlich den Stellenwert bekommen, den sie verdient. Niemand hat Lust auf einen Verband, der nur mit sich selbst beschäftigt ist oder resigniert den eigenen Zerfall verwaltet.

Zukunft braucht Identität

Doch es reicht nicht, nur den Mangel zu verwalten. Eine rein rückwärtsgewandte Erhaltungspolitik wird den KV nicht erneuern. Wir müssen uns ehrlich fragen: Was bedeuten unsere Prinzipien heute – und was sollen sie morgen bedeuten? 

Warum sind sie erstrebenswert?

Eine gemeinsame Zukunftsvision kann nur entstehen, wenn wir aus diesen Fragen eine tragfähige Identität für den gesamten Verband entwickeln. Diese muss über „Frauen ja oder nein“ hinausgehen und den Kern des KV berühren: unsere Werte, unser Selbstverständnis, unsere Rolle in Kirche und Gesellschaft. Erst wenn wir dieses Fundament klären und bekräftigen, entsteht auch die Kraft, nach außen zu wirken und neue Mitglieder zu gewinnen.

Der KV hat Zukunft – aber nur, wenn wir endlich den Mut haben, das eigentliche Problem anzupacken: Wir müssen wieder mehr werden! Alles andere ist zweitrangig.

Daniel Odenthal, Philistersenior K.St.V. Winfridia Köln
Markus Rosenberg, Philistersenior K.St.V. Nibelung Köln
Tobias Kollinger, Philistersenior K.St.V. Suevia Köln
Günther Huth, Vorsitzender des Ortszirkels Häuschen Köln