Größte Leidtragende des Gazakriegs: die Zivilbevölkerung, die Beschuss, Hunger und Verlust der Heimat hinnehmen musste
Karl Gertler (Hs)
Zwei Jahre sind vergangen, seit Hamas-Terroristen die Grenze zwischen Gazastreifen und Israel durchbrachen und israelische Dörfer und ein Musikfestival überfielen. Sie ermordeten mehr als 1.2oo Menschen, vergewaltigten und folterten. Über 25o Geiseln verschleppten sie in den Gazastreifen, darunter Babys, Mütter und Überlebende des Holocaust. Israel reagierte auf das Massaker und marschierte im Gazastreifen ein. Arbeitsgenehmigungen für Palästinenser aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland wurden aufgehoben, Arbeitserlaubnisse von Migranten weithin annulliert. Der Tourismus wurde gestoppt, Pilgerfahrten waren nicht mehr möglich.
Nach zwei Jahren Krieg hat man sich im Oktober 2025 auf ein Ende der Kämpfe geeinigt. Es ist zu hoffen, dass die Vereinbarungen Bestand haben. Fest steht, dass die Zivilbevölkerung das größte Opfer der Auseinandersetzungen ist. Nach Informationen des Schweizer Fernsehens SRF, das sich auf Angaben des britischen „Guardian”, der israelisch-palästinensischen Plattform „+972 Magazine” und des hebräischen Mediums „Local Call” stützt, listeten israelische Gemeindienstmitarbeiter bis Mai 2025 8.900 Kämpfer der Hamas oder des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) als tot oder „wahrscheinlich tot” auf. Bis dahin wurden nach Angaben der Hamas rund 53.000 Menschen in Gaza durch israelische Angriffe getötet. Die Zahl unterscheidet nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten. Das würde bedeuten: Die in der Datenbank aufgeführten toten Kämpfer machen nur 17 Prozent der gesamten Todesopfer in Gaza aus. 83 Prozent der Verstorbenen waren offensichtlich Zivilpersonen, häufig Frauen und Kinder. Heute sind es etwa 65.000 Getötete in Gaza.
Das mag damit zusammenhängen, dass im engbebauten, übervölkerten Gazastreifen die Zivilbevölkerung unweigerlich Gefechten ausgesetzt ist und im Häuserkampf schwer zwischen militärischen Objekten und normalen Gebäuden zu trennen ist. Auch ist bekannt, dass die Hamas Hospitale und andere öffentliche Gebäude gezielt als Schutzschilde für Angriffe oder Rückzüge nutzte. Bis Herbst 2024 waren achtzig Prozent der Wohn- und Geschäftsbauten zerstört. Angegriffen und zumeist zerstört wurden auch achtzig Prozent aller Schulgebäude, sechzig Prozent der noch brauchbaren Schulgebäude dienen nun als Sammelunterkünfte. Trümmer machten die Straßen fast unpassierbar, die Versorgung mit Strom und Wasser brach zusammen, ebenso die Kanalisation.
Lebensmittel, Medikamente, Trinkwasser und Hygieneartikel kamen während der Kämpfe zu wenig und zu unregelmäßig im Gazastreifen an. Israelische Siedler griffen immer wieder Lastwagen mit Hilfsgütern an und zerstörten sie, Plünderer im Gazastreifen hinderten sie daran, die Verteilungsstationen zu erreichen. Vor dem Krieg wurden täglich zwischen 300 und 500 LKW mit Waren in das Gazagebiet hereingelassen.
Christliche Präsenz - existenziell bedroht
Betroffen von den Kämpfen waren auch die Christen in Gaza. Vor dem 7. Oktober 2023 zählte die christliche Gemeinde in Gaza 1017 Mitglieder. Im Sommer waren es noch 650, untergebracht in den Räumen der katholischen Pfarre von Gaza und einem Grundstück der orthodoxen Kirche, berichtete das Portal Vatican News Mitte Juli unter Berufung auf den argentinischen Pfarrer Gabriel Romanelli. Dreihundert Menschen hätten über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten ausreisen können. 54 Christen seien im Krieg gestorben, darunter 16 bei einem Luftangriff. Weitere Christen seien durch Medikamentenmangel ums Leben gekommen, so der Pfarrer: „Herzkranke, Diabetiker - Menschen, die ohne Hilfe nicht überleben konnten.”
Im Südlibanon leiden Christen unter der Hisbollah, die den Norden Israels angreift. Auch für Palästinenser im Westjordanland wurden die Lebensbedingen nach dem 7. Oktober 2023 und dem Ausbruch der Kämpfe bedrohlich, da ihnen der Zugang zu ihren genehmigten Arbeitsplätzen in Israel verwehrt wurde. Ähnlich ging es vielen Vertragsarbeitern in Israel, von denen hunderttausend getaufte Katholiken sind. Die meisten von ihnen verloren ihre Arbeit. Allein in Bethlehem waren rund 27.000 Christen auf Gutscheine angewiesen, um Lebensmittel, Trinkwasser, Medikamente, Schulgeld usw. zu erhalten. Diese Gutscheine organisierte das Patriarchat von Jerusalem über Verteilungsorganisationen wie die Caritas.
Zwischen dem 7. Oktober 2023 und Juli 2024 wurden über 650 Palästinenser von Soldaten im Westjordanland getötet. Ohne weitere Begründung wurden sie als Terroristen abgestempelt. Im Judentum hat sich neben den rechtsextremen Orthodoxen eine extremistische Gruppe gebildet, die unter Berufung auf religiöse „Versprechen“ Palästina ohne Einschränkung als ihr Land beansprucht. Staatliche Stellen, Polizei und Armee hindern diese Extremisten nicht daran, gewaltsam gegen Muslime und Christen vorzugehen. Aus Bethlehem wurde mir berichtet, im Dezember 2023 seien Soldaten ins Haus einer alteingesessenen katholischen Familie eingedrungen. Sie hätten erklärt, diese solle auswandern, in Bethlehem gebe es keinen Platz mehr für Christen. So ging die Armee mit rechtsextremen Milizen im Schatten des Gazakrieges gegen Christen vor.
Der Krieg der israelischen Armee gegen die Hamas hat nicht dazu geführt, dass diese die restlichen Geiseln freiließ, die irgendwo in Gaza gefangen gehalten werden - im Gegenteil: Viele Israelis, darunter viele Angehörige von Geiseln erwarten, dass die Geiseln erst freikommen, wenn die Waffen endlich schweigen.
Gerechtigkeit schafft Frieden
Was können Christen in dieser Situation tun? Patriarch Pizzaballa, der als Kardinal die lateinischen (katholischen) Christen in Jerusalem leitet, setzt sich für einen Frieden in Gerechtigkeit, für Gleichheit und Versöhnung ein. In die selbe Richtung zielt das „Dokument der Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“, das Papst Franziskus 2017 mit dem Großimam Al-Asisi aus Abu Dhabi vereinbart hat. Auch mit dem Großayatollah aus Ur im Irak verständigte sich Papst Franziskus 2021 darauf, die Freiheit jedes Menschen, Gerechtigkeit auf der Grundlage von Barmherzigkeit, Dialog und Toleranz zur Grundlage des Zusammenlebens zu machen und den Terrorismus zu verurteilen, der durch falsche Auslegungen religiöser Texte entsteht. Das Dokument fordert die Einführung der vollen Bürgerrechte in allen Gesellschaften.
Vielleicht tragen auch interreligiöse Gespräche dazu bei, eine andere Perspektive auf internationale Vereinbarungen zu gewinnen, als es die herkömmlichen Dogmen islamischer Staaten oder Alleinherrscher zulassen. Die Führer des Nahen Ostens und die Weltmächte haben es in der Hand, dem Christentum, dem Judentum und dem muslimischen Leben im Nahen Osten ein respektvolles, tolerantes und den allgemeinen Grundsätzen der Menschenrechtskonvention entsprechendes Leben zu ermöglichen. Ob in zwei Staaten oder in einem einzigen Staat, sollte man den Ethnien dort überlassen.
Wesentlich wird es sein, dass alle Menschen dann gleiche Rechte, Pflichten und gleichen Zugang zu staatlichen Leistungen haben und ihre Religion ungehindert nebeneinander leben können. Notwendig ist jetzt, dass wir unsere Mitchristen und die gesamte Zivilbevölkerung in den palästinensischen Gebieten nicht allein lassen.
Die Kirche im Heiligen Land erwartet unter ihren Christen eine neue große Auswanderungswelle, „weil sie keine Hoffnung auf ein sicheres Weiterleben dort haben – wenn nicht alle Katholiken weltweit an ihrer Seite stehen und auf die Politik einwirken”, hieß es vor einiger Zeit aus dem Patriarchat. Aus dem Westjordanland wanderten seit Kriegsausbruch bereits etwa 2.500 Christen aus.
Immerhin ist es dem Patriarchen von Jerusalem während der Kämpfe immer wieder gelungen, Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu schicken. Er unterstützte auch die seit Oktober 2023 von Arbeitslosigkeit betroffenen Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem. Die Arbeits-losenquote unter den Christen dort galt während der Kämpfe als höchste aller Zeiten.
Seit Oktober 2023 hat das Patriarchat viele Millionen Euro aufgewendet, um die Menschen, die auf dem Kirchengelände in Gaza Schutz suchen, mit dem Nötigsten zu versorgen. Denn die Preise für Nahrungsmittel im umkämpften Gazastreifen waren hoch. Auch die 77 Beschäftigten von zwei kirchlichen Schulen im Gazastreifen erhielten weiter ihre Gehälter. Sie boten, soweit möglich, heilpädagogische Förderung sowie Arabisch, Englisch und Naturwissenschaften an. Den größten Anteil der Kosten machte die Sicherstellung des Treibstoffs für den veralteten Stromgenerator aus - ein neuer konnte natürlich nicht gekauft werden. Während der Kämpfe wurden dafür 250.000 Euro pro Monat benötigt.
Die Not lindern
Für Familien in den palästinensischen Gebieten, die seit dem 7. Oktober 2023 ohne Einkommen sind, gab das Patriarchat monatlich fast 470.000 Euro für Lebensmittelgutscheine aus, für Medikamente und notwendige Operationen, für Stipendien an Universitäten, Schulgeld sowie zur Bezahlung von Strom, Wasser und Gas. Insgesamt wandte das Patriarchat bis Herbst 2024 über zwanzig Millionen Euro für die Grundversorgung der Christen auf, die aufgrund des Krieges ohne Einkommen waren. Das konnte die Kirche nicht aus den laufenden Einnahmen leisten.
An alle Leser richtet sich daher die Bitte um Spenden an das Lateinische Patriarchat in Jerusalem, um die Not der christlichen Palästinenser im Heiligen Land aufgrund der Kriegsfolgen zu lindern. Die Stiftung „Aid to the Church in Need” (ACN) leitet alle Spenden, die mit dem Zweck „Linderung der Gazakrieg-auswirkungen auf die christlichen Palästinenser“ eingehen, unverzüglich an das Lateinische Patriarchat Jerusalem weiter, nicht ohne die Spendenbescheinigungen zu erteilen. Das Patriarchat setzt alle Spenden für diese Zwecke ein, auch für die Christen im Westjordanland, die unter den Kriegsfolgen leiden.
Spenden-Empfänger:
KIRCHE IN NOT, LIGA Bank München
IBAN: DE 63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Heiliges Land – Hilfe in Palästina
Wichtig: Name und Anschrift im Feld Verwendungszweck mit eintragen

Karl Gertler
HS, E d. KDStV Norbertina im CV, Jg. 1947, seit 34 Jahren wohnhaft in Magdeburg, Verwaltungsjurist i.R., nach der Wiedervereinigung Geschäftsführer des Landkreistages Sachsen-Anhalt. Mitglied im ersten Reformausschuss des KV 1969, seit 2015 Schriftführer des AHV Hansea-Halle zu Münster. Seit ca. 20 Jahren als Mitglied des Ritterordens v. Heiligen Grab zu Jerusalem engagiert im Hl. Land
Minderheit in Israel, Jordanien und palästinensischen Gebieten Christen im Heiligen Land
Karl Gertler (Hs)
Zum kommenden Weihnachtsfest liegen zwanzig Jahre zurück, seit meine Frau und ich von einer Jerusalemer Familie eingeladen wurden, das Fest dort zu verbringen und Galiläa und das Westjordanland kennen zu lernen. Seitdem beschäftigen wir uns intensiv mit den politischen und religiösen Verhältnissen in Israel und den palästinensischen Gebieten. Durch viele Besuche, die nicht nur Pilgerfahrten waren, schlossen wir dort Freundschaften, zumal mit Christen verschiedener Konfessionen, Geistlichen und Laien. Inzwischen waren wir auch viele Male in Jordanien, also jenseits des Jordans.
Geografisch galt das Land des heutigen Israel, der palästinensischen Gebiete und Jordaniens seit der römischen Herrschaft als Palästina. Christliches Leben entwickelten die Apostel von Jerusalem aus nach der Auferstehung Christi. Es bestand neben dem jüdischen Leben. 638 n. Chr. eroberten muslimische Heere Jerusalem, brachten Islam, arabische Kultur und Sprache nach Palästina. Wir kennen christliche Familien in Palästina und dem heutigen Jordanien, deren Stammbäume bis zur Zeit vor der muslimischen Eroberung zurückreichen.
Knapp ein Jahrhundert nach dem Ersten Kreuzzug eroberte Sultan Saladin Ende des 12. Jh. Jerusalem zurück, Christen durften dort nicht mehr leben, Juden zurückkehren. Nur die Franziskaner durften die christlichen heiligen Stätten verwalten. Als letzter Stützpunkt der Kreuzfahrer fiel 1291 die Stadt Akkon. Danach gab es bis Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Briten die Mandatsherrschaft übernahmen, keine christliche Herrschaft mehr in Palästina. In dieser Zeit entwickelten sich in den Städten christliche Gemeinden, die jedoch keine gesellschaftliche Rolle mehr hatten.
Ab 1335 sind christliche Pilgerfahrten Adliger aus Europa zum Heiligen Grab belegt. Dort schlugen sie Adelige in der Grabeskirche zu Rittern des Heiligen Grabes – mit Genehmigung des Kustos. Bald ernannte der Kustos selbst solche Ritter, der ritterliche Eid wurde von kriegerischen Elementen befreit. Eine Ordensstruktur hatten diese Grabesritter jedoch nicht.
1868 erließ Papst Pius IX. eine Bulle, mit der er den Ritterorden vom Heiligen Grab gründete und ihn beauftragte, für die Christen im Heiligen Land und das Lateinische Patriarchat durch Gebet, Pilgerreisen und Spenden zu sorgen, 1888 verfügte der Papst die gleichberechtigte Aufnahme von Frauen.
Je nach Land leben Christen unterschiedlich zwischen Juden und Muslimen. In Israel gibt es hebräisch, arabisch sprechende und von der Herkunft her palästinensische Christen. Sie zählen ca. 140.000 Mitglieder und sind meist Angehörige der griechisch-orthodoxen Kirche, doch gibt es seit dem 19. Jahrhundert, „lateinische” Pfarreien und einige protestantische Gemeinden. Ihre Alltags- und Gottesdienstsprache ist Arabisch. Sie besitzen die israelische Staatsbürgerschaft mit einigen Einschränkungen, haben sich mehrheitlich mit dem israelischen Staat arrangiert, schätzen die sozialen Errungenschaften und die Freiheit, mit einem israelischen Pass zu reisen. Hinzu kommen etwa 160.000 zumeist christliche Vertragsarbeiter aus China, Indien, Sri Lanka, den Philippinen und anderen Ländern. Viele von ihnen bleiben nach Ende ihrer Vertragslaufzeit von meist drei Jahren. Auch gibt es Asylbewerber aus Eritrea oder dem Südsudan, zumeist Katholiken. Sie leben im Wesentlichen in der Kultur ihrer Heimatländer und pflegen ihren Glauben in der Heimatsprache. In Palästina, näherhin Ostjerusalem, Westjordanland und Gaza, leben rund 48.500 lateinische Christen, tausend waren es bis zum 23. Oktober im Gazastreifen, heute sind es noch bis fünfhundert. Unter der arabischen Bevölkerung im Westjordanland liegt der Anteil der Christen gerade bei einem Prozent gegenüber 99 Prozent Muslimen, in Gaza sind es 0,5 pro Tausend. Allerdings stehen kirchliche Einrichtungen wie Schulen, Hospitäler und Altenheime auch für Muslime offen, so dass knapp die Hälfte der Bevölkerung davon profitiert. In Jordanien leben etwa acht Millionen Muslime und ca. 160.000 Christen. Sie stammen nicht selten aus Familien mit alten christlichen Wurzeln und praktisch keine Juden.
Bewohnern des Westjordanlands ist es derzeit nicht erlaubt, nach Jerusalem zu reisen. Ihr Land wird ihnen seit Beginn der derzeitigen Auseinandersetzungen in Gaza von der Siedlerbewegung vielfach streitig gemacht, was gegen internationales Recht verstößt. In den palästinensischen Gebieten unter britischer Kontrolle gab es bis 1948 nur wenige alte Städte mit Grundbucheinträgen. Ähnlich verhält es sich mit den Bewohnern des Gazastreifens. Entsprechend schwierig sind die rechtlichen Möglichkeiten, sich des Drängens der Siedler zu erwehren.
Einheimische Palästinenser sind nur ein Bruchteil der heutigen Bevölkerung des Westjordanlands. Die weitaus meisten wurden seit 1948 dorthin vertrieben, viele flohen auch in den Libanon, nach Syrien, Jordanien und Ägypten. Bis heute versorgt sie die UNRWA, die Unterstützungsagentur der Vereinten Nationen für palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten, mit Nahrungsmitteln, Bildung und medizinischer Betreuung. Die UNRWA hat seit 1948 palästinensische Flüchtlingslager in Gaza (damals von Ägypten besetzt), im Westjordanland, Jordanien und im Libanon betreut und ihnen auch Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimat gemacht. Bis heute werden von der UNRWA die Nachkommen als Flüchtlinge anerkannt. In den Flüchtlingslagern lebt inzwischen die fünfte Generation dieser Familien.
Heute haben diese Nachfahren mehrheitlich einen Pass der aufnehmenden Staaten oder sie sind ausgewandert. In den von der UNRWA betriebenen Schulen wird bis heute der Hass auf die Israelis vermittelt, umgekehrt aber auch in israelischen Kindergärten, wie etwa die Wochenzeitschrift „Die Zeit” vor einem Jahr berichtete (Die Zeit Nr. 39 2024 vom 12. September S. 38).
Die Christen unter den Palästinensern, die seit 1948 aus den heutigen israelischen Gebieten in das Westjordanland vertrieben wurden, haben nur selten an den Aufständen teilgenommen, konnten aber zumeist nicht zu einem gesicherten Erwerbs- und damit Familienleben kommen. Die christlichen Schulen sind bei den Muslimen traditionell beliebt, weil sie ein höheres Ansehen haben als staatliche Schulen und einen besseren Unterricht anbieten, vor allem in den Sprachen, sodass die Menschen in den Städten und Dörfern im Allgemeinen friedlich zusammenleben.
In Jordanien leben etwa 160.000 Christen unter mehr als acht Millionen Muslimen. Das Königshaus sorgt dafür, dass die Christen zwei Minister, drei Senatoren und neun Parlamentsabgeordnete stellen, auch einige hochrangige Ministerialbeamte gehören christlichen Konfessionen an. Offene Konflikte zwischen Muslimen und Christen konnten bisher eingedämmt oder unterdrückt werden, obwohl das Verhältnis nicht immer spannungsfrei ist.
Insgesamt ist es Muslimen und Christen in Jordanien gelungen, relativ gut zusammenzuleben. Der Haschemiten-König kooperiert vorbehaltlos mit den europäischen Regierungen bei der Unterstützung der sehr bedürftigen Bevölkerung im Gazastreifen. Aus seiner Ablehnung der Hamas macht er keinen Hehl. Jordaniens Bevölkerung besteht infolge der mehrfachen Aufnahme von Flüchtlingen (1948 und 1967) inzwischen aus mehr eingewanderten Palästinensern als einheimischen Jordaniern, die trotz der geografischen Nachbarschaft eine andere Lebenskultur pflegen.
Christliche Hochschulabsolventen finden in Jordanien seit vielen Jahren keine geeignete Arbeit mehr. Sie suchen eine berufliche Zukunft in Europa, Nord- oder Südamerika. Wir kennen mehrere katholische Familien in Jordanien, deren Kinder das Heimatland ihrer Eltern verlassen haben.





