Zusammen mit seiner Frau, Tochter und deren Kommilitonin leistete Kb Dr. med. dent. André Trojanski (Wh, Smn, Nm-W) in Südamerika zahnärztliche Hilfe - ein Erlebnisbericht.
Dr. André „Troja“ Trojanski (Wh, Nm-W, Smn)
Im Rahmen des FCSM (Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. - Zahnmedizin für Lateinamerika) arbeitete ich mit meiner Frau, der Zahnärztin und bayerischen Landtagsabgeordneten Dr. Andrea Behr, sowie unserer Tochter Katharina und ihrer Kommilitonin Josefine Paeßens (beide cand.med.dent.) im August 2025 im Projekt „Consultorio Dental“ in Huancarani/Bolivien. Diese Zahnarztpraxis wird ganzjährig von ehrenamtlichen arbeitenden Zahnärzten, Zahntechnikern und Assistenzpersonal sowie Studenten der Zahnmedizin betrieben.
Neben der zahnärztlichen Behandlung werden dort auch Prophylaxe und undgesundheitsaufklärung angeboten. Lokale Unterstützung erfolgt durch bolivianische Helfer, die auch bei der Verständigung mit den Patienten als Dolmetscher und Übersetzer behilflich sind. Oft kommen die Patienten aus der umliegenden Re-gion, manche auch aus weit entfernten Städten. Die Patienten sind sehr dankbar, sind sie doch meist arm und gehören der unteren sozialen Schicht an: Für sie wäre gute Zahnmedizin sonst kaum erschwinglich. Viele sprechen die Sprache der an-sässigen indigenen Bevölkerung, das Quechua, was Anlass zu besonderer sprachlicher Rücksicht gibt. Das Projekt ist sehr gut organisiert und etabliert. Es hat großen Zulauf.
Bolivien ist ein Land mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen, besonders in ländlichen Regionen wie Huancarani. Das plurinationale Land mit immerhin 36 anerkannten Volksgruppen und den größten Anteilen an indigener Bevölkerung Südamerikas ist momentan politisch sehr labil. Mit einer Inflationsrate bis zu fünfundzwanzig Prozent ist es für die sozial schwachen Bevölkerungsgruppen sehr schwer, eine adäquate Gesundheitsversorgung zu bekommen.
Die Behandlung wurde von uns jeden Tag von 8:30 bis 17:00 Uhr selber organisiert. Zahlreiche Patienten kamen, bei vielen von ihnen war der Gebisszustand sehr desolat. Füllungen und Extraktionen waren an der Tagesordnung. Das Klientel ging durch alle Altersgruppen. Es gab viel zu tun.
Die Wochenenden nutzten wir, um Bolivien und seine Menschen besser kennen zu lernen - ein Land von Gegensätzen und unglaublich schönen Landschaften. Wir kamen von El Alto auf 4.100 Metern zum Titicacasee oder besuchten die größte Salzwüste der Erde: die Salar de Uyuni. Wir gingen in Rurrenabaque als Tor zum bolivianischen Amazonasgebiet auf „Anakondasuche“ oder fuhren auf einem Seitenarm des Amazonas (Rio Beni), um dort Kaimane, Capybara, Faultiere oder Kapuzineräffchen zu beobachten.
Ein Land, so bizarr und schön - und doch so arm. Wir haben den prägenden Eindruck unseres Einsatzes trotz aller Gegensätze sehr genossen – vor allem durch die Herzlichkeit der Menschen.
Unseren Jahresurlaub zum „Helfen und Heilen“ einzusetzen, haben wir nicht bereut. Einfach da sein für andere!
