"Am Ende haben alle gewonnen"

Interview mit dem Finanzvorstand des KV-Rats Kb Harald Stollmeier, M.A.

Du warst schon im „alten” KV-Rat Finanzvorstand und bist es im neuen KV-Rat erneut. Sind Finanzen sozusagen dein Lieblingsfach?
Nein. Mein Lieblingsfach sind unsere Grundsätze. Aber das Fach Finanzen ist versetzungsrelevant, im Grunde für uns alle. Nur wenn wir es schaffen, unsere Finanzen zu konsolidieren, kann unser KV wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommen.

Wie groß ist die Aufgabe?
Wir müssen unsere jährlichen Ausgaben um mindestens 80.000 Euro senken, damit wir mit einem A-Philister-Verbandsbeitrag von 67,00 Euro auskommen. Wir haben ein gutes Jahr Zeit, dieses Ziel zu erreichen, denn für 2026 hat die VV uns noch einmal 75,00 Euro pro A-Philister bewilligt. Aber ab 2027 gilt der gesenkte Beitrag, und darüber hinaus müssen wir aus demographischen Gründen mittelfristig mit weiter sinkenden Philisterzahlen rechnen.

Wie fangt Ihr es mit dem Sparen an?
Die Finanz-Taskforce aus den Kartellbrüdern Ralf Becker, Peter Ehrensperger, Michael Lücke und Dirk Tiemann hat zur VV 2025 einen sehr guten Plan entworfen, den wir nun konkretisieren müssen. Dabei halten wir uns an wenige einfache Prinzipien: 1. Dinge nicht mehr tun, 2. Dinge weniger bzw. seltener tun, 3. Dinge einfacher und deshalb billiger tun und 4. Dinge kostenpflichtig tun, die wir bisher aus den Verbandsbeiträgen finanziert haben. Am wichtigsten ist der Grundsatz, in allem so einfach wie möglich zu arbeiten.

Mal ehrlich: Warum habt ihr das nicht längst getan?
In Wirklichkeit haben Damian Kaiser und sein Team, aber auch die KV-Räte der vergangenen 20 Jahre immer wieder rationalisiert. Wenn wir noch so arbeiten würden wie 2005, dann müsste unser Haushalt 50 Prozent größer sein, und dabei ist die seit 2022 wieder spürbare Inflation nicht einmal berücksichtigt. Und in den vergangenen drei Jahren haben auch wir in vielen Einzelfällen konkret gespart, aber eben immer im Rahmen geltender VV-Beschlüsse. Erst jetzt haben wir ein umfassendes Mandat. Man könnte sagen, dass die VV uns weitgehend Carte blanche gegeben hat. Hauptsache, wir erreichen am Ende das Ziel.

Wie geht es denn weiter?
Schon auf unserer Klausurtagung am letzten Septemberwochenende haben wir Beschlüsse gefasst, die Einsparungen von ca. 40.000 Euro pro Jahr bringen werden, und das schon im Jahr 2026. Dabei geht es im Wesentlichen um den Reiseetat des KV-Rats, der auf 15.000 Euro reduziert wird, und um die Reduzierung der aus Verbandsbeiträgen finanzierten AM-Ausgaben von 8 auf 6 pro Jahr; 2 weitere Ausgaben werden gegebenenfalls aus Spenden finanziert, aber dabei muss der personelle Aufwand im Sekretariat abgedeckt sein, nicht nur die Sachkosten.

Das ist aber höchstens die halbe Miete. Die größten Hoffnungen setzen wir in das Projekt IT, das heißt die Optimierung und Automatisierung von Abläufen im Sekre-tariat durch Einsatz von neuer Software bis hin zu künstlicher Intelligenz. Für dieses Projekt stehen im KV-Rat die KbKb Richard Drexler und Michael Lücke und als externe Experten die KbKb Philipp Meyring und Dirk Tiemann. Eine sehr wichtige Rolle spielt bei der Vereinfachung von Abläufen aber auch die Mitwirkung der Kartellvereine und der einzelnen Kartellbrüder.

Was bedeutet das?
Die einzelnen Kartellbrüder müssen vor allem Verständnis dafür haben, dass unser Sekretariat telefonisch nur noch eingeschränkt erreichbar sein wird. Aber die Kartellvereine, vor allem die Altherrenvereine, müssen wirklich kooperieren. Nehmen wir zwei der Aufgaben, die im Sekretariat am meisten Arbeit machen: Beitragsberechnung und Beitragserhebung. Allen VV-Beschlüssen zum Trotz gehen die Mitgliederdaten der meisten Vereine nicht zum Stichtag ein. Nach Zustellung der Rechnung kommt es dann immer wieder zu verspäteten Korrekturen, Rechnungskürzungen, geplatzten Einzügen und, natürlich, zeitraubenden Nachverhandlungen.

Der neue KV-Rat hat beschlossen, das Verfahren zu vereinfachen. Ab jetzt erwarten wir von den Altherrenvereinen, dass sie die auf Grundlage der zum Stichtag vorliegenden Mitgliederdaten erstellte Rechnung bezahlen bzw. einziehen lassen. Danach können die Kartellvereine Einwände gegen die Rechnung erheben, die vom KV-Rat geprüft und bei der nächsten Rechnungsstellung berücksichtigt werden. 
Damit soll zugleich ein Anreiz gesetzt werden, zeitnah alle beitragsrelevanten Änderungen des Mitgliederbestands (insbesondere Todesfälle und Austritte) an das KV-Sekretariat zu melden - und nicht erst nach z.T. vielen Monaten. Diese nachträglichen Korrekturen sind aber nur für das eine Beitragsjahr möglich, nicht für frühere Jahre. Die Altherrenver-eine bekommen dazu auch einen Brief.

Sind die Vereine denn nicht sowieso verpflichtet, die Rechnung zu bezahlen? Und ist die Rechnung nach den Stichtagsdaten nicht auf jeden Fall gültig?
Zweimal ja. Aber letzten Endes geschieht alles im KV auf der Grundlage von Freiwilligkeit und Einsicht und in den Vereinen außerdem ausschließlich ehrenamtlich. Deshalb sollten Fehler und Versäumnisse heilbar sein. Altherrenvereinsvorstände können künftig ihre Beitragsrechnung auch bei Zweifeln zunächst bezahlen, weil sie wissen, dass sie danach mit uns reden können. Dieses Vorgehen senkt die Transaktionskosten dramatisch.

Ist das denn gerecht gegenüber den Vereinen, die pünktlich melden und pünktlich zahlen?
Nein, das bisherige Vorgehen ist den gut arbeitenden und pünktlich zahlenden Altherrenvereinsvorständen gegenüber nicht gerecht. Demgegenüber bietet das neue Verfahren allen Kartellvereinen Vorteile, die zeitnah ihren Meldepflichten nachkommen. Wir können nur darum bitten und darauf hoffen, dass die pünktlichen Zahler uns darin beistehen in der begründeten Hoffnung, dass am Ende das Ergebnis stimmt. Das ist ja im Grunde der Deal: Alle machen mit, und am Ende haben alle gewonnen.

Die Fragen stellte Kb Reinhard Nixdorf.

Harald Stollmeier, M.A.

Kb Harald Stollmeier (Gm, Nf, Sbg, Blt, Erm, Smn) ist in Starnberg geboren und, als Offizierskind, in Limburg/NL, im Odenwald und im Münsterland aufgewachsen. Nach dem Grundwehrdienst studierte er in Münster Geschichte, Englisch und Volkskunde und wurde 1987 beim KStV Germania aktiv. Von 2005 bis 2009 war er Vorsitzender des KV-Altherrenverbunds und hat dieses Amt seit 2022 von neuem inne. Er arbeitet als Pressesprecher der Novitas BKK, ist dreifacher Vater und lebt mit seiner Familie in Voerde am Niederrhein.